Jede(r) dritte Homosexuelle erlebt Diskriminierung am Arbeitsplatz | Aktuell Deutschland | DW | 02.09.2020
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Sexuelle Identität

Jede(r) dritte Homosexuelle erlebt Diskriminierung am Arbeitsplatz

Homosexuelle und Trans-Menschen müssen sich in Deutschland nicht mehr verstecken? Falsch gedacht! Etwa jeder Dritte von ihnen erlebt täglich in der Arbeitswelt, dass die Chancen nicht gleich verteilt sind.

Deutschland Regenbogenfahne vor dem Brandenburger Tor in Berlin (picture-alliance/ZUMA Wire/O. Messinger)

Nicht das Ende der Fahnenstange: Bis zur vollständigen Akzeptanz der LGBT+-Menschen ist noch einiges zu tun

Rund ein Drittel der Homosexuellen in Deutschland wird im Arbeitsleben diskriminiert. Unter den Trans-Menschen sind es sogar mehr als 40 Prozent, wie eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und der Universität Bielefeld ergab. In etwa der gleichen Größenordnung finden sich demnach Menschen, die vor Kollegen immer noch nicht offen mit ihrer Sexualität oder Geschlechtsidentität umgehen. Die Erhebung untersucht das Arbeitsumfeld von homo- und bisexuellen sowie trans-, queer und intersexuellen Menschen (LGBT+).

"Die Zahlen decken sich mit dem, was wir aus eigenen Erhebungen und auch aus unserer Beratungspraxis wissen", sagte Bernhard Franke, kommissarischer Leiter der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Im Arbeitsleben müssten homo- und bisexuelle Menschen häufig neben Mobbing auch sexuelle Belästigung erfahren und hielten deshalb ihre geschlechtliche Identität geheim. "Niemand darf in Deutschland wegen seiner sexuellen oder seiner Geschlechtsidentität benachteiligt werden", sagte Franke.

Nicht nur Mobbing

Transpersonen hätten in besonderem Maß mit Diskriminierung zu kämpfen. Oft würden Namensänderungen nicht akzeptiert, so Franke weiter. Daneben gebe es häufig Mobbingerfahrungen: "Zum Beispiel ein unangemessenes, oft sexualisiertes Interesse am Privatleben, das Imitieren oder Lächerlichmachen von Stimme oder Gesten oder die Verweigerung, die Toiletten entsprechend der Geschlechtsidentität nutzen zu dürfen."

Für Veränderungen seien vor allem Arbeitgeber gefragt, betonte Franke: "Unternehmen sollten Vielfalt herausstreichen und fördern - und nicht verstecken." Außerdem sei es wichtig, einzuschreiten, sobald Diskriminierung bekannt werde.

Höhere Qualifikation, andere Branchen

Homosexuelle und Trans-Menschen gehen der aktuellen Studie zufolge zwar in ähnlichem Maße einer Erwerbstätigkeit nach wie die heterosexuelle Bevölkerung, doch sind sie meistens höher qualifiziert und in anderen Branchen tätig.

So liege der Anteil der Fach- oder Hochschulabsolventen in der Personengruppe bei 60 Prozent, in der übrigen Bevölkerung gleichen Alters seien es 42 Prozent. Unterschiede gebe es auch bei der Branchenwahl: So arbeiten Homosexuelle seltener im produzierenden Gewerbe (17,2 Prozent), dafür aber häufiger im Gesundheits- und Sozialwesen (23,7 Prozent) sowie der Kunst und Unterhaltung (7,1 Prozent) als Heterosexuelle, weil sie dort auf größeres Verständnis der Belegschaft hoffen, wie es in der Studie heißt.

Demnach gehen im produzierenden Gewerbe nur 57 Prozent der homo- und bisexuellen sowie queeren, trans- und intergeschlechtlichen Menschen offen mit ihrer sexuellen Orientierung und Geschlechtsidentität um. Im Gesundheits- und Sozialwesen täten das hingegen knapp drei Viertel der Befragten. Insgesamt hätten sich fast 70 Prozent (69 Prozent) der Befragten vor Kollegen, aber nur 60 Prozent vor Vorgesetzten geoutet.

Was die Arbeitgeber tun können

Für Studienautorin Lisa de Vries von der Universität Bielefeld ist es wichtig, dass sich Unternehmen in Bezug auf die Gleichstellung dieser Personengruppe klar positionieren. Etwa bei Stellenausschreibungen, auf der Website des Unternehmens, aber auch im Betrieb selbst. So werde signalisiert, dass man auch dann auf Verständnis treffe, wenn bei diesem Arbeitgeber Diskriminierungserfahrungen gemacht würden.

Wenn betroffene Menschen "bestimmte Branchen und Unternehmen meiden, sie gleichzeitig aber höher gebildet sind, dann sollte allein schon diese Erkenntnis ein Anreiz für Unternehmen sein, ein diskriminierungsarmes Arbeitsumfeld zu schaffen, damit Arbeitsplätze für diese Zielgruppe attraktiver werden", unterstrich de Vries.

rb/qu (dpa, epd, kna)

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