Iran lässt britisch-australische Islamwissenschaftlerin frei | Aktuell Nahost | DW | 26.11.2020
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Spionagevorwurf

Iran lässt britisch-australische Islamwissenschaftlerin frei

Im Austausch gegen drei iranische Staatsbürger hat Teheran die Forscherin Kylie Moore-Gilbert aus dem Gefängnis entlassen. Die 33-Jährige verbüßte eine zehnjährige Haftstrafe - wegen angeblicher Spionage für Israel.

Gefangenenaustausch im Iran - Kylie Moore-Gilbert

Der iranische staatliche TV-Sender IRIB zeigt die freigelassene Dozentin Kylie Moore-Gilbert

Der Iran hat die australisch-britische Islamwissenschaftlerin Kylie Moore-Gilbert im Austausch gegen drei iranische Staatsbürger aus der Haft entlassen. Australiens Außenministerin Marise Payne zeigte sich "äußerst erfreut und erleichtert" und kündigte an, dass die Dozentin schon bald wieder bei ihrer Familie sein werde. Sie bekräftigte, die australische Regierung habe stets die Anschuldigungen der iranischen Behörden gegen Moore-Gilbert, unter denen sie festgenommen, inhaftiert und verurteilt worden war, mit Nachdruck zurückgewiesen. "Wir tun dies auch weiterhin", machte die Außenministerin deutlich. 

Moore-Gilbert selbst erklärte in einem von Australien verbreiteten Statement, nach mehr als 800 Tagen Gefangenschaft verlasse sie den Iran - trotz der erlittenen Ungerechtigkeiten - mit gemischten Gefühlen. Sie habe andere Iraner als warmherzig, großzügig und mutig kennengelernt.

Vor der Ausreise am Flughafen Teheran festgenommen

Die Dozentin der Universität Melbourne war im September 2018 nach ihrer Teilnahme an einer wissenschaftlichen Konferenz im Iran am Teheraner Flughafen festgenommen worden. Ein Gericht verurteilte sie wegen angeblicher Spionage für Israel sowie Gefährdung der nationalen Sicherheit zu zehn Jahren Gefängnis. Moore-Gilbert, die auch die britische Staatsbürgerschaft hat, wies die Vorwürfe stets zurück.

Gefangenenaustausch im Iran - Kylie Moore-Gilbert

Mit einem Minibus wird die Forscherin (M.) zum Internationalen Flughafen von Teheran gebracht

Während ihrer Gefangenschaft gelang es ihr, Briefe aus dem Gefängnis zu schmuggeln, von denen Textpassagen in britischen Medien veröffentlicht wurden. Die ersten zehn Monate ihrer Haft in einem isolierten Flügel des Evin-Gefängnisses in Teheran hätten ihre psychische Gesundheit "schwer beschädigt", schrieb sie. Dennoch habe sie ein Angebot von Teheran, als Spionin für den Iran zu arbeiten, abgelehnt.

Alle Versuche der australischen Regierung, ihre Freilassung über diplomatische Kanäle zu ermöglichen, scheiterten zunächst. Die Justiz im Iran sei unabhängig und lasse sich bei nationalen Fragen nicht auf politische Vermittlung ein, hieß es aus Teheran.

se/bru (afp, ap, rtr, dpa)