Jeder Tropfen zählt. UN-Dekade für Wasser | Mein 2030 | DW | 21.03.2018
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Mein 2030

Jeder Tropfen zählt. UN-Dekade für Wasser

Ohne Wasser kein Leben. Doch die kostbarste Ressource des Planeten ist unter Druck: Wir verschwenden und verschmutzen Wasser, wir treiben den Klimawandel an. Nun ruft die UN zum Jahrzehnt des Wassers auf.

Kapstadt, Südafrika: 4,5 Millionen Menschen sitzen auf dem Trockenen. Lange Schlangen an den städtischen Wasserverteilanlagen. Jedem Bewohner stehen täglich nur noch 25 Liter zu. Die Polizei schützt die Ausgabestellen, um Aufstände und Überfälle zu verhindern.

So sehen die Pläne der befürchteten "Stunde Null" in Kapstadt aus. Noch gehen die Behörden davon aus, dass die jetzige Rationierung von 50 Litern pro Person und Tag ausreichen wird, um eine komplette Abschaltung der Wasserversorgung in diesem Jahr zu verhindern. Die nächste Winterregenzeit wird dann hoffentlich die Speicher wieder füllen.

Die Situation in Kapstadt ist dramatisch, doch kein Kontinent bleibt von Wasserknappheit verschont. In der marokkanischen Provinzhauptstadt Zagora kam es im vergangenen Herbst zu gewaltsamen Protesten über die knappe Wasserversorgung bei über 40 Grad Hitze.

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Wassernot: Spanische Bauern fürchten um ihre Zukunft

In Spanien und Portugal sind die Wasserspeicher auf einem historischen Tiefstand. Gleichwohl stapelt sich spanisches Gemüse in deutschen Supermarkt-Regalen. Die Landwirtschaft in Spanien verbraucht fast 85 Prozent der nationalen Wasservorräte.

Mit wachsender Weltbevölkerung steigt der Bedarf an Wasser für Industrie, Landwirtschaft und Haushalte. Durch Abholzung, Versiegelung,  Umweltverschmutzung und Belastungen durch Abwasser sind die Wasservorräte unter zusätzlichem Druck. Die Vereinten Nationen schätzen, dass bereits heute mehr als ein Drittel der Weltbevölkerung unter Wasserknappheit leidet.

Klimawandel lässt Wasservorräte schrumpfen

Der Klimawandel verschärft die Situation.. Wie sie ist, lässt sich auch daran erkennen, dass Wasser eine große Rolle in den Klimaschutzplänen der einzelnen Länder spielen:

"Anpassung an den Klimawandel im Wassersektor ist in den nationalen Plänen schon recht gut abgedeckt", erzähltInes Dombrowsky vom Deutschen Institut für Entwicklungspolitik, DIE.  Sie hat untersucht, welche Rolle Wassermanagement in den Aktionsplänen der  196 Vertragsparteien zum UN Klimaschutzabkommen spielt. "Es gibt konkrete Maßnahmen in 60 % der Fälle. Vor allen Dingen auch in den Fällen, wo es relativ dringlich ist, also in Entwicklungsländern und in den wasserknappen Ländern."

Die Ökonomin leitet beim DIE das Forschungsprogramm "Umwelt-Governance und Transformation zur Nachhaltigkeit". In bisher veröffentlichten nationalen Aktionsplänen  vermisst sie jedoch meist einen nachhaltigen Lösungsansatz:

"Ökosysteme kommen weniger vor, Trinkwasserversorgung kommt weniger vor, und auch Wassermanagement kommt relativ wenig vor. Und all das ist wichtig für die Anpassung an den Klimawandel", erzählt die DIE-Expertin im DW-Interview.

Aufwändige Wasseraufbereitung

Beispiel Kläranlagen: Je aufwändiger Abwasser gereinigt und Nutzwasser aufbereitet werden muss, desto höher sind Energie- und Ressourcenverbrauch.  Und je knapper die Ressourcen, desto größer ist die Notwendigkeit das gebrauchte Wasser wieder zu recyceln.  Singapur ist das wohl extremste Beispiel. Die gut fünfeinhalb Millionen Einwohner beziehen zum Teil ihr Trinkwasser aus aufwändig recyceltem Abwasser.

Deutschland gehört zu den Ländern, die mit einem Überangebot an Wasser gesegnet ist. Laut Umweltbundesamt übersteigen die Wasserreserven den Bedarf der deutschen Haushalte, Industrie und Landwirtschaft um das Siebenfache, so die aktuell verfügbaren Zahlen aus dem Jahr 2013.

Grund zur Entwarnung ist das jedoch nicht. Denn es kommt nicht nur auf  die Menge, sondern auch auf die Qualität an. Im Herbst 2016 klagte die EU-Kommission beim Europäischen Gerichtshof gegen Deutschland wegen zu hoher Nitratbelastungen im Grundwasser. Dagegen hätte die Bundesregierung spätestens 2012 mit schärferen Vorschriften reagieren müssen, so die Begründung der Klage.

Die Nitratbelastung ist vor allem auf intensive Landwirtschaft und entsprechende Güllemenge zurückzuführen. Wenn zu viel Gülle auf den Feldern ausgebracht wird, versickert Nitrat ins Grundwasser. Das Umweltbundesamt, UBA, schätzt in einem Bericht an die Europäische Umweltagentur, dass die Nitratbelastung im Grundwasser an fast ein Fünftel der Messstellen den EU-Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter überschreitet.

Trinkwasser Cuvée

Das heißt jedoch nicht, dass auch das Trinkwasser belastet ist. Die Trinkwasserqualität in Deutschland wird äußerst penibel kontrolliert und die Daten beim Umweltbundesamt eingereicht. Laut einem Bericht des Bundesumweltamtes weichen Wasserversorger in belasteten Gebieten auf tiefere Brunnen oder Beimischung aus anderen Quellen aus, um die Nitratwerte für Trinkwasser nicht zu überschreiten. Bisher reichen die Maßnahmen:

"Keine Wasserversorgung überschreitet den Nitratgrenzwert", betont Ingrid Chorus, Leiterin der Abteilung Trink- und Badebeckenwasserhygiene beim UBA.

Leitungswasser (picture-alliance/R. Weihrauch)

Sauberes Wasser aus der Leitung ist die umweltfreundlichste Trinkwasserversorgung

"Es gibt auch technische Möglichkeiten das Nitrat wieder herauszuholen. Das würde das Wasser teurer machen. Das ist nicht das, was wir anstreben", betont sie.

Das größte Problem in Deutschland sei ohnehin nicht die Wasserqualität der Versorgungsunternehmen, sondern eher die Qualität der Versorgungsrohre in privaten Haushalten, meint Chorus.  Vor allem in älteren Gebäuden gebe es noch alte Leitungen, die Schadstoffe enthalten könnten.

"Deshalb sagen wir, wenn das Wasser kühl aus der Leitung kommt, also wenn man es ablaufen lässt, dann kann man es auf jeden Fall überall aus der Leitung trinken."

Leitung statt Flasche

Dennoch trinken viele Deutsche lieber Wasser aus der Flasche als Wasser aus der Leitung. "Es schmeckt besser" oder "Ich trinke lieber mit Kohlensäure", lauten die Argumente. Dabei wären zwei Milliarden Menschen weltweit froh, wenn sie diesen Luxus im Alltag genießen könnten:  Sauberes Trinkwasser aus der Leitung.

Die EU-Kommission möchte mit einer neuen Trinkwasserrichtlinie die EU-Bürger dazu animieren, Leitungswasser statt Flaschenwasser zu trinken,  nicht zuletzt weil Getränkeflaschen aus Kunststoff erheblich zum Müllproblem beitragen. Plastikmüll landet in Gewässern und Meeren und trägt damit wieder wesentlich zur Verunreinigung der weltweiten Wasserreserven bei.

Infografik Mikroplastik Quellen DEU

Auch die Vereinten Nationen werben für einen nachhaltigeren Umgang mit Wasser.  In den nachhaltigen Entwicklungszielen, den SDGs, ist Ziel Nummer sechs ganz dem Wasser gewidmet: "Verfügbarkeit und nachhaltige Bewirtschaftung von Wasser und Sanitärversorgung für alle gewährleisten".

Doch allen ist klar, dass die insgesamt siebzehn Ziele, die sich die internationale Gemeinschaft bis 2030 gesetzt hat. letztendlich von der globalen Wasserversorgung abhängig sind. Ob Armuts- oder Hungerbekämpfung, ob Gesundheit für alle oder nachhaltige Stadtentwicklung: Eine sichere Wasserversorgung ist Voraussetzung, um die Ziele zu erreichen.

Mit einer 10-Jahres-Kampagne, "Wasser für nachhaltige Entwicklung" wollen die Vereinten Nationen nun das Bewusstsein für die kostbarste Ressource des Planeten schärfen.

 

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