Japan bleibt bei Politik des billigen Geldes | Wirtschaft | DW | 15.03.2016
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Wirtschaft

Japan bleibt bei Politik des billigen Geldes

Nach dem geldpolitischen Feuerwerk der EZB hält auch Japans Zentralbank die Geldschleusen unverändert weit geöffnet. Von einer weiteren Lockerung der Geldpolitik sahen die Notenbanker allerdings vorerst ab.

Die Bank von Japan (BoJ) beschloss am Dienstag nach dem Abschluss zweitägiger Beratungen, die Geldmenge wie gehabt um jährlich 80 Billionen Yen (rund 632 Mrd Euro) auszuweiten. Auch an den im Januar überraschend eingeführten Negativzinsen zur Ankurbelung der Preise und des Wirtschaftswachstums halten die Notenbanker fest.

Auch die Europäische Zentralbank kämpft mit allen Mitteln gegen Mini-Inflation und Konjunkturschwäche: Die Währungshüter senkten erst vor wenigen Tagen den Leitzins von 0,05 Prozent auf null Prozent. Zugleich pumpt die EZB noch mehr Geld in den Markt und brummt Finanzinstituten, die Geld bei ihr parken, höhere Strafzinsen auf. Die Finanzmärkte schauen nun auf eine Sitzung der US-Notenbank Fed. Es wird aber nicht damit gerechnet, dass die Währungshüter der USA die Leitzinsen weiter anheben.

Japan ringt um Inflation

Die japanischen Notenbanker kämpfen darum, nach fast zwei Jahrzehnten der Deflation mit stetig fallenden Preisen ein Inflationsziel von zwei Prozent zu erreichen. Doch das gestaltet sich nicht zuletzt wegen des Ölpreisverfalls schwierig.

Sinkende Preise gelten als problematisch, weil sinkende Erlöserwartungen Unternehmer davon abhalten können, neue Investitionen zu tätigen. Im Januar dümpelten die Verbraucherpreise weiter vor sich hin. Vor allem wegen der weiterhin schwachen Ausgaben der Verbraucher, die in Japan zu rund 60 Prozent zur Wirtschaftsleistung des Landes beitragen, war die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt im Schlussquartal 2015 um eine hochgerechnete Jahresrate von real 1,1 Prozent geschrumpft.

Negativzins soll Banken zur Kreditvergabe treiben

Vor diesem Hintergrund sowie angesichts von Sorgen über die Flaute beim größten Handelspartner China führte die Bank von Japan im Januar einen Negativzins von 0,1 Prozent ein. Damit sollen Geschäftsbanken - ähnlich wie in der Eurozone - davon abgehalten werden, große Mengen an Geld bei der Notenbank zu parken, anstatt sie als Kredite für Investitionen an die Unternehmen zu vergeben.

Bisher hat es jedoch keine großen Anzeichen dafür gegeben, dass Unternehmen mehr Geld aufgenommen haben. Notenbankchef Haruhiko Kuroda zeigte sich dennoch überzeugt, dass der Negativzins Wirkung auf die Realwirtschaft wie auch auf die Preisentwicklung zeigen werde. Notfalls sei man bereit, weitere Schritte zur Lockerung der Geldpolitik zu ergreifen.

Die Wirtschaft des Landes habe ihren "Trend einer moderaten Erholung" trotz schwächelnder Exporte fortgesetzt, erklärte die BoJ. In der Sprache der Zentralbank bedeutet diese Formulierung eine leichte Herabstufung in der Einschätzung der Wirtschaftslage. Dies sei vor allem auf die Verlangsamung des Wachstums in den Schwellenländern zurückzuführen. Im Januar hatte die BoJ noch klarer formuliert, die Wirtschaft erhole sich moderat. An der Börse stieß die Entscheidung der BoJ, vorerst keine weitere Lockerung der geldpolitischen Zügel vorzunehmen, auf Enttäuschung.

iw (dpa, rtr)