Im November nur Bundesliga-Geisterspiele | Sport | DW | 29.10.2020
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Corona-Pandemie

Im November nur Bundesliga-Geisterspiele

Kein Corona-Lockdown für den Profisport, aber Geisterspiele ab kommender Woche. Vertreter aus Fußball, Handball und Basketball sind enttäuscht über den Beschluss von Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Länderchefs.

Geisterspiele in den Bundesligen, Stillstand im Amateurbereich: Der deutsche Sport wird von den verschärften Corona-Maßnahmen von Bund und Ländern hart getroffen. Angesichts steigender Infektionszahlen darf im Profibereich, auch im Fußball, im November nur noch ohne Zuschauer gespielt werden, der Freizeit- und Amateursportbetrieb wird weitestgehend untersagt. Das haben an diesem Mittwoch Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Regierungschefs der Bundesländer beschlossen.

"Bedauerlich"

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) nannte das vorübergehende Zuschauerverbot für Bundesliga und 2. Liga "bedauerlich". Die sich zuspitzende Pandemie-Lage fordere "zweifelsohne zusätzliche Anstrengungen in allen Lebensbereichen", teilte die DFL mit. Die Profiklubs hätten jedoch "in den vergangenen Wochen mit großem Aufwand Hygiene-Konzepte zum effektiven Schutz von Stadion-Zuschauern entworfen und diese mit den zuständigen Behörden vor Ort abgestimmt." Fans und Klubs hätten die "Hygiene- und Abstandsregeln nahezu ausnahmslos diszipliniert umgesetzt" und seien "damit ihrer Verantwortung gerecht geworden". Die DFL hoffe nun, dass "die beschlossenen Maßnahmen im Sinne der gesamten Gesellschaft schnell und nachhaltig Wirkung zeigen".

Ähnlich zurückhaltend äußerte sich Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB). Die Entscheidung solidarisch mitzutragen, falle "nicht leicht, weil sich die bereits sichtbaren und die für viele noch unsichtbaren Corona-Schäden in Sportdeutschland durch diese pauschale Maßnahme der Politik nochmals deutlich verstärken", sagte Hörmann. Der DOSB fordere "im Bereich der angekündigten Nothilfen, dass der Sport in seiner ganzen Vielfalt unproblematisch daran teilhaben kann".

"Saft abgedreht"

Im Basketball, Handball, Eishockey oder Volleyball kann der Profiligabetrieb zwar fortgesetzt werden oder starten - die Vereine sind aber stark auf die Zuschauereinnahmen angewiesen. Die Anordnung der Geisterspiele widerspreche "eigentlich dem, was wir letzte Woche mit den Chefs der Staatskanzleien besprochen haben", sagte Frank Bohmann, Geschäftsführer der Handball-Bundesliga. "Da war der Tenor noch eindeutig: Der Sport hat seine Hausaufgaben gemacht und trägt nicht zum Infektionsgeschehen bei." Die Handballer waren Anfang Oktober in die neue Saison gestartet.

Bei Stefan Holz, Geschäftsführer der Basketball-Bundesliga, "schwankt die Gefühlslage gerade zwischen Frust und Erleichterung". Er sei froh, dass die Ligen wenigstens spielen dürften, so Holz, doch enttäuscht darüber, dass die Zuschauerränge leer bleiben müssten: "Obwohl die Testphase gezeigt hat, dass die Hygienekonzepte funktionieren, dreht man uns doch den Saft ab. Das ist bitter." Die Saison der Basketball-Bundesliga soll am 6. November beginnen.

Dass sich an der jetzigen Situation bald etwas ändert, hält der Sportmediziner Prof. Dr. Wilhelm Bloch, Leiter der Abteilung für molekulare und zelluläre Sportmedizin an der Deutschen Sporthochschule Köln, für ausgeschlossen: "Jetzt haben wir erstmal in den nächsten vier Wochen so ziemlich alles dicht. Danach brauchen wir nicht zu denken, dass wir 'business as usual' haben, und wir alles wieder machen können. Ich glaube, wir werden den ganzen Winter damit zu tun haben. Bis ins Frühjahr und den Sommer hinein", sagte Bloch dem SID: "Ich glaube, es ist nicht realistisch, im Laufe des Winters Sport mit großen Zuschauermengen zu machen. Es wird das wohl draußen wie drinnen nicht geben."

Breitensport kommt weitgehend zum Erliegen

Von den Maßnahmen betroffen ist auch der Breitensport in Deutschland. Sämtliche Sportstätten wie Fitnessstudios, Turnhallen oder Sportplätze werden geschlossen, ebenso Schwimm- und Spaßbäder. Sporttreiben wird nur im Freien erlaubt sein, und zwar ausschließlich individuell. Das heißt, auch das Kicken auf der Wiese wird untersagt oder das Radfahren in einer Gruppe. Die Vorsitzende der Sportausschusses im Bundestag, Dagmar Freitag, hat darauf im Deutschlandfunk mit Unverständnis reagiert: Ich bin nicht sehr glücklich damit. Mir sind aus dem Sportbereich keine Veranstaltungen in den letzten Wochen bekannt, die sich im Nachgang zu einem Hotsport oder Superspreader entwickelt hätten." Man habe gesehen, dass die strengen Hygienekonzepte funktioniert hätten. "Meine große Sorge ist, dass wir mit solchen weitreichenden Beschlüssen schon Akzeptanz in der Bevölkerung verlieren werden."

sn/to (dpa, sid)

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