Indonesien: Den Helfern läuft die Zeit davon | Aktuell Asien | DW | 04.10.2018
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Naturkatastrophen

Indonesien: Den Helfern läuft die Zeit davon

Nach Erdbeben und Tsunami auf der indonesischen Insel Sulawesi können die Rettungskräfte noch hoffen, Überlebende zu bergen. Allerdings wird die Zeit knapp. Und auch die internationale Hilfe ist gerade erst angelaufen.

Der Sprecher des nationalen Katastrophenschutzes, Sutopo Nugroho, beziffert die Zahl der Toten inzwischen auf mindestens 1424. Mehr als 2500 Menschen wurden schwer verletzt. Die tatsächliche Zahl der Todesopfer dürfte wohl noch deutlich höher liegen. Noch haben die Helfer die Hoffnung nicht aufgegeben, in den Trümmern Überlebende zu finden - die Arbeit wird ihnen aber von einem besonderen Naturphänomen besonders erschwert.

In zwei Vierteln der Hafenstadt Palu hatte sich der Boden nach den Erdbeben in einen weichen Brei verwandelt - ein Phänomen, das als Bodenverflüssigung bekannt ist. Die Erde saugte alles auf und wirbelte es durcheinander. Manche Bewohner fanden später das, was von ihren Häusern übrig war, Dutzende Meter vom ursprünglichen Ort entfernt. Die Behörden befürchten, dass sich unter dem Schlamm noch die Leichen Hunderter Menschen befinden.

Hilfe läuft erst langsam an

Auch die Hilfe für die von der Naturkatastrophe am stärksten betroffene Region läuft erst nach und nach an. Erste ausländische Flugzeuge erreichten heute das Land. 20 Maschinen aus elf verschiedenen Ländern sollten Hilfsgüter bringen und Überlebende ausfliegen, wie der Chef der indonesischen Luftwaffe erklärte.

Bei vielen Menschen macht sich inzwischen Frust breit über die ihrer Ansicht nach zu langsame Reaktion der indonesischen Behörden. Es fehle vielen weiter am Nötigsten. Mehrfach wurden Geschäfte auf Sulawesi geplündert. Auch von Warnschüssen der Polizei und von Tränengas ließen sich die notleidenden Menschen nicht abhalten. Mindestens 87 Plünderer wurden festgenommen. Die Armee warnte, sie werde auf Menschen schießen, die Hilfsgüter plündern.

Indonesien Sulawesi nach dem Erdbeben (Reuters/Antara Foto/M. Adimaja)

Das Luftbild zeigt, wie groß die Zerstörungen nach Erdbeben und Tsunami sind

Viele Menschen sind traumatisiert

Die Geschäfte bleiben zwar geschlossen, aber manche Bewohner des Katastrophengebiets bemühen sich, wieder ein Stück Normalität einkehren zu lassen. Er habe Reis, Öl, Zucker und Eier aus der Stadt Makassar im Süden der Insel bestellt, so der Inhaber eines Ladens im Ort Kabenga Besar. "Sobald die Sachen ankommen, werden wir wieder verkaufen." 

Dem Katastrophenschutz zufolge verloren mehr als 70.000 Bewohner von Sulawesis Westküste ihre Unterkunft. Die Vereinten Nationen schätzten, dass fast 200.000 Menschen auf Hilfe angewiesen sind. Vor allem Essen, sauberes Wasser, Medikamente und Zelte werden benötigt, so die Behörden. Die häufig traumatisierten Menschen bräuchten dringend humanitäre Unterstützung.

Viele Kinder haben ihre Eltern verloren

Unter den Notleidenden sind knapp 50.000 Kinder. "Unzählige Mädchen und Jungen haben durch diese schreckliche Tragödie ihre Eltern verloren, andere wurden von ihren Familien getrennt. Viele schlafen auf der Straße, weil sie einfach nirgends hingehen können", sagt Zubedy Koteng, Kinderschutz-Experte von "Save the Children", in der Provinzhauptstadt Palu. Die Organisation schätzt, dass insgesamt 600.000 Kinder unter der Katastrophe leiden.

Auch deutsche Helfer sind inzwischen auf dem Weg in das Katastrophengebiet. Wie ein Sprecher von "Isar Germany" bestätigte, ist ein Vorausteam der Organisation in Palu gelandet. Am morgigen Freitag sollen weitere Einsatzkräfte zusammen mit denen des Bundesverbandes Rettungshunde folgen.

Nach dem Erdbeben in Indonesien (picture-alliance/dpa/AP/F. Chaniago)

In der Region wurden provisorische Krankenhäuser eingerichtet

Spende auch vom Papst

Die Hilfsbereitschaft für die Region ist groß; aus aller Welt gibt es Zusagen: Die EU-Kommission aktivierte den europäischen Katastrophenschutz, um die Unterstützung zu koordinieren und kündigte humanitäre Hilfe in Höhe von rund acht Millionen Euro an. Die deutsche Bundesregierung gibt 1,5 Millionen Euro. Papst Franziskus hat 100.000 US-Dollar für die Betroffenen gespendet. Das vatikanische Entwicklungsministerium habe die Summe als Soforthilfe im Auftrag des Kirchenoberhaupts bereitgestellt, teilte der Vatikan mit. Das Geld soll mit Hilfe der Vatikanbotschaft an besonders stark von der Katastrophe getroffene Gebiete gehen.

Am vergangenen Freitag hatte zunächst ein Beben der Stärke 6 die Insel erschüttert. Es folgte ein weiteres der Stärke 7,5. Anschließend wurde die Küste von einer meterhohen Tsunami-Welle getroffen.

bru/rb (afp,dpa,kna)

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