Indien greift in Pandemie auf Armee zurück | Aktuell Asien | DW | 27.04.2021
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COVID-19

Indien greift in Pandemie auf Armee zurück

Tag für Tag meldet Indien inzwischen etwa 350.000 Corona-Neuinfektionen. Das Gesundheitssystem kollabiert. In der dramatischen Lage bemüht sich die Regierung um weitere Unterstützung.

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Corona-Pandemie in Indien außer Kontrolle

Die Corona-Infektionszahlen steigen rasant - ein Grund hierfür scheint die besonders ansteckende Virus-Mutante B.1.617 zu sein, die in Indien entdeckt wurde. Nachdem die Behörden den fünften Tag in Folge mit knapp 353.000 Neuinfektionen einen weiteren Negativrekord registriert hatten, wird jetzt auch die Armee im Kampf gegen die Welle miteinbezogen. Generalstabschef Bipin Rawat kündigte die Entsendung von militärischem Personal im Ruhestand in die Kliniken an. Zudem würden Sauerstoffvorräte aus Armeereserven freigegeben. Es werde "Himmel und Erde" in Bewegung gesetzt, twitterte Gesundheitsminister Harsh Vardhan.

Die Krankenhäuser in dem Land mit seinen 1,3 Milliarden Einwohnern sind bereits seit Tagen hoffnungslos überlastet. Viele müssen Patienten aus Mangel an Betten, Ausrüstung und anti-viralen Medikamenten abweisen. Oftmals gibt es auch zu wenig medizinischen Sauerstoff zur Behandlung schwerer COVID-19-Fälle. Es mangelt selbst an Bahren, um die Toten wegzubringen.

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Massenveranstaltungen, Kommunalwahlen ...

Der südindische Bundesstaat Karnataka mit dem Technologie- und Outsourcing-Zentrum Bangalore stemmt sich von diesem Dienstag an mit einem Lockdown gegen die zweite Welle. Ähnliche Maßnahmen gelten bereits im westlichen Staat Maharashtra, wo das Finanzzentrum Mumbai liegt.

Dennoch tragen weiterhin religiöse und politische Massenveranstaltungen zur Verbreitung des Virus bei. Die Regierung von Premierminister Narendra Modi hatte sie ungeachtet der steigenden Infektionszahlen zugelassen. Zudem finden in Indien Kommunalwahlen statt. Allein am Montag waren 8,6 Millionen Wahlberechtigte in Westbengalen im Osten des Landes aufgefordert, ihre Stimme abzugeben.

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"Jenseits von herzzerreißend"

Die Lage in Indien sei "jenseits von herzzerreißend", klagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. Die Weltgesundheitsorganisation versuche so gut wie möglich zu helfen, einschließlich der Lieferung von Feldlazaretten und Laborausrüstung. Eine erste Ladung mit britischen Hilfsmitteln traf nach Angaben aus Neu Delhi inzwischen in Indien ein. Die USA wollen Rohstoffe für Corona-Impfstoffe, Beatmungsgeräte, Schnelltests und Schutzkleidung bereitstellen.

Frankreich kündigte Lieferungen von flüssigem Sauerstoff und acht Anlagen zur Sauerstoffgewinnung für die kommenden Tage an. Russischen Medien zufolge soll am Samstag eine erste Lieferung des Sputnik-V-Impfstoffes in Indien ankommen. Und auch Australien rüstet erste Hilfslieferungen mit Beatmungsgeräten und OP-Masken aus. Zugleich verbietet das Land jegliche Einreisen aus Indien bis mindestes Mitte Mai. 

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Corona-Erkrankte werden in der Unfallstation des LNJP-Hospitals in Neu Delhi behandelt

Die deutsche Lufthansa hält ihre Flugverbindungen zum indischen Subkontinent dagegen weiter aufrecht - vorerst, denn in der Bundesregierung wird darüber nachgedacht, den Flugverkehr mit dem Land vorübergehend ganz zu stoppen. Im deutschen Hilfspaket könnten Sauerstoff, Beatmungsgeräte oder Medikamente enthalten sein, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Das Verteidigungsministerium prüft Möglichkeiten zur Abgabe einer mobilen Sauerstoff-Herstellungsanlage sowie zur Transportunterstützung für weitere Hilfsgüter.

Der Hilfsdienst der Malteser ist schon vor Ort. Im Bundesstaat Rajasthan verteilt er nach eigenen Angaben Masken und Hygieneartikel an Gesundheitspersonal und Lehrer. Krankenpflegerinnen sind im Einsatz, um die Menschen über die Ausbreitungswege des Virus und Impfungen zu informieren. "Die Skepsis gegen die Impfungen ist in der indischen Bevölkerung sehr hoch", erklärte die Leiterin der Asienabteilung, Cordula Wasser.

se/ack (rtr, afp, ap) 

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