Immer weniger finanzielle Schäden durch Organisierte Kriminalität | Aktuell Deutschland | DW | 01.08.2018
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Deutschland

Immer weniger finanzielle Schäden durch Organisierte Kriminalität

Dem Bundeskriminalamt liegt Verharmlosung naturgemäß fern. Dennoch kann Amtschef Münch einige Erfolge im Kampf gegen die Organisierte Kriminalität vermelden. Unter dem Strich bleibt die Gesamtlage aber bedrohlich.

Die Polizei in Hannover konnte im Juni 105 Kilogramm Marihuana sicherstellen (picture-alliance/dpa/P. Steffen)

Die Polizei in Hannover konnte im Juni 105 Kilogramm Marihuana sicherstellen

Wie das Bundeskriminalamt (BKA) mitteilte, lag der polizeilich erfasste Schaden im vergangenen Jahr bei rund 210 Millionen Euro. Damit war die Summe deutlich niedriger als in den vier Vorjahren. Die Zahl der Fälle blieb aber nahezu gleich. Sie lag bei 572 und damit im Schnitt der vergangenen zehn Jahre.

Im Vorjahr hatte die gesamte Schadenssumme rund eine Milliarde Euro betragen. Ursache waren einige wenige Fälle im Bereich der Wirtschaftskriminalität mit dreistelligem Millionenschaden. Solche Ausreißer gab es 2017 nicht. BKA-Präsident Holger Münch warnte dennoch, das Bedrohungs- und Schadenspotenzial, das von Organisierter Kriminalität ausgeht, bleibe unverändert hoch. Er äußerte sich in Wiesbaden bei der Vorstellung des "Bundeslagebildes Organisierte Kriminalität 2017".  

Drogenschmuggel Betätigungsfeld Nummer eins

Wichtigstes Feld für organisierte internationale Banden bleibt das Drogengeschäft, das rund ein Drittel aller Fälle ausmacht. Wichtigstes Herkunftsland sind dabei die Niederlande. Als Beispiel für den Drogenschmuggel nannte Münch Crew-Angehörige großer Frachter, die Kokain in wasserdichten Behältern mit Bojen und Peilsendern auf hoher See über Bord werfen. Dort nehmen Schnellboote die Drogen auf, bringen sie an Land und verteilen sie über ganz Europa.

BKA-Chef Holger Münch bei der Vorstellung seines Berichts zur Organisierten Kriminalität (Foto: picture-alliance/dpa/B. Roessler)

BKA-Chef Holger Münch bei der Vorstellung seines Berichts zur Organisierten Kriminalität in Wiesbaden

An zweiter Stelle folgt die Eigentumskriminalität. Schwerpunkt sind hier Autodiebstähle, die vorwiegend von osteuropäischen Banden begangen werden. Als Erfolg wertet das BKA den Rückgang bei Wohnungseinbrüchen, der sich auch in der allgemeinen Kriminalitätsstatistik widerspiegelt.

Bei der Wirtschaftskriminalität entstehen die größten Schäden. Oft geht es dabei um Täuschungen, etwa wenn Kriminelle sich als Vorgesetzte ausgeben und die Überweisung großer Summen auf fremde Konten fordern. Auch als Polizisten geben sich die Täter gern aus. Nach wie vor gut zu tun haben die Strafverfolger mit der Auswertung der sogenannten Panama Papers, die sie im vergangenen Jahr kauften.

Mehr Verfahren gegen Schleuser

Verfahren gegen Schleuserbanden nahmen deutlich zu - von 38 auf 51. Die meisten Tatverdächtigen kommen dabei aus Deutschland, Syrien und Nigeria. Die meisten geschleusten Personen stammten aus den Krisenregionen Afghanistan, Irak, Iran und Syrien. Das BKA will verhindern, dass sich durch den starken Zuzug von Flüchtlingen ähnliche kriminelle Strukturen bilden, wie es im Fall des Zuzugs aus Osteuropa in den 1990er Jahren der Fall war. "Wir sind da sehr wachsam", sagte er.

Razzia im Rotlichtmilieu im April in Bonn (Foto: picture-alliance/dpa/A. Vogel)

Razzia im Rotlichtmilieu im April in Bonn

Insgesamt nimmt die Zahl der Tatverdächtigen seit Jahren ab, zuletzt betrug sie 8300. Davon waren knapp 30 Prozent deutsche Staatsbürger. 2013 waren noch 40 Prozent der Tatverdächtigen Deutsche. Dahinter folgen litauische, türkische und polnische Bürger. Vergleichsweise wenig Verfahren gab es gegen Rocker. Von 20 Verfahren richteten sich dabei 17 gegen Mitglieder der Hells Angels. Auch die Mafia nimmt nur einen kleinen Teil der Verfahren des BKA ein. Von 14 Verfahren richteten sich sieben gegen Mitglieder der 'Ndrangheta und drei gegen die Cosa Nostra.

Engere Kooperation zwischen Bund und Ländern

Im Kampf gegen Organisierte Kriminalität zahlt sich nach den Worten von Münch die engere Zusammenarbeit von Länderpolizeien und Bundeskriminalamt aus. Bund und Länder identifizierten seit einigen Jahren gemeinsam mit dem Zoll aktuelle Brennpunkte der Kriminalität. Bei den Ermittlungen arbeiteten die Fahnder dann länderübergreifend zusammen. Wegen des hohen Grads grenzübergreifender Kriminalität forderte die Gewerkschaft der Polizei eine bessere Koordination zwischen den einzelnen Behörden. Dies will auch der BKA-Präsident angehen, ebenso wie den Aufbau einer gemeinsamen digitalen Plattform für die Polizeiarbeit.

sti/kle (afp. dpa)

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