IWF: Griechische Schuldenlast ist ″untragbar″ | Aktuell Welt | DW | 15.07.2015
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Aktuell Welt

IWF: Griechische Schuldenlast ist "untragbar"

Laut einer neuen Analyse des Internationalen Währungsfonds muss die Eurozone ihre Schuldenerleichterungen für Griechenland noch einmal deutlich ausweiten. Eine Möglichkeit wäre demnach ein umfassender Schuldenschnitt.

IWF-Chefin Christine Lagarde spricht mit dem griechischen Finanzminister Euklid Tsakalotos (Foto: Reuters/F. Lenoir)

IWF-Chefin Christine Lagarde und der griechische Finanzminister Euklid Tsakalotos

"Griechenlands Schulden können nur mit Maßnahmen zur Schuldenerleichterung tragfähig sein, die viel weiter gehen, als Europa bislang vorgesehen hat", heißt es in dem in Washington veröffentlichten Bericht, der bereits am Samstag den Regierungen der Euro-Länder vorgelegt worden sei. Liege die Schuldenquote des Krisenlandes jetzt bereits bei rund 175 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), so werde sie sich in den kommenden beiden Jahren den 200 Prozent nähern. Damit sei Griechenlands Schuldenlast "absolut untragbar".

Demnach könnten die europäischen Staaten zum Beispiel die Frist, in der Griechenland keine Schulden an die europäischen Partner zurückzahlen muss, von zehn auf 30 Jahre verlängern und Zahlungsfristen deutlich in die Zukunft verschieben. Eine andere Möglichkeit wäre es laut dem IWF, einen "tiefen Schuldenschnitt" bei den bestehenden Krediten in Kauf zu nehmen oder jährliche Überweisungen an den Staatsetat zu tätigen.

Finanzbedarf könnte durch schlechte Wirtschaftslage steigen

Die Entscheidung zwischen den genannten Optionen liege "bei Griechenland und seinen europäischen Partnern". Der IWF warnt überdies davor, dass im Falle einer weiteren Verschlechterung der griechischen Wirtschaftslage der Finanzbedarf des Landes für die kommenden Jahre noch höher ausfallen könnte, als bislang von den Euro-Partnern angenommen.

Die Staats- und Regierungschefs der Eurozone hatten am Montag grundsätzlich grünes Licht für Verhandlungen über ein drittes Hilfsprogramm für das von der Staatspleite bedrohte Griechenland gegeben. Sie knüpften dies aber an umfangreiche Bedingungen. Die Möglichkeit weiterer Schuldenerleichterungen wurde in der Einigung lediglich angedeutet.

Merkel lehnt Schuldenschnitt ab

Die Euro-Länder gehen davon aus, dass Griechenland in den kommenden drei Jahren einen Finanzierungsbedarf von 82 bis 86 Milliarden Euro hat. Da auch der IWF an dem neuen Hilfspaket beteiligt werde und Griechenland einen Teil des Finanzbedarfs selbst aufbringen könne, müssten die Hilfen der Eurozone "40 bis 50 Milliarden Euro" abdecken, sagte ein EU-Vertreter in Brüssel.

Bereits vor der Einigung auf ein weiteres Hilfspaket hatte der IWF dafür geworben, Griechenland zumindest durch eine Umschuldung zu entlasten. Der Währungsfonds schlug vor, die Rückzahlungsfristen weiter zu strecken. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte in der Vergangenheit wiederholt erklärt, dass ein "klassischer Haircut", also ein Schuldenschnitt, für sie nicht in Frage komme.

gri/pab (afp, rtr)