Islamisten-Gruppe soll Anschläge auf Sri Lanka verübt haben | Aktuell Asien | DW | 22.04.2019
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Sri Lanka

Islamisten-Gruppe soll Anschläge auf Sri Lanka verübt haben

Nach der Anschlagsserie auf Sri Lanka steigt die Zahl der Opfer an. Der Geheimdienst soll im Vorfeld Hinweise auf die Angriffe bekommen haben. Die Regierung macht eine einheimische islamistische Gruppe verantwortlich.

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Terroranschläge erschüttern Sri Lanka

Bei den Explosionen am Ostersonntag sind nach jüngsten Polizeiangaben 290 Menschen getötet worden, darunter auch mindestens 35 Ausländer aus mehreren Ländern. Unter den rund 450 Verletzten, die noch in Krankenhäusern behandelt wurden, sind 19 Ausländer. 

In Colombo geht wieder Sprengsatz hoch

Einen Tag nach der Anschlagsserie in Sri Lanka entdeckte die Polizei an der zentralen Busstation in der Hauptstadt Colombo zahlreiche Zünder für Bomben. Es seien insgesamt 87, sagte ein Polizeisprecher. Zudem detonierte einem Reuters-Reporter zufolge in Colombo eine Autobombe, als Experten versuchten, den Sprengsatz zu entschärfen. Das Fahrzeug stand ganz in der Nähe der Kirche, die am Sonntag Ziel der Anschläge war. Über Opfer wurde nichts bekannt. 

Das Präsidialamt erklärte, Präsident Maithripala Sirisena werde den Ausnahmezustand über das Land verhängen. Dieser solle von Mitternacht an gelten. Die Regierung Sri Lankas vermutet die einheimische radikal-islamische Gruppe "National Thowheeth Jama'ath" hinter den Angriffen. Das erklärte der Sprecher des sri-lankischen Kabinetts, Rajitha Senaratne, nach einem Treffen des nationalen Sicherheitsrats. Forensiker des Verteidigungsministeriums von Sri Lanka teilten inzwischen mit, dass die Anschläge von Selbstmordattentätern ausgeführt worden seien. Die Täter sollen zwar aus Sri Lanka stammen, ein Sprecher der Regierung erklärte allerdings, es werde überprüft, ob die Gruppe "internationale Unterstützung" hatte.

Sechs Anschläge von Selbstmordattentätern

Insgesamt gab es am Sonntag mindestens acht Detonationen, darunter drei in Kirchen und drei weitere in Luxushotels, unter anderem in der Hauptstadt Colombo. Die Explosionen in den Kirchen und Hotels geschahen fast zeitgleich. In den Kirchen fanden gerade Ostergottesdienste statt. Dort gab es die meisten Opfer. Am Sonntagabend wurde in der Nähe des größten Flughafens der Insel, rund 30 Kilometer von Colombo entfernt, ein Sprengsatz gefunden und entschärft, wie ein Sprecher der Luftwaffe mitteilte.

Dänischer Milliardär verliert drei Kinder bei Bombenanschlägen

Bei den Terroranschlägen sind drei der vier Kinder von Anders Holch Povlsen, einem der reichsten Männer Dänemarks, getötet worden, wie ein Sprecher der Familie bestätigte. Povlsen und seine Angehörigen machten Urlaub in Sri Lanka. Die Familie hielt sich in einem der Fünf-Sterne-Luxus-Hotels auf, als dort der Sprengsatz explodierte.

Sri Lanka Colombo Negombo in St. Sebastian Kirche (picture-alliance/AP Photo/C. Karunarathne)

Angriff während der Ostermesse: Das zerstörte Kirchenschiff von St. Sebastian

Laut Polizei habe es bereits 24 Festnahmen gegeben, es bekannte sich jedoch bislang niemand zu den Angriffen. Wie Premierminister Wickremesinghe in einer Fernsehansprache sagte, wolle er im Ausland um Unterstützung bitten, um herauszufinden, ob die Angreifer Verbindungen zum internationalen Terrorismus hätten. "Wir werden nicht zulassen, dass der Terrorismus in Sri Lanka seinen Kopf erhebt. Alle Maßnahmen werden ergriffen, um den Terrorismus auszulöschen", sagte Wickremesinghe.

Auch lagen Sri Lankas Geheimdienst Hinweise auf einen möglichen Anschlag mit Bezug auf eine kaum bekannte Gruppe örtlicher Islamisten vor. Es müsse untersucht werden, warum keine entsprechenden Maßnahmen ergriffen worden seien, sagte Wickremesinghe.

Infografik Karte Anschlagsserie auf Sri Lanka DE

Die Angriffe ereigneten sich im Zentrum und Vororten der Hauptstadt Colombo und zwei weiteren Orten

Vize-Verteidigungsminister Ruwan Wijewardene machte Extremisten für die "terroristische Attacke" verantwortlich. Er verkündete eine landesweite Ausgangssperre, die bis zum frühen Montagmorgen (Ortszeit) galt, dann aber wieder aufgehoben wurde. Zudem sperrte die Regierung nach seinen Angaben vorübergehend den Zugang zu sozialen Medien. Auch nach Ende der Sperre blieben die Schulen und Universitäten zunächst geschlossen.

Terror nach fast zehn friedlichen Jahren

Der südasiatische Inselstaat im Indischen Ozean mit seinen tropischen Stränden ist ein beliebtes Touristenziel, auch für Deutsche und andere Europäer. Dort hatte es seit Jahren keinen größeren Anschlag gegeben. 2009 war ein 26 Jahre dauernder Bürgerkrieg zu Ende gegangen. Nur etwa sieben Prozent der Bevölkerung Sri Lankas sind Christen. Die Mehrheit der 20 Millionen Einwohner sind Buddhisten.

Sri Lanka Premierminister Ranil Wickremasinghe an der St. Anthony Kirche (AFP/I. S. Kodikara)

Premierminister Ranil Wickremasinghe an der St. Antonius-Kirche

Die Anschlagsserie sorgte international für Entsetzen. Papst Franziskus gedachte der Opfer vor Zehntausenden Gläubigen in Rom. UN-Generalsekretär António Guterres zeigte sich "schockiert über die terroristischen Attacken auf Kirchen und Hotels an Ostersonntag, einem heiligen Tag für Christen überall auf der Welt". Staats- und Regierungschefs, darunter US-Präsident Donald Trump, Russlands Präsident Wladimir Putin, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzlerin Angela Merkel verurteilten die Angriffe scharf.

Aus Solidarität mit Sri Lanka leuchtete das Rathaus von Tel Aviv in den Farben des Inselstaates. Der Eiffelturm in Paris verzichtete auf die traditionelle Nachtbeleuchtung, um der Opfer in Sri Lanka zu gedenken.

Das Auswärtige Amt in Berlin aktualisierte kurz nach den Attacken seine Reisehinweise und bat Reisende, die Anschlagsorte weiträumig zu meiden, die lokalen Medien zu verfolgen, engen Kontakt zu Reiseveranstaltern und Fluggesellschaften zu halten und Anweisungen von Sicherheitskräften Folge zu leisten. Auch das US-Innenministerium aktualisierte seine Warnungen für Reisende in Sri Lanka. Terroristische Gruppierungen könnten weiterhin Anschläge planen und ausführen. "Terroristen könnten mit geringer oder keiner Vorwarnung angreifen", heißt es in der Reisewarnung.

pgr/sti (dpa, rtr)

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