Jemen droht ″Hungerkatastrophe″ | Aktuell Nahost | DW | 19.09.2018
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Bürgerkrieg

Jemen droht "Hungerkatastrophe"

Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen schlägt Alarm: Durch den andauernden Krieg im Jemen müssen dort immer mehr Menschen hungern. Besonders betroffen: Kinder.

Wenn die Kämpfe im Jemen nicht umgehend endeten, drohe das arabische Land in eine "ausgewachsene Hungerkatastrophe" zu stürzen, erklärte David Beasley, der Direktor des UN-Welternährungsprogramms (WFP). Schon jetzt wüssten 18 Millionen Menschen - etwa zwei Drittel der Bevölkerung - nicht, woher sie ihre nächste Mahlzeit erhielten. "Ich fordere alle Beteiligten auf, die Kämpfe zu beenden und Friedensmaßnahmen zu unterstützen", sagte der US-Amerikaner in Rom.

U.N. World Food Program Leiter - David Beasley (picture-alliance/MAXPPP/Kyodo)

Kämpft gegen Hungersnöte weltweit: David Beasley

Zugleich verurteilte Beasley scharf alle Versuche, Einrichtungen und Mittel der humanitären Hilfe für den Bürgerkrieg zu missbrauchen: "Weder im Jemen noch sonstwo auf der Welt dürfen Mitarbeiter, Vorräte und Infrastruktur der humanitären Hilfe angegriffen werden", so der WFP-Direktor.

"Zu schwach zum Weinen"

Die Hilfsorganisation "Save the Children" lenkte den Fokus insbesondere auf leidende Kinder: Würden Hilfslieferungen durch die Kämpfe um die Hafenstadt Hodeida unterbrochen, könne "der Hungertod ein noch nie dagewesenes Ausmaß" annehmen, warnte deren Chefin Helle Thorning-Schmidt. Die Preise für Lebensmittel und Treibstoff schnellten in die Höhe, dadurch steige die Zahl der von Hunger bedrohten Kinder im Jemen auf mehr als fünf Millionen.

Helle Thorning-Schmidt (DW/Z. Abbany)

Leitet "Save the Children": Helle Thorning-Schmidt

Der Krieg könnte "eine ganze Generation von Kindern töten, die mit zahlreichen Gefahren konfrontiert sind - von Bomben über Hunger bis zu vermeidbaren Krankheiten wie Cholera", so Thorning-Schmidt. In einem Krankenhaus im Norden Jemen, das sie besucht habe, "waren die Babys zu schwach zum Weinen, ihre Körper waren ausgemergelt vom Hunger", berichtete die ehemalige dänische Regierungschefin.

Lebensmittellager im Visier?

Die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen warfen der jemenitischen Regierung und ihrem Verbündeten Saudi-Arabien derweil vor, absichtlich Lebensmittellager anzugreifen. Die von Saudi-Arabien angeführte Koaliton wiederum hatte angekündigt, eine "Militäraktion zur Befreiung von Hodeida und seines Hafens" fortzusetzen.

Im Jemen herrscht seit 2014 ein Bürgerkrieg, in dem nach UN-Angaben bereits etwa 10.000 Menschen getötet wurden. Nach Einschätzung der Vereinten Nationen handelt es sich um die schwerste humanitäre Krise weltweit.

wa/uh (kna, afp)

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