Iran lässt Uran-Zentrifugen weiter rotieren | Aktuell Welt | DW | 01.12.2021
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Atomabkommen

Iran lässt Uran-Zentrifugen weiter rotieren

Trotz des Neustarts der Atomverhandlungen fährt der Iran die Urananreicherung weiter hoch. Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA will ihre Kontrollen erhöhen.

Uranhexaflorid-Behälter in Fordow (2019)

Uranhexaflorid-Behälter in Fordow (2019): Anreicherung auf 60 Prozent?

160 Kilometer südwestlich der iranischen Hauptstadt Teheran liegt die Atomanlage Fordow. Auf dem Gelände gibt es ein weitverzweigtes Tunnelsystem und moderne Uran-Zentrifugen. Nach Angaben der UN-Atomaufsichtsbehörde IAEA hat der Iran dort damit begonnen Uran auf 20 Prozent anzureichern. Nach Einschätzung von Atom-Experten baut das Regime in Teheran damit seine Fähigkeiten zur Anreicherung weiter aus - ganz im Gegensatz zu den Vereinbarungen im Nuklearabkommen von 2015.

Die IAEA berichtete von dem jüngsten Schritt, während in der österreichischen Hauptstadt Wien diplomatische Verhandlungen zur Wiederherstellung des Nuklearpakts liefen. IAEA-Inspektoren hätten am Dienstag die unterirdische Atomanlage in Fordow besucht, hieß es in einer Nachricht der Atombehörde an ihre Mitgliedsländer.

Dort seien Schritte zur Anreicherung von Uran mittels hocheffizienter Zentrifugen unternommen worden. Laut IAEA werde in Fordow Uranhexafluorid mit einem Reinheitsgrad von fünf Prozent in eine Kaskade von 166 IR-6-Maschinen eingespeist, um die Konzentration eines bestimmten Isotops in dem Stoff weiter zu erhöhen. Im November hatte die UN-Behörde mitgeteilt, diese Maschinen seien zwar im Einsatz, jedoch werde das angereicherte Produkt verworfen.

Iran spricht von friedlichen Zwecken

Der Iran bestätigte den Start der 20-prozentigen Urananreicherung in Fordow. Sie diene friedlichen Zwecken, sagte Mohammed-Resa Ghalebi, Geschäftsführer der iranischen IAEA-Mission in Wien, am Mittwochabend. IAEA-Inspektoren seien jedoch Kontrollen in der Anlage gewährt worden, so der Diplomat laut Nachrichtenagentur Isna.

Produktionshalle in Atomanlage Fordow (2019)

Produktionshalle in Atomanlage Fordow (2019): Betrieb von "hocheffizienten Zentrifugen"

Die IAEO will ihre Inspektoren nun offenbar öfter nach Fordow schicken, um die Atomanlage zu kontrollieren. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters setzt der Iran inzwischen zwei Kaskaden von Zentrifugen ein, um Uran sogar auf 60 Prozent anzureichern. Für den Bau von Kernwaffen ist ein Reinheitsgrad von etwa 90 Prozent erforderlich. Schon die bislang erzielte Anreicherung von fünf Prozent ist dem Iran eigentlich verboten.

Niedrige Obergrenze im Nuklearabkommen

Denn mit dem Pakt von 2015 war das Atomprogramm der Islamischen Republik stark eingeschränkt worden. In dem Abkommen ist festgelegt, dass der Iran Uran lediglich auf 3,67 Prozent anreichern darf - für eine zivile Nutzung von Atomenergie. Ziel der Staatengemeinschaft war es, die Entwicklung von Nuklearwaffen mit Uran oder Plutonium im Iran zu verhindern. Unter anderem hatte sich die Führung in Teheran vor sechs Jahren verpflichtet, in Fordow keine Zentrifugen einzusetzen, die spaltbares Material äußert schnell produzieren können.

Der Iran verhandelt seit Montag erstmals seit fünf Monaten wieder indirekt mit den USA darüber, wie das Atomprogramm wieder zurückgefahren werden kann, falls gleichzeitig US-Sanktionen gegen den Iran aufgehoben werden. Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Russland und China vermitteln zwischen den zwei verfeindeten Staaten. Europäische Diplomaten hatten sich gerade zum Start der neuen Gesprächsrunde ein Signal des guten Willens vom Iran erhofft.

Die USA waren 2018 unter dem damaligen Präsident Donald Trump aus dem Atomabkommen ausgestiegen und hatte harte Wirtschaftssanktionen gegen den Iran verhängt. Danach begann die Führung in Teheran, die nuklearen Abmachungen schrittweise zu brechen.

AR/rb (dpa, rtr)

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