Jede dritte Blutvergiftung in Deutschland endet tödlich | Aktuell Deutschland | DW | 13.09.2020
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Medizin

Jede dritte Blutvergiftung in Deutschland endet tödlich

Rund 95.000 Menschen sterben hierzulande jedes Jahr in Folge einer Blutvergiftung. Das müsste nicht sein, wie der Blick auf andere Industrienationen zeigt.

Die Diagnose einer Blutvergiftung, einer Sepsis, ist oft schwierig. Wird sie sofort erkannt, liegt die Überlebenschance bei 80 Prozent. Nach etwa sechs Stunden liegt sie nur noch bei 30 Prozent. Einem Bericht des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) zufolge sterben in der Bundesrepublik jedes Jahr rund 95.000 Menschen an den Folgen einer Sepsis – bei rund 300.000 gemeldeten Fällen.

Das RND veröffentlichte diese Zahlen am Weltsepsis-Tag, der an diesem Sonntag begangen wird. Die Journalisten berufen sich dabei auf die Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Linksfraktion im Bundestag. Darin räumte das von Jens Spahn (CDU) geführte Gesundheitsministerium ein, dass die Sterblichkeit bei Blutvergiftungen in Deutschland höher liegt als in anderen Industriestaaten.

Die Linke fordert Spahn zum Handeln auf

2017 hatte laut RND ein Bündnis aus Betroffenen, Fachgesellschaften und Experten angegeben, dass die Todesfallrate in Deutschland um zehn bis 20 Prozent über der in den USA, Australien oder Großbritannien liegt. Weltweit sterben laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) jedes Jahr rund elf Millionen Menschen an einer Sepsis, darunter fast drei Millionen Kinder. In vielen Fällen infizieren sie sich im Krankenhaus.

Deutschland Coronavirus Intensivbett an Uniklinik Dresden (picture-alliance/dpa/R. Bonss)

Oft holen sich die Patienten die Sepsis auch im Krankenhaus

Auf die Fragen der Linksfraktion nach Maßnahmen zur Bekämpfung der Sepsis verwies das Gesundheitsministerium laut RND auf ein Hygieneförderprogramm für Kliniken, die deutsche Strategie zur Reduzierung von Antibiotikaresistenzen und Kampagnen zur Steigerung der Impfquote. Einen nationalen Aktionsplan Sepsis oder die 2018 von den Gesundheitsministern der Länder geforderte Einrichtung einer Expertengruppe beim Robert-Koch-Institut halte die Regierung dagegen nicht für nötig, so das RND.

Die Linken-Gesundheitspolitikerin Pia Zimmermann kritisierte diese Haltung. "Die Weigerung des Ministeriums, erste einfache Schritte zur Senkung der Sepsissterblichkeit einzuleiten, ist nicht nachzuvollziehen", sagte sie dem RND. "Fest steht: Herr Spahn bricht seine im Amtseid eingegangene Verpflichtung, Schaden von der Bevölkerung abzuwenden."

djo/as (afp, dpa)

 

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