Ist die britische Corona-Variante tödlicher? | Aktuell Europa | DW | 22.01.2021
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Pandemie

Ist die britische Corona-Variante tödlicher?

Aus England kommen beunruhigende Nachrichten: Möglicherweise geht die erstmals dort nachgewiesene Coronavirus-Mutante B.1.1.7 mit einem höheren Sterberisiko einher als die bislang vorherrschende.

UK Corona-Pandemie | PK Boris Johnson

Der britische Premier Boris Johnson ist besorgt

Es gebe mittlerweile "Hinweise", dass die Mutante nicht nur ansteckender sei, sondern auch mit einer höheren Sterblichkeitsrate in Verbindung gebracht werden könne, sagte Premierminister Boris Johnson vor Journalisten am Regierungssitz Downing Street in London. Die hohe Belastung der Krankenhäuser im Land sei zu einem erheblichen Teil auf die neue Virusvariante zurückzuführen, so der konservative Politiker.

Der wissenschaftliche Berater der Regierung, Patrick Vallance, erklärte, bei Männern im Alter zwischen 60 und 69 Jahren sei bislang unter 1000 Corona-Infizierten mit zehn Todesfällen zu rechnen. Bei der mutierten Virus-Form liege diese Zahl hingegen bei 13 bis 14 Todesfällen. Doch man habe noch zuwenig gesicherte Erkenntnisse, um genaueres zu sagen.

Bei anderen britischen Experten riefen die Aussagen Johnsons Verwunderung hervor. Derzeit liefen mehrere Untersuchungen. Es sei "nicht vollständig klar", dass die Mutante tödlicher sei, sagte die medizinische Direktorin der Gesundheitsbehörde Public Health England, Yvonne Doyle, dem Sender BBC Radio 4. Zwar lägen Hinweise vor. Aber: "Es handelt sich nur um eine kleine Zahl von Fällen, und es ist viel zu früh, um zu sagen, was tatsächlich herauskommen wird", so Doyle. Der Wissenschaftler Mike Tildesley, Mitglied des Expertengremiums Sage, sagte der BBC, es sei zu früh für klare Aussagen. "Ich würde gerne noch ein oder zwei Wochen warten und ein bisschen analysieren, bevor wir wirklich starke Schlussfolgerungen ziehen."

 

UK Corona-Pandemie | Anlieferung Krankenhaus

Ein Corona-Patient wird in ein Krankenhaus in London gebracht

Laut Regierungsberater Vallance gehen Experten in Großbritannien nicht davon aus, dass die Schutzwirkung der bisher verwendeten Impfstoffe durch die heimische Virus-Variante beeinträchtigt wird. Für zwei weitere Mutationen, die in Brasilien und in Südafrika entdeckt wurden, sei dies noch unklar. Laut Regierung haben im Vereinigten Königreich bereits 5,4 Millionen Menschen eine erste Impfdosis erhalten.

Die Mutation B.1.1.7 war Ende vergangenen Jahres in der südostenglischen Grafschaft Kent aufgetaucht und hatte sich mit rasender Geschwindigkeit in London und Teilen des Landes ausgebreitet.

Impfstoff Coronavirus AstraZeneca

Anfang Januar wurden im Vereinigten Königreich die ersten Dosen des Corona-Impfstoffs von AstraZeneca verabreicht

Großbritannien ist eines der am schwersten von der Pandemie betroffenen Länder in Europa. Täglich werden Zehntausende Neuinfektionen und zuletzt jeweils mehr als 1000 Tote gemeldet. Mehr als 96.000 Menschen starben im Vereinigten Königreich mit oder an COVID-19.

Seit Wochen gilt ein Lockdown mit weitreichenden Ausgangs- und Reisebeschränkungen. Schulen und nicht lebensnotwendige Geschäfte sind geschlossen. Die Maßnahmen sollen Mitte Februar überprüft werden.

Virus-Mutante in mehr als 60 Ländern 

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurde B.1.1.7 mittlerweile in rund 60 Ländern nachgewiesen, darunter Deutschland. Internationale Fachleute gehen davon aus, dass die Virus-Variante zwischen 30 und 70 Prozent ansteckender ist als das ursprüngliche neuartige Coronavirus.

Die Verbreitung der Mutante ist ein Grund dafür, dass in Deutschland und anderen Ländern die Corona-Restriktionen in diesen Tagen nochmals ausgeweitet wurden.

Video ansehen 01:53

Steinmeier ruft zu Aktion "Lichtfenster" für Corona-Tote auf

 

Testpflicht für Einreisende aus Hochrisiko-Gebieten

Die Bundesregierung stuft außerdem wegen besonders hoher Corona-Infektionszahlen erstmals mehr als 20 Länder als Hochrisikogebiete ein. Innerhalb der Europäischen Union werden etwa Estland, Lettland, Litauen, Portugal, Slowenien, Spanien und das benachbarte Tschechien zu "Hochinzidenzgebieten" erklärt, wie das Robert Koch-Institut (RKI) mitteilte. Personen aus solchen Staaten müssen ab Sonntag bei der Einreise einen negativen COVID-19-Test vorweisen.

Diese Länder haben eine Inzidenz von über 200. Die Vorgabe wurde auch auf mehrere Staaten außerhalb der EU ausgeweitet. Dazu zählen unter anderem die USA. Bislang galt die Testpflicht lediglich für Reisende aus Großbritannien, Irland, Südafrika und Brasilien - eben da, wo Virus-Mutationen aufgetreten sind. 

se/uh (afp, dap, rtr, rki) 

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