Italien schließt Unternehmen und Fabriken | Aktuell Welt | DW | 22.03.2020
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COVID-19

Italien schließt Unternehmen und Fabriken

Im verzweifelten Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie weiß sich Italiens Regierung kaum noch zu helfen. Sie fährt nun schwerstes Geschütz auf. Am Samstag gab es fast 800 neue Todesfälle - ein trauriger Rekord.

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Italien fährt Wirtschaft auf das Notwendigste herunter

Die italienische Regierung hat im Kampf gegen das verheerende Coronavirus die Schließung aller "nicht lebensnotwendigen" Unternehmen und Fabriken angeordnet. Ministerpräsident Giuseppe Conte teilte der Nation in einer TV-Ansprache mit, man habe entschieden, landesweit jegliche Produktion einzustellen, "die nicht ausdrücklich notwendig, entscheidend, unverzichtbar ist, um unsere grundlegenden Waren und Dienstleistungen sicherzustellen". Es handele sich um einen "zusätzlichen Schritt" im Bemühen um die Eindämmung der Pandemie. Conte sprach von der "größten Herausforderung nach dem Zweiten Weltkrieg".

Italien - Turin -Coronavirus (picture-alliance/AP/M. Alpozzi)

Vor den Supermärkten - wie hier in Turin - bildeten sich am Samstag lange Schlangen

Die Behörden hatten am Samstag binnen 24 Stunden fast 800 neue Todesopfer registriert - so viele wie nie seit Ausbruch von COVID-19 im Land. Nach Angaben des Zivilschutzes starben damit in Italien bislang 4825 Menschen an der neuartigen Lungenkrankheit. Italien ist das Land mit den meisten offiziell gemeldeten Coronavirus-Toten weltweit. Fast 54.000 Menschen haben sich bisher infiziert.

Besonders stark betroffen ist nach wie vor die Lombardei, wo das Virus Ende Februar ausgebrochen war und die Krankenhäuser mittlerweile vor dem Kollaps stehen.

Italien - Bergamo - Coronavirus (Imago/S. Agazzi)

Militärfahrzeuge bringen bei Bergamo in der Lombardei Leichen weg

Erst am Freitag hatte die Regierung die Ausgangssperren verschärft, die seit dem 10. März gelten. So dürfen Bürger jetzt auch nicht mehr in Parks und öffentliche Grünanlagen gehen. 

Russland schickt Ärzte, Virologen und Material

Wegen der dramatischen Lage erhalten die Italiener nun auch Unterstützung aus Russland. Auf Bitten aus Rom sollen unter anderem Schutzausrüstungen, mobile Versorgungsstationen und Mittel für eine großflächige Desinfektion von Verkehrsmitteln und Gebieten geliefert werden. Zudem werden nach Angaben des Kremls acht mobile Einheiten mit Virologen und Ärzten verlegt. Präsident Wladimir Putin habe den italienischen Regierungschef angerufen, hieß es weiter.

Russland selbst hat bisher nach offiziellen Angaben vergleichsweise wenige Coronavirus-Fälle - mit Stand Samstagabend waren es landesweit rund 300.

Spanien: Das Schlimmste wird noch kommen 

Nach Italien ist Spanien nach wie vor das von der Pandemie am schwersten betroffene Land Europas. Innerhalb 24 Stunden starben fast 400 weitere Menschen an der Lungenkrankheit Covid-19. Es seien 394 neue Todesfälle registriert worden, teilte am Sonntag die Regierung in Madrid mit. Dies sei ein Anstieg um rund 30 Prozent. Damit starben in Spanien bereits 1720 Menschen. Bis Samstagabend hatte das Gesundheitsministerium fast 25.000 Infizierte gemeldet - 5000 mehr als am Freitag. Besonders heftig betroffen ist weiter die Region Madrid.

Video ansehen 02:20

Coronavirus: dramatische Lage in Spanien

Ministerpräsident Pedro Sanchez rief seine Landsleute - eine Woche nach Inkrafttreten des Notstands und einer 15-tägigen Ausgangssperre - zum Durchhalten auf. In einer Rede an die Nation stimmte der sozialistische Politiker die Spanier darauf ein, dass die Zahl der Infektionen und Todesfälle zunächst weiter steigen werde. Das Schlimmste werde noch kommen, sagte er. Gleichzeitig lobte er das Verhalten der Bürger und die Solidarität untereinander.

Weltweit haben sich nach Angaben der Wissenschaftler der US-Universität Johns Hopkins inzwischen mehr als 304.000 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Fast 13.000 Menschen sind an der neuartigen Lungenkrankheit gestorben. Zwei Drittel aller gemeldeten Fälle stammen aus nur sechs Ländern: China, Italien, Spanien, USA, Deutschland und Iran. 

Weniger Neuinfektionen in Deutschland

In Deutschland verlangsamt sich der Anstieg der Infektionen und Todesfälle durch das Coronavirus. Das Robert-Koch-Institut meldete am Sonntag 18.610 Infizierte, das waren 1948 mehr als am Vortag. Damit sind die Neuansteckungen den vierten Tag in Folge rückläufig, am Samstag war die Zahl der Krankheitsfälle noch um 2705 gewachsen. Die Zahl der Toten stieg binnen 24 Stunden um neun auf 55. Allerdings warnte das Institut, am Wochenende seien nicht aus allen Ämtern Daten übermittelt worden, so dass der tatsächliche Anstieg der Fallzahlen höher liegen könne als bisher gemeldet. 

In den USA schnellte die Zahl der Infizierten binnen nur einer Woche um mehr als das Zehnfache auf mehr als 24.000 Fälle in die Höhe. Fast ein Viertel der US-Bevölkerung - 80 Millionen von 330 Millionen Einwohnern - sind inzwischen von mehr oder weniger harschen Ausgangssperren betroffen. Solche Einschränkungen gibt es in Kalifornien, Illinois, New York, New Jersey und Connecticut. 

se/kle (rtr, dpa, ap, afp, Johns Hopkins Universität)

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