Im Münchener „Medienkloster“ | Spurensuche | DW | 13.06.2018
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Spurensuche

Im Münchener „Medienkloster“

Journalistenschmiede im Kloster? Dr. Ute Stenert von der katholischen Kirche über das Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses, das im ehemaligen Kapuzinerkloster St. Anton in München ausbildet.

Medienkloster in München (ifp )

Das Medienkloster in München.

In diesem Jahr feiert die katholische Journalistenschule ihr 50 jähriges Bestehen. Am 11. Oktober 1968 wurde das Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses e. V., kurz ifp, auf Initiative der Deutschen Bischofskonferenz gegründet. Über 3.000 junge Menschen haben seither in verschiedenen Programmen ihre journalistische Ausbildung erhalten. Mit großem Erfolg: Die Mehrzahl der Absolventen ist heute in den Medien, aber auch bei Verbänden und Unternehmen tätig. Sie arbeiten als Redakteure, viele davon in verantwortungsvollen Leitungsfunktionen.

Dabei hat sich das ifp nie als katholische Kaderschmiede verstanden. Der erste Direktor, der Jesuitenpater Dr. Wolfgang Seibel, wurde nicht müde, hervorzuheben, dass die Vermittlung journalistischen Handwerks an erster Stelle stehe. Sein Credo lautete: „Das Institut steht und fällt mit der Qualität der fachlichen journalistischen Ausbildung. Können lässt sich nirgendwo durch Gesinnung ersetzen.“1 

Journalisten hinter Klostermauern

Zunächst gab es mehrere Standorte. Seit 2008 ist das ehemalige Kapuziner Kloster St. Anton in München der einzige Sitz des ifp. Rasch hat sich hierfür der Begriff „Medienkloster“ etabliert. Es ist nicht nur die lange Tradition in der Geschichte der Kapuziner, die dieses Kloster zu einem besonderen Ort macht. Vielmehr wird hier das inhaltliche und geistliche Profil der Einrichtung erfahrbar. Das Gebäude strahlt aus, wofür das ifp steht: es ist offen zur Welt, mit ihrer ganzen Vielfalt menschlicher Existenz. Und es ist ein Rückzugsort, der Raum für die Glaubenssuche und Besinnung gewährt: Sei es beim Verweilen im Klostergarten, beim stillen Gebet im Meditationsraum oder einem vertieften Gespräch im ehemaligen Kapitelsaal.

Das Kloster St. Anton liegt mitten in der pulsierenden modernen Großstadt. Das Glockenbachviertel, das sich in 100 Jahren vom Arbeiterquartier zur hippen Ausgehmeile entwickelt hat, grenzt unmittelbar an. Auf dem anderen Ufer der Isar befindet sich das Deutsche Museum. Und der Marienplatz, das Herzstück Münchens, ist nur ein paar Minuten entfernt. Hier spiegelt sich die Nähe zum bunten Treiben der lebendigen Stadt.

Auch die Schattenseiten und die bedrohlichen Fragen des Lebens begegnen den Journalistenschülern vor den Toren des Medienklosters. Vor der Klostermauer erhalten Bedürftige Lebensmittel von der Ausgabestelle des Vereins „Münchener Tafel“. Das unmittelbar angrenzende Altenstift Kreszentia verweist auf die Probleme des Alterns und der sozialen Versorgung. Und der Südfriedhof auf der Straßenseite gegenüber deutet eine andere Dimension menschlicher Existenz an.

Ort der Konzentration

Auch wenn Nachwuchsjournalisten ihre Ausbildung in einem ehemaligen Kloster erhalten, ist dies kein Signal der Klerikalisierung. Klöster werden heute vielfach als Orte der zeitweisen Entrückung aus der Welt genutzt. So halten es auch die Nachwuchsjournalisten im Medienkloster: Wenn sie von ihren Recherchen zurückkehren, finden sie hier einen Ort der Ruhe, der Selbstvergewisserung und Konzentration.

Die Konzentration auf das Wesentliche ist für Journalisten entscheidend: als eine journalistische Technik der Auswahl und Einordnung der gesammelten Informationen, aber auch als eine Besinnung auf die Werte, die den Maßstab für alle Bewertungen abgeben. Dies sind die ethischen Normen, die den Qualitätsjournalismus auszeichnen, die konfessionsunabhängig Geltung haben. In einem christlichen Wertebewusstsein finden sie aber eine besonders starke Verankerung.

1 Wolfgang Seibel SJ, Rückblick auf 15 Jahre Institutsarbeit, in: 15 Jahre Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses (Broschüre), München 1984, S. 16-24, S. 21.

 

Dr. Ute Stenert ist Rundfunkbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz und Geschäftsführerin der katholischen Rundfunkarbeit in Bonn. Seit über 20 Jahren ist sie freie Autorin für unterschiedliche Medien tätig.