In Griechenland formiert sich ein Flüchtlingstreck | Aktuell Europa | DW | 06.04.2019
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Migration

In Griechenland formiert sich ein Flüchtlingstreck

Bei Thessaloniki haben sich 2000 Migranten versammelt, um auf der Balkan-Route nach Norden zu marschieren. Ihr Ziel: Mitteleuropa. Grund waren Gerüchte.

Rund 2000 Migranten sind bereit, in Griechenland ihre Zelte abzubrechen und nach Norden zu ziehen - so wie auf dem Höhepunkt der Fluchtbewegung im Sommer 2015. Noch sind sie nicht losgezogen - unter anderem ein massives Aufgebot der griechischen Polizei hat die Menschen daran gehindert. Doch am dritten Tag in Folge verkünden sie ihre Absicht von der Hafenstadt Thessaloniki aus zur rund 60 Kilometer nördlich liegenden Grenze zu Nordmazedonien zu marschieren. Anschließend wollen sie nach Mitteleuropa weiterreisen.

Gerüchteküche Internet

Derzeit wohnen die Migranten in Zelten rund um ein Flüchtlingslager bei Diavata. Dort soll der Marsch gen Norden starten. In den vergangenen Tagen war durch das Internet das Gerücht verbreitet worden, die Grenze Griechenlands zu Nordmazedonien sei offen. Das Hilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) warnte davor, dem Gerede zu glauben. Das griechische Migrationsministerium stellte klar, die Grenze werde nicht geöffnet. Alle Migranten sollte in ihre Unterkünfte zurückgehen. Dazu stünden Busse bereit.

Griechenland: Flüchtlinge verlassen Flüchtlingscamp bei Diavata (Reuters/A. Avramidis)

Polizeiaufgebot in Diavata (am Freitag): Frauen und Kinder als Vorhut?

Die Polizei kritisierte, dass einige im Lager von Diavata Frauen und Kinder als eine Art Vorhut einsetzten, um die Absperrung der Polizisten zu überwinden. Es gebe unter den Migranten "Hardliner", die Spannungen erzeugen wollten, sagte der für die Flüchtlingslager in Nordgriechenland zuständige Beamte des Migrationsministeriums, Nikos Ragkos.

Besetzte Gleise

Ansammlungen von Migranten, die nach Norden reisen wollten, gab es auch in Athen. Dort besetzten am Freitag rund 300 Menschen den Hauptbahnhof der griechischen Hauptstadt. Der Zugverkehr wurde für mehrere Stunden eingestellt. Die Besetzung wurde jedoch in der Nacht zum Samstag beendet, teilte die Eisenbahndirektion mit. Alle Züge fuhren wieder.

Bahnhofsblockade in Athen (05.04.2019) (picture-alliance/Photoshot/M. Lolos)

Bahnhofsblockade in Athen (am Freitag): Zugverkehr für mehrere Stunden eingestellt

Während des Höhepunkts der Migrationskrise war entlang der Grenze zwischen Griechenland und Nordmazedonien ein Grenzzaun gebaut worden. Dieser steht noch und wird überwacht. Damit wurde die sogenannte Balkanroute nach Mitteleuropa weitgehend geschlossen. Sie führte von Griechenland über Nordmazedonien, Serbien und Ungarn nach Mitteleuropa. 2015 und 2016 waren mehr als eine Million Menschen über diese Route nach Deutschland gereist.

AR/stu (dpa)