Innere Pressefreiheit von außen betrachtet | Veranstaltungen | DW | 16.10.2013
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Veranstaltungen

Innere Pressefreiheit von außen betrachtet

Ausgewogenheit ist ein Kriterium für guten Journalismus – nicht nur in Krisenregionen. Über Hürden und Hilfen hierbei diskutierte eine Expertenrunde auf der Frankfurter Buchmesse. Gastgeber waren ifa-Institut und DW.

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Panel „Auf einer Wellenlänge“ auf der Frankfurter Buchmesse 2013

Ein unwissender Journalist, der „das Gefühl hat, alles zu wissen, kann Katastrophen auslösen“, sagte Aktham Suliman. Der frühere Al-Jazeera-Journalist diskutierte gemeinsam mit Carola Richter, Juniorprofessorin für internationale Kommunikation an der FU Berlin, Gernot Wolfram, Publizist und Professor für Kulturwissenschaften an der Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation, Berlin und dem Kulturjournalisten Frank Kaspar. Titel der Diskussion: „Auf einer Wellenlänge“. Die Moderation hatte Karin Schaedler, freie Journalistin aus Berlin.

Journalisten müssten die eigene Rolle stärker reflektieren, sagte Gernot Wolfram. Der Wissenschaftler stellte zudem eine fehlende publizistische Kultur fest zu sagen, was man nicht weiß. Das sei hierzulande in Redaktionen nicht üblich. Aktham Suliman verwies auf das Verhältnis von Chefredaktion zu Journalist. Es gebe autoritäre und weniger autoritäre Systeme in Redaktionen: „Die eigentliche Pressefreiheit findet innen statt“, so Suliman.

Mehr interkulturelle Expertise forderte Frank Kaspar bei Journalisten: Man müsse als Journalist wissen, welche Bilder, welche Vorurteile man im Umgang mit anderen Kulturen mitbringe. Die Sprachbildung müsse Eingang in die Medienausbildung finden. Begriffe wie „Pleitegrieche“ würden sonst Alltag. Zudem gelte es, sensibler im Umgang mit Sprache zu sein. Dies sei gerade bei Übersetzungen aus anderen Sprachen wichtig. Suliman: „In der arabischen Welt ist der Begriff Revolution schnell gesagt: Ich war auf dem Platz, es ist Revolution.“ Das habe einen anderen Stellenwert als hierzulande.

Adelheid Feilcke und Sebastian Körber: „Auf einer Wellenlänge“, Frankfurter Buchmesse 2013

Gastgeber in Frankfurt: Adelheid Feilcke und Sebastian Körber

Carola Richter sagte, ihre Studien zur Berichterstattung von Auslandskorrespondenten im Nahostkonflikt hätten gezeigt, dass deutsche Korrespondenten sich ihrer Rolle sehr bewusst seien und selbstreflexiv arbeiteten. Nicht nur die Bildung der Journalisten sei wichtig, auch die des Publikums. Typisch für die Beurteilung der Berichterstattung aus Konfliktregionen sei, dass man es als Journalist oftmals seinem Publikum nicht recht machen könne in puncto Ausgewogenheit. „Wenn wir alle Qualitätsmedien zusammen betrachten, finden wir auch alle Positionen und Ausgewogenheit.“

Das Selbstverständnis von Journalisten sei in manchen Ländern anders geprägt, so Suliman. Häufig sei es so, dass jemand Politiker werden wolle, sich dann aber für den Beruf des Journalisten entscheide und meine, dass sei ähnlich. „Er schreibt sich selbst eine Funktion zu, die Parteilichkeit, die ein Journalist aber gar nicht hat. DW-Kulturchefin Adelheid Feilcke und der Stellvertretende Generalsekretär des Ifa-Instituts, Sebastian Körber, hatten in ihrer Begrüßung darauf hingewiesen, dass die Veranstaltung im Kontext eines gemeinsamen Buch- und Forschungsprojekts von ifa-Institut und DW stehe. Unter dem Titel „Zwischen den Fronten – Grenzen neutraler Berichterstattung“ werde ein Buchband, an dem auch die Diskutanten als Autoren mitgewirkt hätten, Ende des Jahres im Steidl-Verlag erscheinen.