Immer neue Angriffswellen der Islamisten: Aleppo vor dem Fall? | Aktuell Nahost | DW | 03.07.2015
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Aktuell Nahost

Immer neue Angriffswellen der Islamisten: Aleppo vor dem Fall?

Angeführt von radikalen Islamisten ist der Vormarsch syrischer Rebellen im Westen Aleppos kaum zu stoppen. Es ist die schwerste Schlacht um die Metropole seit Jahren. Steht Syrien vor der faktischen Teilung?

Erstes strategisches Ziel der neuen Islamisten-Allianz sei offensichtlich die Eroberung der Nordhälfte von Aleppo, und zwar von Westen her durch permanenten Druck auf die Regierungsstellungen. Darin waren sich die Berichterstatter aus dem oppositionellen Lager und die Staatsmedien einig. Beide melden eine große, koordinierte Offensive der Extremisten-Koalition, geführt vom Al-Kaida-Ableger Al-Nusra-Front und der ultra-dogmatischen Ahrar al-Scham.

Die oppositionsnahe Exilgruppe "Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte" berichtete, die Aufständischen hätten im Westen der Hafenmetropole Erfolge erzielt und rückten nun sogar auf das Zentrum vor. Aus syrischen Militärkreisen verlautete dagegen, der Angriff sei abgewehrt worden. Die syrische Luftwaffe bombardierte Stellungen der Rebellen. Im Staatsfernsehen wurden zahlreiche Leichen von Kämpfern gezeigt und erklärt, mindestens 100 Islamisten seien bei einem Gegenangriff getötet worden.

Geteiltes Land

Die Extremisten haben angedroht, Aleppo ganz zu erobern und dort die streng islamischen Regeln der Scharia einzuführen. Beobachter sprechen von der größten militärischen Auseinandersetzungen um die strategisch wichtige Stadt seit drei Jahren.

Aleppo war vor dem Krieg die größte Stadt des Landes, ein industrielles Zentrum und ein wichtiger Handelsplatz. Sollte die Metropole an die Rebellen fallen, wäre dies ein schwerer Rückschlag für Syriens Präsident Baschar al-Assad. Syrien wäre faktisch geteilt: Im Westen hätte Assad das Sagen, das übrige Gebiet wäre unter Kontrolle verschiedener Aufständischer. Auch die radikalislamische Terrorarmee vom so genannten "Islamischen Staat" (IS) kontrolliert weite Teile Syriens und des benachbarten Irak.

Türkei reagiert

Die Türkei verlegte zusätzliche Soldaten, Ausrüstung wie auch Spezialkräfte an die Grenze zu Syrien. Von dort sind es noch etwa 50 Kilometer bis Aleppo. Die Maßnahmen dienten allein dem Schutz des Landes, betonte Ministerpräsident Ahmet Davutoglu. Es sei nicht geplant, dass türkische Einheiten ins Nachbarland vorrückten. In einigen Medien war spekuliert worden, dass ein grenzübergreifender Einsatz unmittelbar bevorstehe.

Bei einer Explosion in einer Moschee in Ariha in der Provinz Idlib sollen angeblich 25 Mitglieder der Al-Nusra-Front getötet worden sein. Die Islamisten seien getroffen worden, als sie sich zum Fastenbrechen im Ramadan versammelten, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Auch ein ranghohes nicht-syrisches Mitglied der Extremisten sei unter den Toten. Andere Oppositionsgruppen sprachen auf ihren Internet-Seiten von mehr als 40 Toten. Als Täter wurden IS-Legionäre vermutet.

SC/ago (APE,rtre, dpa, afp)