Journalistin in Nordirland erschossen | Aktuell Europa | DW | 19.04.2019
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Vereinigtes Königreich

Journalistin in Nordirland erschossen

Die Frau berichtete über die gewaltsamen Ausschreitungen in der nordirischen Stadt Londonderry. Die Polizei ermittelt wegen Mordes und spricht von "terroristischen Aktivitäten".

Der Tod einer 29-Jährigen in der Wohnsiedlung Creggan werde als "terroristischer Vorfall" behandelt, twitterte die örtliche Polizei am frühen Freitagmorgen. Es seien Mordermittlungen eingeleitet worden. 

Bei der Getöteten handle es sich um die Journalistin Lyra McKee. Damit bestätigte die Polizei Informationen, die zuvor von Reportern gegeben worden waren. McKee hatte häufig über den Konflikt in Nordirland berichtet. Ihr Twitter-Account ist mittlerweile geblockt, eine Freundin und Kollegin veröffentlichte die letzte Nachricht von Lyra McKee:

Zuvor war es in Creggan zu Ausschreitungen gekommen - es wurden Schüsse abgefeuert und Brandsätze geworfen. Auf Bildern sind brennende Autos, gepanzerte Einsatzfahrzeuge der Polizei und schwer bewaffnete Sicherheitskräfte zu sehen. Medienberichten zufolge war die Journalistin zwischen die Fronten geraten und von einem Querschläger getroffen worden.

"Angriff auf den Friedensprozess"

Die Vorsitzende der nordirischen Democratic Unionist Party (DUP), Arlene Foster, verurteilte "sinnlose" Gewalt. "Diejenigen, die in den 70er, 80er und 90er Jahren Schusswaffen in unsere Straßen gebracht haben, lagen falsch. 2019 ist es genauso falsch." Auch die Vize-Vorsitzende der nationalistischen Sinn Fein, Michelle O'Neill, verurteilte den Tod der jungen Frau. "Das war ein Angriff auf die Gemeinschaft, ein Angriff auf den Friedensprozess und auf das Karteifreitagsabkommen."

Unruhen in Londonderry (picture-alliance/AP Photo/N. Carson)

In Flammen aufgegangen: Auto in Creggan

Das 1998 geschlossene Abkommen hatte den Nordirland-Konflikt beendet, in dem sich jahrzehntelang irisch-katholische Nationalisten und protestantische Loyalisten bekämpften. Im Zuge der Brexit-Verhandlungen waren zuletzt Sorgen aufgekommen, die drohende Einführung von Grenzkontrollen zwischen Nordirland und der auch künftig zur EU gehörenden Republik Irland könnte wieder eine Gewaltspirale in Gang setzen.

Paramilitärs treiben ihr Unwesen

Seit Jahresbeginn sind wiederholt Sprengsätze in Londonderry explodiert, ohne dass es dabei jedoch Verletzte gab. Einer detonierte im Januar vor einem Gericht mitten in der Stadt, nachdem kurz zuvor eine Warnung bei den Behörden eingegangen war. Londonderry - von den mehrheitlich katholischen Einwohnern schlicht Derry genannt - hat rund 85.000 Einwohner und liegt im äußersten Nordwesten Nordirlands an der Grenze zur Republik Irland.

wa/fw (dpa, afp)

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