Integrationshilfe für nordkoreanische Flüchtlinge in Großbritannien | Asien | DW | 14.05.2018
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Flüchtlingshilfe

Integrationshilfe für nordkoreanische Flüchtlinge in Großbritannien

Michael Glendinning ist Brite, Jihyun Park kommt aus Nordkorea. Seit über fünf Jahren arbeiten die beiden zusammen. Gemeinsam engagieren sie sich für nordkoreanische Flüchtlinge in Großbritannien. Eine Langzeitaufgabe.

"Ich wurde in der Hölle geboren. Und jetzt bin ich im Paradies. Ja, wirklich, so fühlt es sich an." So beschreibt Jihyun Park ihr Leben. Oder besser gesagt: ihre zwei Leben. Die unterschiedlicher nicht sein könnten. Park ist 49 Jahre alt, sie ist glücklich verheiratet und wohnt gemeinsam mit ihrem Mann und drei Kindern in Großbritannien. "Hier habe ich erfahren, was Liebe, Glück und Familie bedeuten. Jeden Morgen werde ich wach und sehe in lächelnde Gesichter. Und abends essen wir zusammen und unterhalten uns. Ganz frei." Sie betont das im Gespräch immer wieder. Dieses Wort, das so kostbar ist für sie: Freiheit.

Porträt Jihyun Park (Privat)

Jihyun Park hat für sich ein Stück Paradies gefunden - trotz der Narben ihrer Vergangenheit

Lange Zeit kannte Jihyun Park nur das Gegenteil davon. Darüber kann sie heute sprechen, auch wenn ihre Stimme verrät, dass es ihr schwer fällt. Sie redet öffentlich über ihre Kindheit und Jugend in Nordkorea. Darüber, wie sie zweimal außer Landes floh. Wie sie in China an einen Mann verkauft und regelrecht als Sklavin gehalten wurde. Und sie berichtet von der quälenden Ungewissheit, die sie umtreibt. Weil sie nie erfahren hat, was aus ihren Verwandten in Nordkorea geworden ist. Sie spricht anstelle von vielen anderen, denen es ähnlich geht. Die sich aber nicht trauen und lieber schweigen.

Eine Zeugin für viele

Jihyun Park arbeitet gemeinsam mit ihrem Kollegen Michael Glendinning in London für "Connect: North Korea". Die gemeinnützige Organisation verfolgt das Ziel, mehr internationale Aufmerksamkeit auf die Menschenrechtslage in Nordkorea zu lenken. Daneben wollen Park und Glendinning mit ihrem ehrenamtlichen Engagement aber auch ganz praktische Hilfe leisten. Den Nordkoreanern, die es ebenfalls geschafft haben, nach Großbritannien zu gelangen - dort aber im Alltag und in der Gesellschaft noch längst nicht angekommen sind.

Michael Glendinning - Leiter der gemeinnützigen Organisation Connect North Korea in Großbritannien (Privat)

Früher war er Lehrer in Südkorea - jetzt hilft Michael Glendinning Geflüchteten aus dem Norden

"Hier leben nach den statistischen Angaben der Regierung etwa 680 Nordkoreaner", erklärt Glendinning. Er interessiert sich schon lange für Korea, hat mehrere Jahre als Lehrer in Südkorea gearbeitet. Die tatsächliche Zahl der Nordkoreaner in Großbritannien schätzt er allerdings eher auf 800 bis 1000. "Genau sagen kann man es nicht, denn einige sind illegal hier."

Seit ein paar Jahren wird es immer schwerer für nordkoreanische Flüchtlinge, in Großbritannien ein Visum zu bekommen. "London orientiert sich daran, dass nach der südkoreanischen Verfassung die gesamte koreanische Halbinsel südkoreanisches Territorium ist. Und nach dieser Lesart sind dann praktisch alle Nordkoreaner technisch gesehen südkoreanische Staatsbürger." Diese, so die Argumentation, bräuchten natürlich kein Asyl.

Ein Stück Heimat am Rand von London

Mittlerweile werde die Mehrheit der Asylanträge vom dafür zuständigen Home Office abgelehnt, so Glendinning weiter. Die Zahl der Flüchtlinge sei daher deutlich zurückgegangen, nur noch 20 bis 30 kämen derzeit jedes Jahr nach Großbritannien.