Indonesiens Präsident Widodo vor Wiederwahl | Aktuell Asien | DW | 17.04.2019
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Indonesien

Indonesiens Präsident Widodo vor Wiederwahl

Bei der Präsidentschaftswahl in Indonesien zeichnet sich ein klarer Sieg von Amtsinhaber Joko Widodo ab. Die Wahl wurde durch den zunehmenden Einfluss konservativer Muslime geprägt.

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Toleranz auf dem Prüfstand – Wahlen in Indonesien

Der indonesische Staatschef Joko Widodo liegt bei der Präsidentenwahl offenbar deutlich vorn. Nach der Prognose von fünf unabhängigen Meinungsforschungsinstituten kann der 57-Jährige mit etwa 55 oder 56 Prozent der Stimmen rechnen. Für seinen Gegenkandidaten, den ehemaligen General Prabowo Subianto (67), wurden nach Schließung der Wahllokale 43 bis 44 Prozent ermittelt. Ersten offiziellen Schätzungen zufolge lag die Wahlbeteiligung bei 75 Prozent. 

Nach Schließung der mehr als 800.000 Wahllokale wird mit ersten Ergebnissen noch im Lauf des Tages gerechnet.  In mehreren Distrikten der östlichen Provinz Papua verzögerte sich die Abstimmung allerdings, weil Stimmzettel und Wahlurnen nicht rechtzeitig eingetroffen waren. Das amtliche Endergebnis soll erst im Mai vorliegen. 

General Prabowo Subianto auf dem Weg zum Wahllokal

General Prabowo Subianto auf dem Weg zum Wahllokal

Präsident Widodo, in seiner Heimat Jokowi genannt, war vor fünf Jahren als Hoffnungsträger ins höchste Staatsamt gekommen. Von ihm wurden demokratische Reformen und ein besserer Schutz der Menschenrechte erwartet. Viele Indonesier sind jedoch von ihm enttäuscht. 

Gegenkandidat Prabowo ist der einstige Schwiegersohn des 1998 gestürzten und inzwischen verstorbenen Ex-Diktators Suharto. Prabowo war früher Kommandant der berüchtigten Elite-Einheit "Kopassus", die für Morde, Folter und Verschleppungen verantwortlich gemacht wird.  

Ein fröhlich dekoriertes Wahllokal in Yogyakarta

Ein fröhlich dekoriertes Wahllokal in Yogyakarta

Im Vergleich zu 2014 spielte die Religion dieses Mal eine größere Rolle. Indonesien stand lange für eine tolerante Form des Islams. Inzwischen haben konservative Kräfte stark an Einfluss gewonnen. Joko wird vorgeworfen, nicht islamisch genug zu sein. Dieses Mal trat er mit dem konservativen Geistlichen Ma'ruf Amin als Vize an. 

Von anderer Seite wird dem Präsidenten zur Last gelegt, in Sachen Menschenrechte zu wenig getan zu haben. Dazu gehören Hinrichtungen trotz internationaler Proteste, aber auch die Stimmungsmache gegen Homosexuelle, die wieder zunimmt. Auch Korruption ist in Indonesien immer noch weit verbreitet, obwohl Joko den Kampf dagegen zu einem seiner wichtigsten Ziele erklärt hatte. 

Wähler in Bandung trotzen der Überschwemmung

Wähler in Bandung trotzen der Überschwemmung

In dem südostasiatischen Staat mit seinen mehr als 17.000 Inseln waren insgesamt 193 Millionen Menschen aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Es war das erste Mal, dass die Wahl des Präsidenten, dessen Vize sowie der mehr als 20.000 Parlamentarier auf nationaler, regionaler und kommunaler Ebene in Indonesien an einem Tag stattfand. 

Indonesien ist das Land mit der weltweit größten muslimischen Bevölkerung. Fast 90 Prozent der über 265 Millionen Einwohner bekennen sich zum Islam. Etwa zehn Prozent sind Christen. Indonesien gehört zur Gruppe der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) und hat derzeit als nichtständiges Mitglied einen Sitz im UN-Sicherheitsrat inne. 

stu/djo (epd, afp, dpa)
 

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