Jürgen Klopp: Der Selfmade-Coach | Sport | DW | 03.06.2019
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Menschenfänger, Entertainer, Fußballtrainer

Jürgen Klopp: Der Selfmade-Coach

Jürgen Klopp ist auf dem Fußball-Gipfel angekommen. Mit dem FC Liverpool gewinnt der Fußballlehrer die Champions League. Damit krönt der in vielen Belangen außergewöhnliche Coach seine außergewöhnliche Karriere.

Es ist die vorläufige Krönung seiner Karriere. Jürgen Klopp feierte am Sonntag mit Hundertausenden von Fans des FC Liverpool auf den Straßen der Stadt den Gewinn der Champions League. Klopp, der Trainer, der Menschenfänger, der Entertainer. Den sechsten Pokal dieser Art holten die "Reds" mit dem "Manager" Klopp. Damit ist er unweigerlich in die große Geschichte des Klubs eingetreten.

Selten vereinte ein Einzelner wie Klopp so viele Attribute miteinander, um seinen Beruf auszuüben. Kein Wunder also, dass sie den 51-Jährigen in der Arbeiterstadt im Nordwesten Englands aufgenommen haben, als wäre er schon immer einer von ihnen gewesen.

Klopp ist in Liverpool, in dieser Stadt, die sich auch zu einem gehörigen Maße mit diesem Traditionsverein identifiziert, ein mehr als gern gesehener Gast. So wie schon in Dortmund beim BVB. Und auch beim FSV Mainz 05, wo er einst seine große Karriere auf niedrigem Niveau begann.

Erster Aufstieg mit Mainz

Die Experten Urs Meier (l.) und Jürgen Klopp (M.) sowie Moderator Johannes B. Kerner (picture-alliance/dpa/P. Seeger)

Die Experten Urs Meier (l.) und Jürgen Klopp (M.) sowie Moderator Johannes B. Kerner

Klopp war einst auch als Spieler aktiv. Ein Ballzauberer war er aber in seiner aktiven Karriere eher nicht. Eigentlich Stürmer, wurde er beim Zweitligist Mainz bald zum Verteidiger umgeschul und steht dabei eher für einen rustikalen Stil. Die Fans mochten vor allem seine ehrliche Art, Fußball zu spielen. Dass er damals schon eine besondere Aura hatte, war nur schwer zu übersehen. Als einziger Spieler der Mainzer hatte er einen eigenen Fan-Klub, die "Kloppos". 

Nahtlos wechselte Klopp im Jahr 2001 dann vom Spielfeld auf die Trainerbank. Nachdem Mainz zweimal knapp daran gescheitert war, gelang dem Team unter Klopp 2004 im dritten Anlauf der erste Aufstieg des FSV in die Bundesliga. Nach dem Abstieg 2007 und dem knapp verpassten Wiederaufstieg im Jahr darauf verabschiedete sich Klopp tränenreich aus Mainz: nach 18 Jahren als Spieler und Trainer.

Erst wurde er Fernsehexperte beim ZDF und machte sich beim Publikum mit seiner offenen Art und seinem schallenden Gelächter einen Namen. Dann zog es ihn sportlich ins Ruhrgebiet. Sein neues Ziel: Borussia Dortmund.

Ungewöhnliche Maßnahmen

Beim BVB wussten sie im Sommer 2008 allerdings nicht so recht, worauf sie sich einließen. Es gab durchaus auch Zweifel an dem gebürtigen Stuttgarter, der auch gerne mal aneckte und sich nicht reinreden ließ. Dortmund war nach der Fast-Pleite drei Jahre zuvor immer noch dabei, die Finanzen zu sanieren, sportlich lief es ebenfalls nicht rund.

Klopp versprach, dem Verein "wieder in die Spur" zu helfen und "Vollgas-Fußball" spielen zu lassen. Seine Devise lautete: Keine Stars kaufen, sondern sie machen. Und er hielt Wort. So stellte der Coach die beiden damals erst 19 Jahre alten Mats Hummels und Neven Subotic ins Abwehrzentrum - was sich als äußerst erfolgreich erweisen sollte.

Für ungewöhnliche Maßnahmen war er auch jenseits des Platzes stets zu haben - und ließ die Öffentlichkeit daran teilhaben - z.B. an seiner Haartransplantation. "Wir haben mit unseren Söhnen und einem Freund, der Arzt ist, zusammengesessen und darüber gesprochen, was man an sich ändern würde, wenn man könnte", sagte Klopp damals.

Erfolg mit dem BVB

Jürgen Klopp und Schiedsrichter Stefan Trautmann (picture-alliance/augenklick/firo Sportphoto)

Jürgen Klopp (l.) und Schiedsrichter Stefan Trautmann (r.)

Der Weg des BVB führte nahezu unaufhörlich nach oben. 2011 holten die Dortmunder die Meisterschale - und feierten hinterher so kräftig, dass der Trainer am Tag danach bei der Party mit den Fans auf dem Borsigplatz seine Augen hinter einer Sonnenbrille verbergen musste. 2012 schaffte der BVB sogar das Double.  

Bei allem Charme und Witz - immer wieder gingen Klopp an der Seitenlinie auch mal die Gäule durch - wie bei einem Disput mit dem Vierten Offiziellen, Schiedsrichter Stefan Trautmann, im Jahr 2010. "Ich habe mich über mich selbst erschrocken, das war nicht in Ordnung", sagte Klopp später fast reumütig.

Selbst Klopp gelang nicht alles. 2013 hatte er die Chance, seinen ersten internationalen Titel zu holen und dann gleich in der Champions League - im Finale im Wembleystadion in London gegen den deutschen Rivalen FC Bayern. Der BVB verlor unglücklich mit 1:2.

Mitte 2014 wurde der BVB zum zweiten Mal in Serie Vizemeister, danach begann eine Krise. Nach 18 Spieltagen stand Dortmund auf dem letzten Tabellenplatz. Klopp wirkte erschöpft. Immerhin führte er das Team noch als Siebter in die Europa League und ins DFB-Pokalfinale 2015, das der BVB gegen Wolfsburg mit 1:3 verlor. Zu diesem Zeitpunkt hatte Klopp bereits seinen Abschied aus Dortmund verkündet.

The Normal One

Liverpool-Fans glauben an Jürgen Klopp (picture-alliance/dpa/P. Seeger)

Liverpool-Fans glauben an Jürgen Klopp

Klopps "Sabbatjahr" dauerte nur fünf Monate. Im Oktober 2015 wurde er als neuer Teammanager des FC Liverpool vorgestellt. Angesprochen auf den Ausspruch "I'm the Special One" des portugiesischen Star-Trainers Jose Mourinho, antwortete Klopp: "Ich war ein durchschnittlicher Spieler, und in Mainz habe ich als durchschnittlicher Trainer angefangen. Man könnte sagen: I'm the Normal One."

Auch in Liverpool verlor er zunächst das Champions-League-Finale 2018 gegen Real Madrid - und in der gerade abgelaufenen Saison die Meisterschaft nach einer furiosen Premier-League.Saison, nur einen Punkt hinter Manchester City, nach grandiosen 97 Zählern.

Den Champions-League-Titel widmete Klopp seiner Ehefrau Ulla, mit der er seit 2005 in zweiter Ehe verheiratet ist. "Meine Familie ist immer mit der Silbermedaille in Urlaub gefahren", sagte der 51-Jährige nach dem Finale in Madrid. "Diesmal ist es anders, diesmal ist es Gold, das werden wir genießen. Ich bin froh, dass ich meiner Frau die Goldmedaille schenken konnte." 

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