Interview mit Nasser | Mit „Ticket nach Berlin“ auf Deutschlandreise | DW | 04.09.2013
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Die Kandidaten

Interview mit Nasser

In unseren Interviews stehen die Kandidaten Rede und Antwort: Was sind ihre persönlichen Tipps zum Deutschlernen? Wie sehen ihre Pläne für die Zukunft aus? Zu diesen und vielen anderen Themen äußern sie sich hier.

Nasser, was hat dich an Deutschland und den Deutschen überrascht?

Ich war von der Umweltfreundlichkeit sehr beeindruckt. Grüne Landschaften, von der Natur geschaffen, durchziehen das ganze Land. Ich konnte mir vorher nicht einmal vorstellen, dass die Farbe Grün so schön ist. Ich lebe nämlich in Ägypten, wo es zwar auch grüne Flächen gibt, aber die sind von Menschen gemacht.

Auch lernte ich früher von einem Deutschlehrer in Ägypten, dass die Deutschen sehr ernst sind und nicht lachen können. Aber das stimmt nicht: Ich habe es wirklich erlebt, wie man sich mit den Deutschen vor Lachen den Bauch hält.

Was war eine Herausforderung für dich?

In Deutschland war natürlich das Wetter eine große Herausforderung für mich. Es war wechselhaft und gleich am ersten Tag bekam ich eine Erkältung. Das Essen zählte auch dazu, da es wenige türkische Läden gab, wo ich koscheres Fleisch essen konnte. Mit der Sprache hatte ich keine Probleme, auch die verschiedenen Dialekte kann man schon verstehen – außer Bairisch.

Wo hat es dir in Deutschland besonders gut gefallen?

Ich war einen Monat in Freiburg. Dort ist es wunderschön. Es ist eine kleine Stadt mit vielen Fahrrädern und weniger Autos, mit viel Grün und ruhigen Straßen. Aber fasziniert war ich von Berlin. Es gibt tagsüber viele Ablenkungen und nachts Leute, die bis in die frühen Morgenstunden unterwegs sind. Man sagt hier, dass Kairo die einzige Stadt in der Welt ist, die nie schläft. Ich würde diesen Spruch weiter ergänzen: Berlin ist die Schwester von Kairo!

Könntest du dir vorstellen, in Deutschland zu leben?

Ja, und es war immer mein Traum, einmal nach Deutschland zu kommen. Aber ich hatte auch Angst davor … Zum ersten Mal weg von meiner Familie und meiner Heimat. Ich dachte, dass ich Heimweh bekommen würde. Es kam anders und ich bin froh, dass ich diese neue Lebenserfahrung gemacht habe.

Welche Meinung haben die Ägypter über Deutschland?

Die einen, dass es dort sehr schöne Frauen gibt. Die anderen sind große Fans von FC Bayern-München. Wir schauen uns gern die Spiele dieses Fußballclubs in Cafés an, das kann dann schon mal laut werden. Wenn ein fremder Mensch vorbeiläuft, denkt er, dass es das Finale von Ägypten in der Weltmeisterschaft sei …

Wenn es um Politik und Wirtschaft geht, heißt es, dass sich Deutschland in kurzer Zeit nach dem zweiten Weltkrieg entwickelt hat und jetzt in Konkurrenz zu USA und Japan steht.

Du bist wieder zurück in Kairo. Die politische Lage in Ägypten ist derzeit äußerst angespannt. Was bedeutet das für dich und deinen Alltag?

Seit der Revolution des 25. Januars 2011 habe ich mich in die Politik eingemischt. Es ist eine gute Chance, dass mir eine Fremdsprache wie das Deutsche dabei zu Hilfe kommt. Auf der einen Seite kann ich die deutschen Zeitungen lesen und mich über die Meinung der Deutschen informieren – was sie von bestimmten politischen Situationen wie in Ägypten halten. Auf der anderen Seite kann ich diese Meinungen hier den einfachen Menschen vermitteln, um sie – was das Ausland angeht – auf dem Laufenden halten zu können.

Was sind deine Pläne für die Zukunft?

Nach meinem Germanistik-Studium möchte ich einen DaF-Master in Deutschland machen. Längere Zeit dort zu leben ist mein Ziel, um mehr über dieses fantastische Land zu erfahren. Sterben will ich aber in Ägypten.

Interview: Karoline Rebling