Istanbuls Familien gegen das Vergessen | Nahaufnahme - Die aktuelle Reportage | DW | 18.06.2019
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Nahaufnahme

Istanbuls Familien gegen das Vergessen

In Istanbul protestieren die "Samstagsmütter" seit 1995 gegen das Verschwinden ihrer Angehörigen. Hunderte Menschen verschwanden in den 80er und 90er Jahren im Polizeigewahrsam. Im August 2018 werden die Proteste von der Erdogan-Regierung verboten.

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Für die pensionierte Lehrerin Ikbal Eren ist die Suche nach ihrem Bruder Hayrettin eine Lebensaufgabe. Der damals 26-jährige wurde im Zuge des Militärputsches 1980 in Istanbul von der Polizei festgenommen und tauchte nie wieder auf. Vermutlich wurde der linke Aktivist zu Tode gefoltert. Wie er verschwanden in den 80er und 90er Jahren viele Hundert Menschen in Polizeihaft, vor allem Kurden und Linke. Ikbal und Angehörige anderer Verschwundener protestieren dagegen jeden Samstag auf dem zentralen Galatasaray-Platz in Istanbul - und das seit über 20 Jahren. Auch Ikbals Bruder Faruk ist oft dabei. Er ist Journalist, links und regierungskritisch. Im Herbst 2018 verlor er seine Stelle als leitender Redakteur der Zeitung Cumhuriyet. Die Menschenrechtsanwältin Gülseren Yoleri betreut mit dem Verein IHD die Familien der Verschwundenen. Yoleri fürchtet, der türkische Staat könnte wieder zu seinen brutalen Methoden der 90er Jahre zurückkehren. Mit den Samstagsmüttern will sie auf vergangene und aktuelle Fälle aufmerksam machen, bevor es zu spät ist - und aller Staatsgewalt zum Trotz.