Italiener in Deutschland über Italien: ″Das sieht nicht gut aus″ | Europa | DW | 29.05.2018
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Italien

Italiener in Deutschland über Italien: "Das sieht nicht gut aus"

Über das Hin und Her in der italienischen Politik machen sich auch in Deutschland lebende Landsleute ihre Gedanken. Ein kleines Stimmungsbild.

Als Lucia, Natale und Andrea in der von ihnen geführten Eisdiele davon erfahren, dass der Ökonom Carlo Cottarelli nun in Rom mit der Bildung einer Regierung beauftragt ist, hellen sich die Gesichter zwar ein wenig auf. Aber Skepsis überwiegt. Cottarelli war Sonderbeauftragter für die Prüfung der Ausgaben der öffentlichen Verwaltung und Unternehmen in zwei sozialdemokratisch geführten Regierungen. Lucia denkt an die grundlegende Krise in ihrem Heimatland: "Was sich in Italien abspielt, ist wirklich schade. Ich denke, jetzt steht das Land irgendwie doch vor der Pleite!" Auch wenn die Familie im Jahr nur vier Monate in Italien verbringt, nimmt sie Anteil am Leben dort und fragt sich, wem man das Land noch anvertrauen könne. "Die Politiker machen ja alle nichts. Wen soll man denn noch wählen?", fragt Lucia. Cottarelli und Neuwahlen würden nicht wirklich grundlegende Probleme lösen, befürchtet auch eine Mehrheit der übrigen angesprochenen Menschen mit italienischen Wurzeln. Immer wieder gehe es nur um Geld und Macht.      

Alles, nur nicht Berlusconi

Die einen verkaufen Eis, andere arbeiten als Handwerker oder sind Restaurantbetreiber. Teilweise leben die angesprochenen Italiener schon seit Jahrzehnten in Deutschland. Deshalb sind die meisten auch eher europafreundlich eingestellt und sehen die Entwicklung in ihrem Herkunftsland kritisch. Einen wie Berlusconi wollen sie nicht unterstützen.

Italiener Gianantonio (DW/W. Dick)

Gianantonio liebt Italien, aber nicht die derzeitigen Zustände

"Wie sich Sergio Mattarella als Präsident verhalten hat, war genau richtig", meint Gianantonio, und einige italienische Gäste in seiner Pizzeria stimmen zu. "Die haben in Italien nix mehr im Kopf und sind besessen von diesen zwei Parteien (Fünf-Sterne-Bewegung und Lega, d. Red.)", wird geschimpft. "Mit diesen Kräften zu reden sei, wie gegen eine Wand zu predigen", erzählt der Wirt, der erst vor zwei Tagen von einem Besuch aus Italien zurückgekommen ist. "Es sieht dort politisch wirklich nicht gut aus", sagt er. Carlo Cottarelli und eine Expertenregierung könnten wirklich nur eine Zwischenlösung sein.

Schreckgespenst Merkel

Besonders erschreckend sei, dass junge Leute in Italien am liebsten einen "Mussolini" wieder wählen würden. Das kann in der kleinen Umfrage nur ein italienischer Geschäftsmann nachvollziehen. Zum Gespräch stellt er eine Bedingung: Keine Fotos. Sein Geschäft soll nicht mit Politik vermischt werden. "Wir brauchen wieder mehr Besinnung auf die italienische Tradition", sagt er. Die Familie müsse wieder gestärkt werden. Diese italienische Mentalität sei stark. "Dann können wir in Italien alles hinbekommen", behauptet der Mann. Eine Angela Merkel würde Italien mit ihren Vorstellungen und Vorschriften eher erwürgen, meint er. Deshalb müsse sich Italien von Europa abwenden. Dass die Regierungsbildung gescheitert sei, sei ein herber Rückschlag. Diese Meinung bleibt im Stimmungsbild aber ein Einzelfall. 

 Sergio, Betreiber eines Restaurants (DW/W. Dick)

Überzeugter Europäer - Sergio

Sergio, ein weiterer Restaurantbetreiber, kann das – wie die meisten der Befragten – überhaupt nicht verstehen. "Wir haben so lange Frieden gehabt. Das verdanken wir allein Europa." Er habe daher auch, wie seine italienischen Freunde hier in Deutschland, demokratisch (Partito Democratico) gewählt. Die derzeitigen politischen Tendenzen in Italien kann Sergio auch deshalb nicht verstehen, weil, wie er glaubt, das Land ohne den Euro in große Schwierigkeiten stürzen würde. Zum Beispiel bei der Rente und bei der Verschuldung. Es gebe wahlberechtigte Italiener, die in Deutschland an den Wahlen für Italien nicht mehr teilnehmen würden. Aus Frust über die Zustände in Rom. "Die riskieren die Zukunft ihres Landes." Das sah die Mehrheit der Befragten auch so. 

 

Die Redaktion empfiehlt

Audio und Video zum Thema