Internationale Presse-Stimmen zum Helsinki-Gipfel | Aktuell Welt | DW | 17.07.2018
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Presseschau

Internationale Presse-Stimmen zum Helsinki-Gipfel

Die aufsehenerregende Begegnung von Trump und Putin dominiert die Kommentarspalten. Trump habe sich blamiert, Putin sei der Sieger. So der Tenor. Eine Auswahl internationaler Pressestimmen zum Gipfel-Treffen.

Über eines scheinen sich die Beobachter einig zu sein: Das Treffen zwischen Trump und Putin könnte der Anfang einer neuen Weltordnung sein. In Russland wird nur bedauert, dass Trump nur so wenig Gleichgesinnte um sich habe. Westliche Kommentatoren dagegen kritisieren den Gipfel scharf:

USA: "Schockierend"

Die "New York Times" sieht "keine Anzeichen dafür, dass die USA irgendeinen Gewinn aus Herrn Trumps Unterwürfigkeit gegenüber Herrn Putin gewonnen haben, obwohl Trump selbst zumindest einen neuen, glitzernden Fußball bekam. (...) Stell ihn neben Herrn Putin und andere Diktatoren, und er wird zu Spachtelmasse."

Die "Los Angeles Times" findet "es schockierend, dass der Präsident den lange bestehenden, auf Beweisen ruhenden Schlüssen von CIA, NSA, FBI und dem Büro des Geheimdienstkoordinators kein größeres Gewicht gibt als dem Gerede eines manipulativen russischen Autokraten."

In den russischen Zeitungen wird die Sache eher positiv gewertet:

Russland: "Vorsichtiger Optimismus"

Die Zeitung "Iswestija" meint: "Putin und Trump bestätigten ihre gegenseitige Sympathie zueinander. Doch warum verspüren wir dann nicht mehr als nur vorsichtigen Optimismus? Tatsache ist auch: Trump hat nur wenige Menschen um sich, die seine Ansichten teilen. Gleichzeitig hat er auch viele Feinde. Wenn er also wirklich mit seiner Annäherung an Russland erfolgreich sein will, braucht er neue Mitarbeiter."

Die "Nesawissimaja" aus Moskau betont jedoch: "Die USA versuchen, Russland auf ihre Seite zu ziehen - vor allem bei den internationalen Konfrontationen mit anderen Mächten wie mit dem Iran und China. (...) Alles kam wie erwartet. Doch gleichzeitig hat sich der Chef des Weißen Hauses das Thema China auf die Fahne geschrieben. Und nun kann man sich ausmalen, dass er sich wünscht, Putin in diesen Handelskrieg hineinzuziehen."

Europa: Trumps "Verrat der Nation" und "groteskes" Treffen

In Europa wird in dem Gipfel eine Schwächung oder gar Gefahr für die Europäische Union gesehen. Der Tenor ist eindeutig: Trump hat sich und sein Land abgewertet und somit Russland auf der internationalen Bühne mehr Gewichtung verliehen.

Die "Times" aus Großbritannien findet "das Schweigen Trumps zur Ukraine beschämend. (...) Es ist schwer vorstellbar, dass auch nur einer seiner Amtsvorgänger eine derart pro-russische Linie vertreten hätte."

In der "La Stampa" aus Italien heißt es: "Für Putin und Trump hat der Gipfel gestern in Helsinki das wahre "Ende des Kalten Krieges" besiegelt (...), was die Tür zu einer nützlichen Zusammenarbeit an allen Fronten der Welt öffnet. Für Kritiker aber hat er das geheime Vorgehen des Weißen Hauses mit dem Kreml bewiesen, wenn nicht sogar einen Verrat an der Nation."

Die "La Vanguardia" aus Spanien schreibt: "Putin verlässt die finnische Hauptstadt, nachdem er ein Doppelziel erreicht hat: internationale Legitimität und die Anerkennung von Russland als Weltmacht."

"Politiken" aus Dänemark findet die Pressekonferenz der beiden Präsidenten "grotesk. Trump war mehr daran interessiert, auf Abstand zur Justiz in seinem eigenen Land zu gehen, als an Putins Versuch, Russlands Unschuld zu beteuern."

In der "NZZ" aus der Schweiz blickt man auf das Treffen mit einem Fragezeichen: "Was Trump mit seiner eigenartigen Anbiederung an Putin bezweckt, bleibt ein Rätsel. Sicher ist nur, dass sich der Kreml keinen besseren Akteur im Weißen Haus wünschen kann als ihn."

Von einer "öffentlichen Bloßstellung" spricht die "Gazeta Wyborcza" aus Polen: "Es tat weh zuzusehen, wie der Präsident der USA sich immer mehr verstrickte, als er Journalisten vor den Augen der Weltöffentlichkeit versicherte, er habe auf ehrliche Weise die Wahlen vor zwei Jahren gewonnen. Der daneben stehende Putin beobachtete ruhig, wie sich sein Rivale öffentlich bloßstellte."

Aus der Slowakei heißt es, Trump bekäme "weiche Knie", wenn er einen Autokraten trifft. Weiter schreibt die "Dennin N": "Hier gibt er Kim (Jong Un) nach, der nach Trumps Worten sein Land gut regiere. Dort macht er einen Rückzieher gegenüber dem "gemeinsamen Freund" Xi (Jinping). Und jetzt hilft er Putin und seinen Fans mit der Bemerkung, Russland sei an gar nichts schuld."

In der "Pravo" aus Tschechien wird angemerkt: "Trump hat einmal mehr gezeigt, dass er lieber mit Schwergewichten der internationalen Politik spricht. Neben Russland gehört dazu China, nicht aber die Europäische Union."

nis/rp (dpa)