ISS: Bakterien und Pilze auf der Internationalen Raumstation | Wissen & Umwelt | DW | 08.04.2019
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Wissen & Umwelt

ISS: Bakterien und Pilze auf der Internationalen Raumstation

Nicht nur Astronauten tummeln sich auf der ISS. Auch Bakterien und Pilze sind auf der Internationalen Raumstation zuhause. Was genau da auf unserem Außenposten lebt, haben Forscher nun analysiert.

Auf der ISS herrscht Hochbetrieb. Seit dem Jahr 2000 kreist die Internationale Raumstation um die Erde und ist seitdem dauerhaft bewohnt. Mehr als 200 Menschen waren bereits an Bord und – weit weniger dokumentiert – verschiedenste Mikroben wie Bakterien und Pilze. Ein Team um Checinska Sielaff von der Washington State University hat nun insgesamt 24 Proben untersucht, die innerhalb von 14 Monaten von drei verschiedenen ISS-Besatzungen genommen wurden. Acht Orte wie Esstisch, Schlafkabine, Toilette, Wände und Fenster wurden dabei berücksichtigt.

Ihre Ergebnisse haben die Forscher nun in dem Fachjournal "Microbiome" veröffentlicht. 

Die Internationale Raumstation ISS mit angedocktem europäischen Wissenschaftslabor Columbus

Die ISS – ein Außenposten für Bakterien und Pilze?

Demnach blieb die Anzahl und Zusammensetzung der gefundenen Pilze stabil, die der Bakterien veränderte sich jedoch – wohl aufgrund der verschiedenen Raumfahrer an Bord der ISS. Die am häufigsten vorkommenden Mikroben waren Staphylokokken (26 Prozent) und bestimmte Enterobakterien (23 Prozent). Weitere elf Prozent gehörten zur Gruppe Bacillus. 

Harmlos oder gefährlich?

Ob die gefundenen Mikroorganismen der ISS-Besatzung gefährlich werden können, müsse noch untersucht werden, so Sielaff. Unter anderem wurde das Bakterium Staphylococcus aureus gefunden, das meist harmlos auf menschlicher Haut und Schleimhaut lebt, aber auch gefährliche Infektionen verursachen kann. Zudem wurden Bakterien der Gruppe Enterobacter nachgewiesen, die im menschlichen Darm vorkommen und zu Krankheiten führen können. 

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Pilzinfektion: wenn der Schimmel Organe befällt

Auf der Erde kämen solche Bakterien oft in Fitnessstudios, Büros und Krankenhäusern vor, sagte Sielaff. "Ob diese Bakterien die Astronauten krank machen können, wissen wir nicht. Das hängt von mehreren Faktoren ab – dem Gesundheitszustand jedes einzelnen Astronauten und davon, wie sich diese Organismen im Weltraum verhalten." 

Auch mögliche Auswirkungen auf die ISS sind noch unklar. Einige der nachgewiesenen Mikroorganismen trügen zum Beispiel auf der Erde zur Zersetzung von Materialien bei, erklärte Mitautorin Camilla Urbaniak. Forscher um Nitin Singh vom California Institute of Technology in Pasadena hatten auf der Raumstation bei einer vorangegangenen Analyse Bakterien-Stämme nachgewiesen, die gegen etliche Antibiotika resistent sind.

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Weitere Untersuchungen nötig

Die Proben waren im Jahr 2015 vor allem von einer ISS-Toilette, aber auch aus dem Fitness-Bereich genommen worden. Das Team berichtete, dass manche Bedingungen im Weltall wie die Schwerelosigkeit zur Entstehung von Resistenzen beitragen können. Auch bei dieser Studie blieb das konkrete Gefährdungspotenzial der gefundenen Erreger unklar.

Weitere Forschung sei notwendig, um die Gesundheit der Astronauten und die Funktionsfähigkeit der ISS dauerhaft sicherzustellen, sagte Kasthuri Venkateswaran von der US-Raumfahrtagentur NASA, Mitautor der aktuellen Analyse. "Angesichts möglicher zukünftiger Langzeit-Missionen ist es wichtig, die Arten von Mikroorganismen zu identifizieren, die sich in ungewöhnlichen, abgeschlossenen Raumfahrt-Umgebungen ansammeln können."

hf/af (dpa)

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