IOC: Boxen ja, AIBA nein! | Sport-News | DW | 26.06.2019
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Olympia

IOC: Boxen ja, AIBA nein!

Die IOC-Vollversammlung schließt den Amateurbox-Weltverband AIBA von den Olympischen Sommerspielen 2020 aus. Geboxt wird aber auch in Tokio - deutlich mehr Frauen als bei den letzten Spielen werden in den Ring steigen.

Knockout für den Amateurbox-Weltverband AIBA: In einem ungewöhnlichen Schritt hat das Internationale Olympische Komitee (IOC) einen seiner Mitgliedsverbände von den Olympischen Sommerspielen 2020 in Tokio ausgeschlossen. Die IOC-Vollversammlung folgte in Lausanne einstimmig einer entsprechenden Empfehlung der Exekutive. Boxen bleibt jedoch im olympischen Programm.

Anstelle der AIBA veranstaltet das IOC selbst die Qualifikationsturniere für Tokio, bei denen die Boxerinnen und Boxer Olympiatickets lösen können, und auch das olympische Turnier. An der Zahl von 286 Athleten wird sich ebenso wenig ändern wie an den acht Männer- und fünf Frauen-Kategorien. Allerdings wird der Frauenanteil deutlich erhöht: 186 Männer und 100 Frauen werden in der japanischen Hauptstadt kämpfen, in Rio 2016 waren 250 Männer und nur 36 Frauen am Start.

Umstrittener Präsident, skandalöse Ringrichter-Entscheidungen

Russland Gafur Rachimow, International Boxing Association (AIBA) (picture-alliance/AP Photo/P. Golovkin)

Gafur Rachimow

Ausgelöst wurde die Krise der AIBA 2018, als der Gafur Rachimow erst Interimschef und dann Präsident des Verbands wurde. Dem usbekischen Geschäftsmann wurden Kontakte zur Mafia des Landes nachgesagt. Das US-Finanzministerium bezeichnete Rachimow als "einen der führenden Verbrecher Usbekistans". Im März kündigte Rachimow seinen Rücktritt an, um die Teilnahme der AIBA an den Spielen in Tokio zu ermöglichen.

Neben der umstrittenen Personalie hatten auch skandalöse Entscheidungen der Ringrichter bei den letzten beiden Olympischen Sommerspielen 2012 in London und 2016 in Rio de Janeiro das Ansehen der AIBA stark beschädigt. Außerdem warf das IOC dem Verband vor, nicht konsequent genug gegen Doping im Boxsport vorzugehen.

Finanziell steht die AIBA schlecht da, die Schulden sollen sich auf rund 14 Millionen Euro belaufen. In einem Brief an das IOC warnte der scheidende AIBA-Geschäftsführer Tom Virgets, der Verband stehe ohne die Einnahmen aus den Spielen in Tokio vor der Insolvenz. Der Anteil  an den IOC-Gewinnen würde sich auf rund 17,5 Millionen Euro belaufen.

Kyas: "Aus der Not eine Tugend machen"

"Ich hoffe, sie finden einen Ausweg aus der Krise", sagte Nenad Lalovic, Chef der IOC-Untersuchungskommission und Ringer-Weltpräsident. Die AIBA müsse zu schnellen Reformen nach den Spielen von Tokio bereit sein, so Lalovic: "Haben sie keinen Erfolg, wird ihre Zukunft nicht rosig ausfallen." Jürgen Kyas, Präsident des Deutschen Boxsport-Verbands (DBV) und Mitglied der AIBA-Exekutive, hatte mit der IOC-Entscheidung gerechnet: "Überraschend kommt das nicht. Wir müssen jetzt aus der Not eine Tugend machen."

Das IOC hatte monatelang damit gedroht, die AIBA sowohl für das Olympia-Turnier  2020 als auch für die Qualifikation in den Monaten davor zu sperren. Ein kompletter Ausschluss des Faustkampfes von den Spielen stand jedoch nie zur Diskussion. Boxen ist seit 1904 olympisch. Mit 203 Mitgliedsverbänden ist die AIBA der drittgrößte Sportverband der Welt.

sn/asz (dpa, sid)

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