IS verübte offenbar Massaker in Mossul | Aktuell Nahost | DW | 22.10.2016
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Aktuell Nahost

IS verübte offenbar Massaker in Mossul

Als Reaktion auf die Offensive der irakischen Armee zur Befreiung Mossuls hat die IS-Terrormiliz in der Stadt 284 Jungen und Männer hingerichtet. Dies meldet der US-Nachrichtensender CNN.

IS-Kämpfer im Irak (picture-alliance/AP Photo)

IS-Kämpfer im Irak

Der TV-Kanal beruft sich auf eine Quelle im irakischen Geheimdienst. CNN weist allerdings darauf hin, dass man deren Angaben nicht habe selbst überprüfen können.

Die Jungen und Männer seien vor ihrer Ermordung von Kämpfern des "Islamischen Staates" als sogenannte menschliche Schutzschilde gegen Angriffe in südlichen Bezirken von Mossul missbraucht worden. Die Opfer, einige von ihnen Kinder, seien alle erschossen worden, hieß es weiter. Ihre Leichen seien mit einem Bulldozer in ein Massengrab geschoben worden. Das Grab soll sich am Ort der Exekutionen befinden, nahe der Hochschule für Landwirtschaft im Norden der Stadt.

Pentagon-Chef in Bagdad 

Knapp eine Woche nach dem Beginn der Offensive gegen die IS-Hochburg Mossul traf US-Verteidigungsminister Ashton Carter zu einem Besuch in Bagdad ein. Der Pentagon-Chef will in der irakischen Hauptstadt Gespräche mit Kommandeuren der US-geführten Militärkoalition aus rund 60 Staaten führen, die sich mit Luftangriffen am Kampf gegen den IS beteiligen.

Streit um Rolle der Türkei

Auch ein Treffen mit dem irakischen Regierungschef Haider al-Abadi ist vorgesehen. Dabei sollte es auch um die irakischen Vorbehalte gegen eine türkische Beteiligung an der Mossul-Offensive gehen. Bei einem Besuch in Ankara hatte sich Carter am Freitag zuversichtlich gezeigt, dass die Türkei in die Militäraktion eingebunden werden könne. Dafür gebe es eine "grundsätzliche Einigung", jetzt müssten noch die "praktischen Einzelheiten" erörtert werden, sagte der Pentagon-Chef.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan beharrt auf einer Beteiligung der Armee seines Landes an der Rückeroberung Mossuls. Die Regierung in Bagdad lehnt dies ab. Die türkische Regierung befürchtet, dass das mehrheitlich von Sunniten bewohnte Mossul nach der Einnahme durch die von den USA geführte Anti-IS-Koalition und die kurdischen Peschmerga unter die Herrschaft von Kurden und schiitischen Muslimen geraten könnte.

Die irakische Armee kündigte im Rahmen der Mossul-Offensive einen Angriff auf die vom IS besetzte Stadt Karakusch an. Ziel sei es, Karakusch zurückzuerobern. Mitte der Woche war bereits gemeldet worden, die Regierungstruppen hätten die ehemals größte christliche Stadt des Iraks eingenommen. Nun hieß es, Spezialtruppen hätten vor einigen Tagen ein Christendorf bei Karakusch erobert. Karakusch lieg etwa 20 Kilometer südöstlich von Mossul.

 

Weiter Kämpfe in Kirkuk

In der Kurden-Stadt Kirkuk gehen die Kämpfe zwischen IS-Extremisten und Sicherheitskräften weiter. Scharfschützen und mögliche Selbstmordattentäter seien noch auf freiem Fuß, hieß es. In einer koordinierten Aktion hatten IS-Kämpfer am Freitag öffentliche Gebäude, darunter das Polizeihauptquartier, in Kirkuk attackiert. Es kam in mehreren Stadtvierteln zu Straßenkämpfen. Nach neuen Angaben der Behörden wurden bei den Kämpfen mindestens 46 Menschen getötet, die meisten von ihnen Angehörige der Sicherheitskräfte.

wl/stu (dpa, afp, rtr)