Irans Geparde träumen vom Titel | Sport | DW | 05.01.2019
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Asian Cup 2019

Irans Geparde träumen vom Titel

Ein halbes Jahr nach den starken Auftritten der iranischen Fußball-Nationalmannschaft bei der WM in Russland sind die Erwartungen an das "Team Melli" hoch. Beim Asian Cup soll nun der erste Titel seit 42 Jahren her.

Bei der Fußball-WM 2018 hat die iranische Nationalmannschaft neue Maßstäbe für sich selbst gesetzt. Die größtenteils überzeugenden Auftritte in der vermeintlichen Todesgruppe mit Europameister Portugal, Ex-Weltmeister Spanien und Marokko mit einer Ausbeute von vier Punkten haben die sportbegeisterte iranische Gesellschaft euphorisiert.                         

Dieser Erfolg bringt aber auch eine große Erwartungshaltung an das "Team Melli", wie die iranische Nationalmannschaft genannt wird, mit sich. Nichts anderes als die Krönung der guten Leistungen bei der WM 2018 erwartet die iranische Sportgemeinde beim Asian Cup 2019: Der vierte Triumph soll 42 Jahre nach dem letzten Titel endlich her - zwischen 1968 und 1976 krönte Iran sich dreimal in Folge zum Asienmeister. 

Topfavorit bei Buchmachern

Carlos Queiroz (Getty Images/C. Mason)

Der Portugiese Carlos Queiroz ist seit 2011 Trainer der iranischen Nationalmannschaft

Die hohe Erwartungshaltung erscheint nicht unbegründet und wird zudem seitens der internationalen Buchmacher und Wettbüros bestätigt. Der Iran wird neben Japan als Topfavorit gehandelt. Titelverteidiger Australien und die mitfavorisierten Südkoreaner rangieren auf den nachfolgenden Quoten-Plätzen. 

Derweil bemüht sich Nationaltrainer Carlos Queiroz, die Erwartungen an sein Team zu dämpfen. "Das Erreichen des Halbfinals beim Asian Cup ist der Traum des iranischen Fußballs", ließ der überaus beliebte Portugiese jüngst verlauten. Das Understatement des 65-Jährigen wurde jedoch nicht überall positiv aufgenommen. In seinem achten Amtsjahr erwarten viele Menschen im Land nichts weniger als den Titel - trotz der starken Konkurrenz. 

Kontinuierlich weiterentwickelt

Die defensive Stabilität ist das Markenzeichen des Systems der Iraner und kennzeichnend für die Spielphilosophie von Queiroz, der seit 2011 für die kontinuierliche Weiterentwicklung der Mannschaft steht. Dank der konsequenten Umsetzung dieser Spielidee gelang die Qualifikation für die beiden letzten Weltmeisterschaften, mit Auftritten gegen Fußball-Großmächte wie Spanien, Argentinien und Portugal. 

Doch für den Gewinn des Asian Cups sind taktische Flexibilität und offensiv orientierte Spielweise gefragt. Denn qualitativ unterscheiden sich die Gruppengegner Jemen, Vietnam und Irak erheblich von denen bei der WM. Queiroz' Team wird das Spiel gegen diese Gegner selber gestalten müssen und kann nicht aus einer abwartenden Haltung heraus agieren. Genau dort setzte Queiroz bezüglich der taktischen Weiterentwicklung nach der WM in Russland an - das Team konnte in den zurückliegenden Testspielen zunehmend auch mit Ballbesitzfußball und offensiver Ausrichtung überzeugen.

Qualität des Kaders

Russland WM 2018 l Iran vs Portugal 0:1 - verschossener Elfmeter von Ronaldo (Getty Images/J. Kruger)

Alireza Beiranvand pariert im WM-Gruppenspiel gegen Portugal einen Elfmeter von Cristiano Ronaldo

Eine ausgeglichene Mischung aus jungen Spielern, international erfahrenen Legionären und altgedienten Stars prägen das Gefüge. Der 26 Jahre alte Torhüter Alireza Beiranvand avancierte mit seinem gehaltenen Elfmeter gegen Cristiano Ronaldo im WM-Sommer zu einem der Shootingstars des Turniers.

In der Offensive ist Alireza Jahanbakhsh, der im Sommer als Torschützenkönig der niederländischen Ehrendivision zu Brighton & Hove Albion in die Premier League wechselte, einer der großen Hoffnungsträger. Auch Saman Ghoddous, der in Frankreichs höchster Spielklasse unter Vertrag steht, machte zuletzt mit starken Leistungen in der Liga auf sich aufmerksam. Er kann ebenso wie Jahanbakhsh wahlweise auf der Zehn spielen oder über die Flügel Akzente setzen. Im Sturmzentrum ruhen die Hoffnungen auf dem 24-jährigen Sardar Azmoun, der schon als Torschütze in der Champions League in Erscheinung trat. Neben ihm gilt Karim Ansarifard als zuverlässige Allzweckwaffe in der zentralen Offensive Irans.

Ständige Unruhe

Die hoffnungsvolle sportliche Lage wird allerdings immer wieder von Nebenkriegsschauplätzen getrübt. Der seit Jahren andauernde und öffentlich ausgetragene Zwist zwischen dem Nationaltrainer und einer Vielzahl von Klub-Trainern im Iran ist ein Dauerthema. Queiroz bemängelt zudem die fehlende Unterstützung seitens des nationalen Fußballverbandes (FFIRI) und des Sportministeriums, die beide bezeichnenderweise keinen Vertreter zur Abreise des Teams ins Trainingslager nach Katar geschickt hatten. "Was uns nicht tötet, wird uns noch stärker machen“, kommentierte Queiroz das ignorante Vorgehen der Funktionäre gegenüber der eigenen Fußball-Nationalmannschaft. 

Dazu kommen organisatorisch und wirtschaftliche Komplikationen - auch die Nationalmannschaft ist von Sanktionen gegen den Iran unmittelbar betroffen. Die jüngst neu aufgelegten US-Wirtschaftssanktionen erschweren die Versorgung des Teams erheblich. Trikot-Ausrüster Adidas beendete aufgrund der Sanktionspolitik die Zusammenarbeit mit dem iranischen Verband. Zuvor hatte der US-Sportartikelhersteller Nike die Ausstattung der Nationalspieler mit Schuhen verweigert. 

Gefühlte Heimspiele in den Emiraten

Die Begeisterung der iranischen Fans ist dennoch oder gerade deswegen ungebrochen. Die Nationalelf darf sich großer Unterstützung der eigenen Fans in den Vereinigten Arabischen Emiraten gewiss sein. Im Gastgeberland des Asian Cups ist rund um die Metropolen Dubai und Abu Dhabi eine große iranisch-stämmige Gemeinde beheimatet, was den Spielen der Iraner einen gewissen Heimspiel-Charakter verleihen wird und in entscheidenden Momenten zum Schlüsselfaktor für den ganz großen Wurf der Nationalmannschaft werden könnte. 

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