Investoren: Deutschlands Attraktivität leidet | Wirtschaft | DW | 03.06.2019
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Investitionsklima

Investoren: Deutschlands Attraktivität leidet

Deutschland ist weiterhin ein beliebtes Ziel für Investoren aus dem Ausland, verliert aber an Boden. Die Zahl ausländischer Investitionen in Deutschland ist 2019 einer Studie zufolge erstmals seit Jahren gesunken.

Die Zahl ausländischer Investitionen fiel um 13 Prozent auf 973 Projekte, wie die Wirtschaftsgesellschaft EY (ehemals Ernst & Young) in ihrem Standort-Ranking mitteilte. Das ist der erste Rückgang überhaupt seit Beginn der jährlichen Untersuchung 2005.

Deutschland rutschte damit in Europa auf den dritten Rang ab, hinter Großbritannien (das einen Rückgang von 13 Prozent auf 1054 Projekte verzeichnete) und Frankreich (das ein leichtes Plus auf aktuell 1027 Projekte meldet). "Dass die ausländischen Investitionen in Deutschland sinken, ist ein Warnsignal - Deutschland ist nicht mehr der Wachstumsmotor der europäischen Wirtschaft", sagte Hubert Barth, der Vorsitzende der Geschäftsführung von EY in Deutschland.

Deutschland ausländische Unternehmen (picture-alliance/dpa/K.-J. Hildenbrand)

Der Roboterbauer Kuka ist ein bekannteste Ziel ausländischen Investments: Hier kam das Geld aus China.

Kritik an Steuern und Arbeitskosten

Ausländische Unternehmen, die in Deutschland aktiv sind, sehen der Umfrage zufolge die deutsche Standortpolitik zunehmend kritisch. Der Anteil der negativen Bewertungen stieg im Vergleich zum Vorjahr von 22 auf 37 Prozent. Ohne Einschränkung positiv äußerte sich nur noch rund jeder zehnte Befragte: elf statt vorher 25 Prozent.

Weiterhin gelobt werden wichtige Standortfaktoren wie die Transport-Infrastruktur, die Stabilität im politischen und rechtlichen Umfeld Deutschlands und das Qualifikationsniveau der Arbeitskräfte: Jeweils mehr als 80 Prozent der Befragten sahen das als positiv an. Überwiegend kritisch werden dagegen die Flexibilität des Arbeitsrechts, die Unternehmensbesteuerung und das Niveau der Arbeitskosten bewertet.

Blackrock ist von Deutschland weiter angetan

Der Journalist und Autor Gabor Steingart verwies am Montag in seinem werktäglichen Newsletter auf eine aktuelle Studie des Deutschen Investor Relations Verbands (DIRK). Demnach befänden sich bereits 85 Prozent des Dax in ausländischer Hand. Nordamerikanische und britische Investoren hielten derzeit 54,1 Prozent der Anteile an den 30 Dax-Unternehmen.

Die USA hätten demzufolge ihren Anteil an deutschen Unternehmen von 32,6 Prozent (2016) auf 34,6 Prozent (2018) ausgebaut und kauften weiter zu. Britische Anleger besäßen mit knapp 20 Prozent immer noch einen höheren Anteil am Dax als deutsche Anleger, die nur noch 15,3 Prozent am Dax hielten.

USA Zentrale von BlackRock in New York (picture-alliance/Photoshot)

Der US-Invesator Blackrock, hier die New Yorker Konzernzentrale, hält bereits beinah ein Zehntel des Dax-Vermögens.

Der größte Einzelinvestor deutscher Vermögenswerte im Dax ist die US-amerikanische Fondsgesellschaft Blackrock mit 9,4 Prozent. Chinesische und andere asiatische Investoren spielten dabei mit knapp vier Prozent nur eine untergeordnete Rolle.

Es fehlt an Dynamik und Impulsen

Die gleiche Tendenz stellt auch die EY-Studie für das Jahr 2018 fest: Während US-Firmen dem Standort Deutschland treu blieben, hielten sich vor allem britische und chinesische Unternehmen zurück: Deren Projekte verringerten sich um jeweils zwölf Prozent, die aus der Schweiz gar um 42 Prozent.

Mit einem Wirtschaftswachstum von 1,4 Prozent habe Deutschland 2018 nur Rang 24 unter den 28 EU-Mitgliedstaaten belegt, begründete EY den Trend. "Und auch für 2019 sind die Aussichten alles andere als rosig", sagte Hubert Barth. Er verwies auf Prognosen, die gerade noch 0,5 Prozent Wachstum voraussagen. "Wir brauchen dringend wieder eine positive Dynamik und neue Wachstumsimpulse."

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