Iran nach Donald Trumps Gesprächsangebot skeptisch | Aktuell Welt | DW | 31.07.2018
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Gipfeltreffen

Iran nach Donald Trumps Gesprächsangebot skeptisch

Die Offerte des US-Präsidenten stößt in Teheran auf wenig Begeisterung. Donald Trump sei nicht glaubwürdig, heißt es. Wenn die Islamische Republik jetzt zusage, wäre dies eine "Demütigung".

Iran, ein Bild von US-Präsident Donald Trump auf der Titelseite in der Hauptstadt Teheran (Getty Images/A.Kenare)

In Teheran liest ein Mann eine Zeitung, die über Trump berichtet

Der Iran hat mit Skepsis auf das Angebot von US-Präsident Donald Trump zu direkten Gesprächen mit der iranischen Führung reagiert. Der stellvertretende Parlamentspräsident Ali Motahari sagte, nach Trumps früheren "verächtlichen Äußerungen" gegenüber dem Iran wäre es eine "Demütigung", Verhandlungen zuzustimmen. Innenminister Abdolresa Rahmani Fasli sagte, die USA seien nach ihrem Ausstieg aus dem internationalen Atomabkommen nicht vertrauenswürdig.

US-Präsident Donald Trump hatte sich am Montag zu einem Treffen mit seinem iranischen Kollegen Hassan Rohani "ohne Vorbedingungen" bereit erklärt. Dieses könne "jederzeit" erfolgen, sagte Trump bei einer Pressekonferenz in Washington. Er "glaube an Treffen", besonders wenn es um Krieg, Hunger und Tod gehe, sagte der US-Präsident, der im Juni dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un begegnet war.

Pompeo als "Bad cop"

Trump sagte, er sei auch bereit, über ein neues Atomabkommen zu sprechen, wenn dabei "nicht nur eine solche Papierverschwendung" herauskomme wie bei der alten Vereinbarung. Das 2015 nach jahrelangen Verhandlungen abgeschlossene Atomabkommen zwischen dem Iran und den fünf UN-Vetomächten und Deutschland sei "lächerlich" gewesen, sagte der US-Präsident, der es im Mai trotz weltweiter Kritik aufgekündigt hatte.

Staatssekretär Mike Pompeo (Getty Images/A.Wong)

"Boshaftes Verhalten muss enden": US-Außenminister Mike Pompeo am Montag

US-Außenminister Mike Pompeo relativierte Trumps Angebot jedoch umgehend und nannte drei Bedingungen für Gespräche. Trump sei nur zu einem Treffen bereit, wenn der Iran zeige, dass er "zu fundamentalen Veränderungen im Umgang mit dem eigenen Volk" bereit sei, sein "boshaftes Verhalten" im Nahen Osten ändere und ein Atomabkommen akzeptiere, das die Verbreitung von Nuklearwaffen "wirklich" verhindere, sagte Pompeo.

Eiszeit seit 1979

Irans geistliches Oberhaupt Ajatollah Ali Chamenei hatte zuletzt Verhandlungen mit den USA wiederholt als nutzlos bezeichnet, da Trumps Ausstieg aus dem Atomabkommen gezeigt habe, dass Washington nicht zu trauen sei. Die beiden Länder unterhalten seit der Besetzung der US-Botschaft in Teheran nach der Islamischen Revolution 1979 keine Beziehungen mehr. Ein Treffen der Präsidenten wäre das erste seit fast 40 Jahren.

Trumps Gesprächsangebot kommt eine Woche, nachdem er seinen iranischen Kollegen Rohani im Kurzmitteilungsdienst Twitter in Großbuchstaben gewarnt hatte, "niemals wieder den USA" zu drohen, sonst werde dies härteste Konsequenzen zur Folge haben. Zuvor hatte Rohani seinerseits die USA in einer Rede davor gewarnt, "mit dem Schwanz des Löwen" zu spielen, da ein Krieg mit dem Iran die "Mutter aller Schlachten" sein würde.

"USA ändern ständig ihre Position"

Der Politikexperte Mohammad Marandi, der auch an den Atomverhandlungen beteiligt war, sagte, der Iran könne nicht mit jemanden verhandeln, "der seine internationalen Verpflichtungen missachtet, anderen Ländern mit Zerstörung droht und ständig seine Position ändert". Der Vorsitzende des auswärtigen Ausschusses im iranischen Parlament, Heschmattolah Falahatpischeh, erklärte dagegen, Verhandlungen mit den USA dürften "kein Tabu" sein.

jj/sth (dpa, afp)

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