1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen
Konflikte

Islamischer Dschihad bestätigt Waffenruhe in Gaza

14. November 2019

Nach zwei Tagen heftiger Kämpfe will die militante Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad keine weiteren Raketen abfeuern. Auch Israel will die Waffen schweigen lassen, aber nicht um jeden Preis.

https://p.dw.com/p/3SyBL
Luftangriff im Gazastreifen
Palästinensische Kinder vor einem Krater, der bei einem israelischen Luftangriff entstanden istBild: picture-alliance/dpa/M. Talatene

"Ruhe wird mit Ruhe beantwortet". Mit diesem Satz signalisierte Israels Außenminister Israel Katz im Armeerundfunk die Bereitschaft, den Konflikt mit der radikalen Palästinensergruppe Islamischer Dschihad nicht weiter mit militärischen Mitteln auszutragen. Seit 5:30 Uhr Ortszeit gilt eine Waffenruhe zwischen der israelischen Armee und der Extremistenorganisation, die weitgehend eingehalten wird. Augenzeugen berichten von fünf Raketen, die von Gaza aus auf Israel abgefeuert worden seien. Das israelische Militär erklärte, es habe zwei Raketen abgefangen. Angaben zu etwaigen Opfern liegen nicht vor. 

Die Waffenruhe war von Ägypten vermittelt worden. Einem Sprecher des Islamischen Dschihads zufolge stimmte Israel dabei der Forderung zu, die gezielte Tötung von Kämpfern und die Erschießung von Demonstranten an der Grenze zum Gazastreifen einzustellen. Dem widersprach der israelische Außenminister. Israel habe seine Haltung nicht geändert, so Katz. Der Staat werde nicht zögern, gegen diejenigen vorzugehen, die versuchten ihm zu schaden, sei es aus dem Gazastreifen oder von sonst wo.

Israel lockert Restriktionen 

Als Zeichen der Entspannung hat Israel wenige Stunden nach Inkrafttreten der Waffenruhe die Sicherheitsbeschränkungen für die Grenzübergänge Erez und Kerem Schalom wieder aufgehoben. Auch die Fischereizone vor der Küste Gazas wurde wieder auf 15 Seemeilen ausgeweitet, berichtet die Zeitung "Haaretz".

Jonathan Conricus, ein Sprecher der Armee, erklärte, die Armee tue alles, um bei ihren Operationen keine Unbeteiligten zu treffen. Dschihad-Kommandeure würden aber ihre Privathäuser als Waffenlager nutzen und ihre Familienmitglieder als menschliche Schutzschilde missbrauchen. Conricus reagierte damit auf Berichte, nach denen bei einem gezielten israelischen Angriff in der Nacht zum Donnerstag im Gazastreifen Dschihad-Militärkommandeur Rasmi Abu Malhous, zwei Frauen und fünf Minderjährige getötet worden waren.  

Eindringlicher Appell des UN-Gesandten Mladenow 

Der Nahostgesandte der Vereinten Nationen, Nikolai Mladenow rief alle Beteiligten zu "maximaler Zurückhaltung" auf. Ägypten und die UN hätten hart daran gearbeitet, um zu verhindern, dass die gefährliche Lage in und um Gaza zu einem Krieg führe. Die kommenden Stunden und Tage würden entscheidend sein. Die Region brauche keinen weiteren Krieg mehr.

Der Konflikt war eskaliert, nachdem das israelische Militär den Militärchef der Organisation, Abu Al Ata, am Dienstag durch einen gezielten Luftangriff getötet hatte.

Daraufhin feuerten die Islamisten vom Gazastreifen aus Hunderte Raketen Richtung Israel ab. Israelische Kampfjets bombardierten Ziele des Islamischen Dschihad. Dabei wurden am Mittwoch mindestens 16 Palästinenser im Gazastreifen getötet, insgesamt starben seit Beginn der neuen Gewaltwelle laut einer neuen Bilanz 34 Palästinenser. In Israel erlitten nach Angaben des Rettungsdienstes 50 Menschen Verletzungen.

Luftangriff im Gazastreifen
Aus dem dicht besiedelten Gazastreifen wurden hunderte Raketen in Richtung Israel abgefeuertBild: picture-alliance/NurPhoto/M. Fathi

Die "Bewegung des islamischen Dschihad in Palästina" entwickelte sich Ende der 1970er-Jahre aus ehemaligen palästinensischen Mitgliedern der ägyptischen Muslimbruderschaft und wird von Israels Erzfeind Iran finanziert. Die Organisation hat sich die Zerstörung Israels auf die Fahnen geschrieben. Sie ist für zahlreiche Terroranschläge auf israelischem Gebiet verantwortlich und verfügt laut der Nahost-Expertin Dikla Cohen von der Hebräischen Universität in Jerusalem über rund 10.000 Kämpfer im Gazastreifen. 

se/haz/djo (rtr, ap, dpa, kna)