Iran setzt auf ″Sputnik V″ | Asien | DW | 03.02.2021
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COVID-19-Pandemie

Iran setzt auf "Sputnik V"

Der Bericht zur guten Wirksamkeit des russischen Impfstoffs kommt dem Iran gelegen. Er hatte sich frühzeitig dafür und gegen West-Produkte entschieden.

Die ersten ausländischen Covid-Impfstofflieferungen sollen an diesem Donnerstag in Teheran eintreffen. Es handelt sich um das russische Vakzin "Sputnik V". Erst am Dienstag hatte die britische Fachzeitschrift "The Lancet" die Ergebnisse einer Studie zu "Sputnik V" veröffentlicht, in der dem russischen Impfstoff eine Wirksamkeit von 91,6 Prozent bescheinigt wird.

Das iranische Gesundheitsministerium hatte es sehr eilig, den "Lancet"-Bericht  in allen sozialen Netzwerken und Medien zu verbreiten. Teheran hatte "Sputnik V" bereits am 26. Januar die Zulassung erteilt und darüber hinaus ein Kauf- und Produktionsabkommen mit Russland unterzeichnet.

Die Entscheidung führte zu einer heftigen Auseinandersetzung mit der iranischen Ärztekammer. Diese warnte in einem offenen Brief an die Regierung vor dem den Einsatz von "Sputnik V" im Iran und bemängelte Intransparenz und fragwürdige Studiendaten hinter der Zulassung. Auch kritisierte die Ärztekammer die Weigerung der Regierung, zu versuchen, Impfstoffe aus den USA und Großbritannien zu bestellen.

Kampagne gegen westliche Impfstoffe

Der religiöse Führer Ali Chamenei war sogar so weit gegangen, die Westprodukte als unzuverlässig zu bezeichnen und zu verbieten. Gesundheitsminister Saeed Namaki, bekannt für seine Unterwürfigkeit und Schmeicheleien, bezeichnete Chamenei als "weisen Vater der Nation", dessen Ratschlägen Folge geleitet werden müsse. Nun schreibt Namakis Berater Alireza Vahabzadeh auf Twitter: "Die Wirksamkeit von Sputnik ist so hoch wie bei Pfizer oder Moderna. Von nächster Woche an beginnt der Iran mit der Impfung."

Vor lauter Freude vergaß Vahabzadeh, dass die staatlichen Medien im Iran seit Wochen rund um die Uhr über die angeblich gefährlichen und bisweilen tödlichen Nebenwirkungen der westlichen Corona-Impfstoffe von BioNTech/Pfizer und Moderna berichtet hatten, um das Verbot von Importen aus den USA und Großbritannien zu rechtfertigen. Die Entscheidungen des Gesundheitsministeriums seien "politisch und nicht wissenschaftlich", kritisierte die iranische Ärztekammer.

 

Krankenschwestern und Ärzte in Schutzausrüstung stehen in einem Krankenhauszimmer , in dem in zwei Betten Patienten intensivmedizinisch behandelt werde

Laut offiziellen Angaben sind im Iran bis jetzt fast 58.000 Menschen im Zusammenhang mit einer COVID-19-Erkrankung gestorben - die iranische Ärztekammer geht von deutlich höheren Zahlen aus

"Die Meinung der angesehensten Wissenschaftler und Experten hat keine Bedeutung", stellt Hussein Kermanpour, Sprecher der iranischen Ärztekammer im Interview mit dem Nachrichtenportal Emtedad News am 31. Januar fest. "Die Kampagne gegen westlichen Impfstoffe wird uns nicht helfen. Wir verspielen das Vertrauen der Bevölkerung und werden es am Ende nicht leicht haben, unsere Bevölkerung davon zu überzeugen, sich impfen lassen."

Unklarheit über iranische Eigenentwicklungen 

Der Iran arbeitet seit Monaten an eigenen Impfstoffen. Gesundheitsminister Namaki hatte bereits im vergangenen Sommer mitgeteilt, dass der von den beiden iranischen Forschungsinstituten Razi und Pasteur entwickelte Impfstoff "bald" in die Phase der klinischen Studien eintreten werde. Er wiederholte diese Mitteilung im November. Im Dezember unterzeichnete das iranische Pasteur-Institut ein Abkommen mit dem Finlay Vaccines Institute in Kuba, um dessen Impfstoffkandidaten "Soberana 02" ("Souveränität 02") im Iran ergänzend testen zu können.

Am 30. Januar schließlich meldete der Iran erneut einen Erfolg bei der Entwicklung eines eigenen Corona-Impfstoffs. Diesmal ging es um ein Mittel namens "Coviran Barekat", das eine hohe Wirksamkeit gegenüber den neuartigen Virus-Mutationen gezeigt haben soll. "Coviran Barekat" wurde allerdings bisher nur an 35 Personen getestet.

Der Iran ist nach wie vor sehr stark von der Corona-Pandemie betroffen. Laut offiziellen Zahlen sind bis jetzt fast 58.000 Menschen im Zusammenhang mit einer COVID-19-Erkrankung gestorben. Diese Statistik erfasst allerdings nur Patienten, die in Krankenhäusern positiv auf das Coronavirus getestet wurden. Aufgrund mangelnder Testkapazitäten geht die iranische Ärztekammer davon aus, dass die tatsächlichen Sterbefälle drei bis vier Mal höher sind.

Ein Impfplan für das Land wurde bis jetzt nicht vorgestellt.  

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