Impfbereitschaft in Corona-Krise gesunken | Aktuell Welt | DW | 15.07.2020
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Gesundheitsvorsorge

Impfbereitschaft in Corona-Krise gesunken

Während weltweit mit Hochdruck an Corona-Impfstoffen gearbeitet wird, werden immer weniger Kinder gegen Tetanus, Masern, Keuchhusten und andere Krankheiten geimpft. Die WHO und das Kinderhilfswerk UNICEF schlagen Alarm.

Impfung Kinder (picture-alliance/dpa/A. Ernesto)

Masernimpfung in einem Armenviertel von Manila

Beide Organisationen warnen vor einem gefährlichen Rückgang der Zahl der Kinder weltweit, die lebensrettende Impfungen bekommen. "Das unnötige Leiden und Sterben, das entsteht, wenn Kinder keine Routineimpfungen erhalten, könnte weitaus größer sein als COVID-19 selbst", sagte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus. Durch nachlassende Vorsorge seien in den vergangenen Monaten deutlich weniger Kinder gegen Tetanus, Masern, Diphtherie, Keuchhusten und andere Krankheiten geimpft worden.

Lieferengpässe und Lücken in Impfprogrammen

Zu den Gründen zählen Unterbrechungen bei der Bereitstellung und der Inanspruchnahme von Impfprogrammen im Zuge der Corona-Pandemie. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation und des UN-Kinderhilfswerks UNICEF räumen drei Viertel von 82 befragten Ländern Lücken in ihren Impfprogrammen ein. Beim Impfstoff gegen Masern hätten zudem mehr als 60 Staaten Lieferprobleme gemeldet. In anderen Fällen trauten Familien sich wegen der Corona-Pandemie nicht aus dem Haus oder es fehle Geld. Die WHO und UNICEF beziehen sich auf vorläufige Angaben, genaue Zahlen liegen noch nicht vor.

WHO in Genf | Coronavirus | Tedros Adhanom Ghebreyesus (Getty Images/AFP)

WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus appelliert an Eltern, ihre Kinder impfen zu lassen

"Impfstoffe sind eines der wirksamsten Instrumente in der Geschichte der öffentlichen Gesundheit", betonte WHO-Direktor Tedros. Aber die Pandemie bringe diese Errungenschaft in Gefahr. "Impfungen sind wegen COVID-19 zu einer großen Herausforderung geworden", sagte die UNICEF-Exekutivdirektorin Henrietta Fore. "Wir müssen Impfprogramme stärken und dafür sorgen, dass die Impfrate sich nicht weiter verschlechtert, bevor neue Krankheitsausbrüche Kinderleben gefährden. Wir können nicht eine Gesundheitskrise gegen eine andere tauschen", warnte Fore.

Erfolge könnten verspielt werden

Laut neuen Erhebungen von WHO und UNICEF könnten bei einem Absinken der Impfrate bereits erzielte Fortschritte zur Bekämpfung von Krankheiten, die durch Impfen vermeidbar sind, rückgängig gemacht werden. Allerdings stagniere die globale Impfrate unabhängig der Pandemie seit einem Jahrzehnt. So seien etwa seien die historisch hohen Impfraten in Lateinamerika und der Karibik zuletzt rückläufig gewesen. In Brasilien, Bolivien, Haiti und Venezuela ging die Rate im Laufe der vergangenen zehn Jahre demnach um 14 Prozent zurück.

Im Jahr 2019 erhielten rund 14 Millionen Kinder lebensrettende Impfstoffe nicht, erklärten die beiden Organisationen. Zwei Drittel dieser Kinder lebt demnach in zehn Ländern: Angola, Brasilien, der Demokratischen Republik Kongo, Äthiopien, Indien, Indonesien, Mexiko, Nigeria, Pakistan und auf den Philippinen.

qu/wa (dpa, afp, rtr, UNICEF)

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