Journalisten und Politiker weltweit ausgespäht? | Aktuell Welt | DW | 18.07.2021
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Überwachungssoftware "Pegasus"

Journalisten und Politiker weltweit ausgespäht?

Hunderte Personen sind laut Medienberichten offenbar Opfer umfassender staatlicher Abhöraktionen geworden. Im Fokus der großangelegten Recherche steht die Spionagesoftware "Pegasus" des israelischen Anbieters NSO.

Israel | NSO Group

Vor dem Gebäude der NSO Group in der Nähe von Tel Aviv

An der Recherche eines internationalen Journalistenkonsortiums waren die "Süddeutsche Zeitung", sowie die "Zeit", die ARD-Anstalten NDR und WDR und 15 weitere Redaktionen aus zehn Ländern beteiligt. Wie die Medien berichteten, sollen Geheimdienste und Polizeibehörden mehrerer Länder eine Spähsoftware des israelischen Unternehmens NSO Group missbraucht haben, um damit die Mobiltelefone von Journalisten, Menschenrechtsaktivisten, Anwälten und Politikern anzuzapfen.

Die Recherchegruppe konnte eigenen Angaben zufolge gemeinsam mit den Organisationen Forbidden Stories und Amnesty International eine undichte Stelle mit mehr als 50.000 Telefonnummern auswerten, die mutmaßlich seit 2016 zum Ziel möglicher Überwachungen durch Kunden von NSO wurden.

Das von der Firma entwickelte Programm namens "Pegasus" gilt dem Bericht zufolge unter Experten als das derzeit leistungsfähigste Spähprogramm für Handys auf dem kommerziellen Markt und ist als Cyberwaffe eingestuft worden. "Pegasus" ist ein Trojaner, mit dem unbemerkt iPhones und Android-Smartphones infiziert und mühelos Telefonate, SMS, E-Mails und sogar verschlüsselte Chats überwacht werden können. Mit der Software können sogar die Kamera und das Mikrofon eines Geräts unbemerkt eingeschaltet werden. Es ist demnach in der Lage, infiltrierte Mobiltelefone in Echtzeit auszuspähen.

Drahtzieher unklar

Zu den betroffenen Telefonnummern zählen laut dem Bericht die Nummern von zahlreichen Journalisten weltweit. Darunter sind laut "Guardian" auch Mitarbeiter der Nachrichtenagenturen AFP, Reuters und AP, der Zeitungen "New York Times", "Le Monde", "El País" und der Sender Al-Dschasira, Radio Free Europe und CNN. Insgesamt konnten demnach mehr als 180 Nummern von Journalisten ausgewertet werden. Zu den Betroffenen zählt laut den Recherchen auch Hatice Cengiz, die Verlobte des ermordeten saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi. Ihr Handy sei vier Tage nach dem Mord an Khashoggi mit der Schadsoftware Pegasus angegriffen worden. Nummern deutscher Journalisten sind laut der Recherche nicht darunter.

Wie die "Washington Post" berichtete, standen auf der Liste auch die Nummern von Staatsoberhäuptern und Ministerpräsidenten, Mitgliedern arabischer Königsfamilien, Diplomaten und Geschäftsleuten. Wer die Auftraggeber der möglichen Ausspähungen waren, sei nicht eindeutig klar geworden.

Spionagesoftware für Diktatoren?

Die Nummern sollen dem Recherche-Bericht zufolge offenbar von NSO-Kunden als potenzielle Ausspähziele ausgewählt worden sein. Die NSO Group wies die Vorwürfe vehement zurück. Nach offizieller Darstellung verkauft der Hersteller NSO seine Spionagesoftware nur an staatliche Stellen zum Zweck der Bekämpfung von Terrorismus und schwerer Kriminalität. NSO gehört zu den führenden Herstellern kommerzieller Spionagesoftware.

Tatsächlich aber legen die Recherchen des "Pegasus-Projekts" nahe, dass autoritäre Regime damit auch politische Gegner, Oppositionelle, Menschenrechtsaktivisten und kritische Journalisten überwachen und verfolgen.

NSO teilte auf Anfrage der Medien mit, sie habe "keinen Zugang zu den Daten der Zielpersonen" ihrer Kunden. Die Erfassung der Nummern könne "viele legitime und vollständig saubere Anwendungsmöglichkeiten haben, die nichts mit Überwachung oder NSO" zu tun hätten.

qu/ml (dpa, afp, ARD)

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