Israelische Raketen treffen erneut Militärbasis in Syrien | Aktuell Nahost | DW | 03.06.2019
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Syrien

Israelische Raketen treffen erneut Militärbasis in Syrien

Zum zweiten Mal binnen 24 Stunden hat die israelische Luftwaffe mit Raketen einen Militärstützpunkt in Syrien attackiert. In einem anderen Landesteil wurde fast gleichzeitig erneut eine Autobombe gezündet.

Syrien, Aleppo: Bombenanschlag in Azez (picture-alliance/AA/S. El Hacci )

Durch die Bombenexplosion im Distrikt Asas bei Aleppo geriet ein Auto in Brand

Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana meldet, bei dem Raketenangriff auf die Luftwaffenbasis T4 in der Provinz Homs sei ein Munitionsdepot und andere Gebäude beschädigt worden. Die Luftabwehr habe die israelische Aggression abgefangen und zwei Raketen abgeschossen. Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtet, mindestens fünf Menschen, darunter ein Soldat, seien getötet worden. Auf der Basis befänden sich auch Einrichtungen der iranischen Revolutionsgarden.

Zuvor hatte die israelische Luftwaffe Militärstützpunkte im Südwesten der Hauptstadt Damaskus angegriffen. Nach Angaben der israelischen Armee handelte es sich um eine Reaktion auf den Abschuss zweier Raketen in Richtung des Bergs Hermon im von Israel besetzten Teil der Golanhöhen. Menschenrechtsaktivisten berichteten von zehn Toten, darunter sieben ausländische Kämpfer.

Nach Darstellung des israelischen Militärs galten die Angriffe zwei syrischen Artilleriestellungen, mehreren Beobachtungs- und Geheimdienstposten auf den Golanhöhen und einer Luftabwehrstellung. Nach Angaben der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte trafen die israelischen Raketen auch Lager und Stellungen in der Nähe der syrischen Hauptstadt, die außer von den Regierungstruppen von iranischen Kämpfern und der libanesischen Hisbollah genutzt werden. Die amtliche syrische Nachrichtenagentur Sana bestätigte die Angriffe auf die Provinz Kuneitra, in der auch die Golanhöhen liegen. Sie sprach von drei getöteten syrischen Soldaten.

Auf Befehl Netanjahus

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erklärte am Sonntag, er habe die Vergeltungsangriffe persönlich angeordnet. "Wir lassen keinerlei Beschuss unseres Gebiets zu", warnte Netanjahu. Das israelische Militär bekräftigte, es mache die Führung in Damaskus für "jegliche Handlung gegen Israel" verantwortlich.

Israel fliegt immer wieder Luftangriffe auf das Nachbarland Syrien, zumeist gegen Ziele des mit Syriens Machthaber Baschar al-Assad verbündeten Iran und der schiitischen Hisbollah-Miliz. Israel befürchtet einen wachsenden Einfluss des Erzfeinds Iran in Syrien.

Trump: Keine Bomben mehr auf Idlib

US-Präsident Donald Trump rief unterdessen Russland, Syrien und den Iran auf, die Luftangriffe in der syrischen Provinz Idlib einzustellen. "Die Welt beobachtet dieses Abschlachten", schrieb Trump in der Nacht auf Montag auf Twitter. "Was ist der Sinn, was wird es Ihnen bringen? STOPP!"

In Idlib läuft eine Offensive des syrischen Regime von Staatschef Baschar al-Assad gegen Rebellen. Die Luftangriffe hatten Ende April begonnen. Nach Angaben der Vereinten Nationen haben seitdem mehr als 200.000 Menschen wegen der Gewalt ihre Heimat verlassen.

Mehrere Anschläge in Syrien

Derweil wurden bei einem Autobombenanschlag im Nordwesten Syriens nach Angaben von Aktivisten mindestens 14 Menschen getötet. Bei der Explosion in Asas im türkischen Einflussgebiet in der Provinz Aleppo seien mehr als 20 Menschen verletzt worden, meldete die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Der Anschlag ereignete sich demnach am Ende des Abendgebets, als viele Menschen auf dem Heimweg waren.

Die Türkei hatte 2016 den Militäreinsatz "Euphrat-Schild" gestartet und ein mehr als 2000 Quadratkilometer großes Gebiet im Norden Syriens eingenommen. Ziel war es, die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) zurückzudrängen. Ankara hält weiterhin türkische Soldaten in der Region stationiert.

Syrien Raqqa Rückkehr ins Leben (DW/F. Warwick)

Im schwer zerstörten Raka kehrt nur schleppend wieder Leben ein

Am Samstag waren bei einem ähnlichen Anschlag in der Stadt Raka im Nordosten des Landes zehn Menschen getötet worden. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle steuerte ein mutmaßlich islamistischer Attentäter sein mit Sprengstoff beladenes Fahrzeug am Samstag in einen Wachposten der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF). Zuvor war demnach in einem anderen Viertel Rakas eine Bombe explodiert, dabei wurden mehrere Menschen verletzt. Zu beiden Anschlägen bekannte sich zunächst niemand.

Raka war die inoffizielle Hauptstadt des von der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" ausgerufenen "Kalifats". Nach monatelanger Belagerung wurde die Stadt am Euphrat im Oktober 2017 von der kurdisch-arabischen SDF-Allianz erobert. In der Stadt und der Umgebung gibt es jedoch weiter IS-Schläferzellen, die immer wieder Angriffe verüben.

kle/cgn (afp, ape, dpae)

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