Iranischer Judoka Saeid Mollaei: ″Keine Garantie, dass ich jemals in mein Land zurückkehren kann″ | Sport | DW | 12.09.2019
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Judo

Iranischer Judoka Saeid Mollaei: "Keine Garantie, dass ich jemals in mein Land zurückkehren kann"

Saeid Mollaei verlor absichtlich bei der Judo-WM, weil die iranischen Behörden ihm befahlen, nicht gegen einen israelischen Gegner anzutreten. Im DW-Interview spricht er über sein Dilemma als iranischer Sportler.

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Die traurige Geschichte des Saeid Mollaei

Einen Wettkampf absichtlich zu verlieren, um israelischen Gegnern aus dem Weg zu gehen, sei "ein ungeschriebenes Gesetz, das seit seit vielen Jahren gilt", sagte der iranische Judoka Saeid Mollaei der DW. "Die Behörden fordern uns dazu auf, und wir müssen es einhalten, auch wenn es kein schriftlich fixiertes Gesetz ist."

Ihm sei angeordnet worden, bei der Weltmeisterschaft in Tokio Ende August zu verlieren, um sicherzustellen, dass er nicht im Finale gegen den Israeli Sagi Muki kämpfte. Als er entgegen der Weisung aus Teheran zum Halbfinale angetreten sei, habe er gewusst, dass "es keine Garantie dafür gibt, dass ich jemals in mein Land zurückkehren kann". Mollaei reiste nach der WM nicht in den Iran zurück, sondern nach Deutschland, wo er ein langfristiges Visum besitzt. Er startet in der Judo-Bundesliga für den Kraftsportverein Esslingen 1984.

"Ich stand am Scheideweg"

Er habe das WM-Halbfinale verloren, so Mollaei, weil er unter Druck gestanden habe, nachdem verschiedene Behörden ihn und seinen Trainer angerufen hätten. "Ich stand am Scheideweg und musste entscheiden, was ich tun sollte. Ich habe zuvor gezeigt, dass ich jeden schlagen kann. Aber angesichts dieser schwierigen Entscheidung, bei der ich an meine Familie und meine Zukunft denken musste, stand ich völlig neben mir. Deshalb konnte ich nicht richtig kämpfen und habe verloren."

Der neue Weltmeister Sagi Muki hatte nach seinem Triumph in Tokio gesagt, er hoffe, bei den Olympischen Spielen in Tokio gegen Mollaei antreten zu können. "Er ist mein Freund", sagte Mollaei über den Israeli. "Und ich hoffe, dass wir diese Freundschaft eines Tages auf der [Judo-] Matte teilen können, egal wer gewinnt. Das Wichtigste ist, diese Freundschaft zu zeigen."

Sein Hauptziel sei es, so der iranische Judoka, bei den nächsten Olympischen Spielen die Goldmedaille zu gewinnen. Der Internationale Judo-Verband (IJF) habe zugesichert, ihm helfen zu wollen, "damit ich im nächsten Jahr bei den Olympischen Spielen in Tokio antreten kann, entweder unter der Olympischen Flagge oder für ein anderes Land ".

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