Indischer Journalist in Kaschmir erschossen | Aktuell Asien | DW | 15.06.2018
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Indien

Indischer Journalist in Kaschmir erschossen

Der ehemalige DW-Korrespondent Shujaat Bukhari ist ermordet worden. Der Herausgeber der Zeitung "Rising Kashmir" machte sich als kritische und furchtlose Stimme im von Indien kontrollierten Kaschmir einen Namen.

Unbekannte erschossen den Journalisten aus nächster Nähe am Donnerstagabend kurz nachdem er sein Büro in der Stadt Srinagar verlassen hatte. Das gab die Zeitung bekannt. Auch zwei seiner Bodyguards wurden bei dem Attentat getötet. Die Täter sind bislang nicht bekannt. Sie kamen mit dem Motorrad und schossen mehrfach auf Bukhari. Damit verletzten sie ihn lebensgefährlich. Der Journalist wurde ins Krankenhaus eingeliefert, die Hilfe kam jedoch zu spät. Die Regierung will Ermittlungen auf höchster Ebene einleiten. Tausende Trauergäste versammelten sich an der Jamia Masjid Moschee in Srinagar zur Beerdigung des Journalisten.

Shujaat Bukhari bei einer Konferenz in Lissabon (Foto: twitter.com/bukharishujaat)

Shujaat Bukhari bei einer Konferenz in Lissabon Ende Mai

Der 50-jährige Bukhari war bereits in der Vergangenheit wegen seiner Arbeit bedroht worden. Unbekannte entführten ihn zum Beispiel 2006 auf seinem Heimweg aus der Redaktion. Als die Geiselnehmer den Journalisten erschießen wollten, versagte jedoch ihre Waffe, und er konnte fliehen. Die Täter wurden nie gefasst. Seit zehn Jahren stand Bukhari wegen solcher Angriffe unter Polizeischutz. "Es ist praktisch unmöglich zu sagen, wer deine Freunde und wer deine Feinde sind", hatte Bukhari einmal "Reporter ohne Grenzen" gesagt.

UN fordern Untersuchung von Menschenrechtsverletzungen

Kurz vor dem Anschlag auf Bukhari hatten die Vereinten Nationen eine unabhängige Untersuchung von Menschenrechtsverletzungen in der Region gefordert. Indien und Pakistan kämpfen seit sechs Jahrzehnten um Kaschmir, die beiden Atommächte haben drei Kriege um die Region geführt. Die UN werfen Indiens Sicherheitskräfte exzessive und widerrechtliche Gewalt vor. Aber auch antiindische Gruppen haben demnach Menschen getötet.

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Ehemaliger DW-Journalist in Kaschmir ermordet

Die Zeitung "Rising Kashmir" würdigte ihren Herausgeber am Freitag auf ihrer Titelseite. "Du bist zu plötzlich von uns gegangen, aber Du wirst mit Deiner professionellen Überzeugung und Deinem beispiellosen Mut immer unsere Lichtfigur bleiben", hieß es. "Wir werden uns nicht vor den Feiglingen beugen, die Dich von uns genommen haben. Wie werden Deiner Richtlinie folgen und die Wahrheit berichten, wie unbequem sie auch immer sein mag."

Journalisten arbeiten in Kaschmir unter extremen Bedingungen. Sie werden immer wieder zum Ziel militanter Gruppen. Vor 15 Jahren wurde der Journalist Parvaz Sultan im gleichen Presseviertel wie Bukhari erschossen. Viele Pressevertreter haben dort ihre Büros. In Bengaluru wurde im September 2017 zudem die kritische Journalistin Gauri Lankesh von Unbekannten auf einem Motorrad erschossen.

Konfliktregion Kaschmir

Der nordöstliche Teil Kaschmirs wird von Pakistan, der mittlere und südliche Teil von Indien kontrolliert. Als Grenze dient die Waffenstillstandslinie aus dem indo-pakistanischen Krieg von 1947. Ende der 1980er Jahre begannen Separatisten im indisch kontrollierten Teil Kaschmirs den bewaffneten Kampf gegen die indische Herrschaft - bei dem Konflikt wurden bislang über 68.000 Menschen getötet.

Bukhari hatte sich für eine friedliche Lösung des Kaschmir-Konflikts eingesetzt. So nahm er an vielen Friedenskonferenzen zwischen Indien und Pakistan teil. 

jmw/as (epd, afp, ap)

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