Integrationskurs – ein Erfolgsmodell? | Deutschlehrer-Info | DW | 18.08.2016
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Deutschlehrer-Info

Integrationskurs – ein Erfolgsmodell?

Zuwanderer und Flüchtlinge sollen im Integrationskurs Deutsch lernen und Grundkenntnisse über die Bundesrepublik bekommen. Doch reicht das bisherige Angebot aus? Forscher bezweifeln das.

Seit 2005 werden Integrationskurse in Deutschland angeboten. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erwerben dort in der Regel in 660 Unterrichtsstunden Sprachkenntnisse und ein Grundwissen über die deutsche Rechtsordnung, Kultur und Geschichte. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) bezeichnet die Integrationskurse als „Erfolgsmodell“. Doch reichen sie aus, um sich in Deutschland wirklich integrieren zu können?

Kritiker wie beispielsweise Christoph Schroeder bezweifeln das. Er leitet den Arbeitsbereich Deutsch als Fremdsprache an der Universität Potsdam und ist Mitglied im Rat für Migration, einem bundesweiten Zusammenschluss von mehr als 100 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Schroeder hat festgestellt, dass nur etwa die Hälfte derjenigen, die die Kurse besuchen, überhaupt an den vorgesehenen Abschlusstests teilnehmen. Und von denjenigen, die daran teilnehmen, würden wiederum nur etwa 60 Prozent die Sprachprüfung für die Niveaustufe „B1“ bestehen, in der „ausreichende Sprachkenntnisse“ bescheinigt werden.

Zwei Drittel der Teilnehmerinnen und Teilnehmer fallen aus dem System heraus. „Die Kurse sind offensichtlich nur bedingt in der Lage, auf die Herausforderungen zur Integration von Flüchtlingen und Migranten angemessen zu reagieren“, sagt Schroeder.

Mit seiner Kollegin Natalia Zakharova hat er auch herausgefunden, dass bildungsferne Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die die Kurse am nötigsten hätten, am wenigsten von ihnen profitieren. Die Forscher fordern daher, die Kurse zu differenzieren, auf verschiedene Zielgruppen zuzuschneiden, um so bestimmte Gruppen besser fördern zu können. Zwar gibt es bereits Spezialkurse – etwa zur Alphabetisierung oder für Jugendliche. Doch diese machen bislang nur etwa 20 Prozent aller Integrationskurse aus.

Der Orientierungskurs, in dem die Lernenden Kenntnisse über Deutschland erwerben, soll nach dem Willen des BAMF nun von 60 auf 100 Stunden aufgestockt werden. Auch der Lehrplan der Kurse werde, so eine Sprecherin des Bundesamtes, derzeit überarbeitet. Ziel sei, einen noch stärkeren Fokus auf die Vermittlung von Werten zu legen.

Der migrationspolitische Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen, Volker Beck, sagt dazu: „Mehr ist immer sinnvoll. Die Frage ist nur: Sind die Kapazitäten dafür auch da?“ Denn es fehlt überall an Lehrkräften. Beck findet zudem, dass man sich nicht allein auf die Integrationskurse verlassen sollte. „Die Kurse sind lediglich ein integrationspolitisches „Starterpaket“.“ Danach müsste es mit dem Spracherwerb und der Wertevermittlung weitergehen, zum Beispiel in Schulen oder am Arbeitsplatz.


sts/bw (mit dpa)

Die Redaktion empfiehlt