Jüdisches Leben in Polen | DokFilm | DW | 05.05.2020
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DokFilm

Jüdisches Leben in Polen

90 Prozent der polnischen Juden wurden von den Nazis in Konzentrationslagern ermordet. Acht Jahrzehnte nach Ende des Zweiten Weltkriegs lebt die jüdische Gemeinde Polens wieder auf.

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Jüdische Kulturfestivals, koschere Restaurants, Klezmerbands und jüdische Schulen. Dass es in Polen heute - im Land des deutschen Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau - wieder ein vitales jüdisches Gemeindeleben gibt, ist auch dem heutigen Oberrabiner Polens, Michael Schudrich, zu verdanken. Die Besuche in Auschwitz und anderen Orten Polens gehörten für ihn einfach dazu. Schudrich wuchs an der New Yorker Upper West Side auf. Als Student reiste er das erste Mal in das damals sozialistische Land. Seine Großeltern waren aus Osteuropa nach Amerika emigriert. Ende der 1970er und später in den 1980er Jahren suchten viele gläubige Juden nach familiären Wurzeln in Polen. Es gab nur wenige, der Solidarnosc nahestehende polnische Juden, die in dieser Zeit die "Jewish Flying University" gründeten. Dieser lockere Kreis jüdischer Intellektueller glaubte schon damals, dass jüdisch-religiöses Leben in Polen wieder einen Platz finden sollte. Schnell muss die Idee in Schudrich gereift sein: Sein Leben dem Aufbau dieses jüdischen, religiösen Lebens in Polen zu verschreiben. Eine Idee, die auch den Milliardär Ronald S. Lauder umtrieb, den wichtigen Mäzen jüdischer religiöser Projekte weltweit und heute Präsident des Jüdischen Weltkongresses. Vor 30 Jahren, nach dem Fall des Eisernen Vorhangs, zog Michael Schudrich schließlich nach Warschau. Hier wurde der Sohn eines New Yorker Rabbis mit Gemeinde in der Bronx zum Großrabbiner. In den 1990er Jahren erreichte er so, dass sich viele weitere Polen ihrer jüdischen Wurzeln erinnerten. Mehrere hundert Polen lernten die Grundlagen jüdisch-religiösen Lebens in der neu gegründeten jüdischen Schule Warschaus - viele wurden sich ihrer lange verdrängten jüdischen Identität erst bewusst. Jetzt zählen die jüdischen Gemeinden im Land bis zu 12.000 gläubige Mitglieder, die nach den Regeln der Tora leben.