Im Licht | Sprachbar | DW | 20.11.2013
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Sprachbar

Im Licht

Romantiker lieben das Mondlicht, das gleißende Sonnenlicht schätzen Sonnenanbeter. Mancher stellt sein Licht unter den Scheffel, kann aber bei Licht besehen eine große Leuchte sein. Elektrizität ist dafür nicht nötig.

Wer von uns Mitteleuropäern sehnt sich besonders in den langen, dunklen Monaten nicht danach: nach dem, was hilft, düstere Gedanken beiseite zu schieben, nach dem, was uns die Dinge wieder klarer und deutlicher sehen lässt, nach dem, was wir üblicherweise als das Gegenteil von Dunkelheit bezeichnen. Es ist klar, worüber wir sprechen wollen: das Licht.

Natürliches Licht

Ein Hochzeitspaar steht im Mondlicht am Strand. Die Braut hält einen Brautstrauß in der Hand.

Romantik „im Mondenschein“

Licht hat ursprünglich und immer noch unter anderen Bedeutungen die von Helle und Glanz. Wir kennen das gleißende Sonnenlicht am sommerlichen Strand, die glänzenden Lichtreflexe auf dem Wasser, die strahlende, alles ausleuchtende Helligkeit der Sonne im Hochsommer. All dieses Licht ist Tageslicht, natürliches Licht, Sonnenlicht.

Auch der Mond gibt Licht – allerdings indirekt. Er nimmt es, bildlich gesprochen, von der Sonne. Das Mondlicht erzeugt bestimmte Stimmungen, zahlreiche Dichter haben sich mit dem befasst, was im Mondenschein so alles geschieht oder geschehen kann. Stellvertretend dafür sei das „Abendlied“ von Matthias Claudius zitiert: „Der Mond ist aufgegangen, die goldnen Sternlein prangen, am Himmel hell und klar…“

Künstliches Licht

Ein Mann mit einer Aktentasche in der rechten Hand steht auf einer Bühne im Rampenlicht von drei Deckenleuchten

Rampenlicht wird irgendwann auch ausgeknipst!

Licht ist eine Energieform und im physikalischen Sinn die Ursache für die Sichtbarkeit der Körper. Anders ausgedrückt: Ohne Licht können wir nichts sehen. Allerdings muss hinzugefügt werden, dass wir dazu der Fähigkeit des Sehens bedürfen, des Augenlichts.

Wir sind aber glücklicherweise nicht auf natürliches Licht angewiesen. Wenn wir spät nach Hause kommen oder an einem garstigen Winternachmittag oder nachts aufstehen, was machen wir? Wir knipsen das Licht an. Am Lichtschalter. Wie sehr wir vom künstlichen Licht, der Elektrizität, abhängig sind – und ohne darüber nachzudenken über sie verfügen – merken wir erst, wenn uns ein Stromausfall dazu zwingt, nach der Taschenlampe zu suchen oder Kerzen anzuzünden.

Geflügelte Worte

Ein Mann sitzt am Ausgang einer Höhle auf einer Bank mit dem Kopf in den Händen. Die Sonne scheint in die Höhle rein.

„Wo Licht ist, ist starker Schatten“

Welche Rolle Licht oder das Licht für die Menschen spielt, zeigt nicht zuletzt die Vielfalt seiner übertragenen Bedeutungen – übrigens in allen Sprachen und Kulturen. Beschränken wir uns auf einige Beispiele im Deutschen. Wo viel Licht ist, ist starker Schatten: Dieser Satz Götz von Berlichingens in Goethes gleichnamigem Drama ist zu einem geflügelten Wort geworden. Es bedeutet etwa, wo es viele Vorteile gibt, gibt es auch Nachteile.

Eine zunächst positiv erscheinende Sache kann bei Licht betrachtet, also bei sorgfältigem Nachdenken, auch den ein oder anderen Haken haben. Im neuen Licht gesehen, also neu beurteilt, muss dann eine Neubewertung durchgeführt werden. Manche Person erscheint im richtigen Licht gesehen nicht so, wie man sie ursprünglich beurteilt hat. So kann sich etwa herausstellen, dass jemand, der besonders freundlich ist, einen nur hinters Licht führen will, einem etwas verheimlicht oder einen nur täuschen will. Das klappt natürlich und glücklicherweise nicht immer und der betroffenen Person geht gerade rechtzeitig noch ein Licht auf. Übrigens: wenn Licht aufgeht, ist damit natürlich auch der Sonnenaufgang gemeint.

Das Licht unter dem Scheffel

Ein Ölgemälde des Kopfes des Physikers und Nobelpreisträgers Albert Einstein mit der Formel der Äquivalenz von Energie und Masse neben seinem Kopf: E=mc2

Er gilt als „große Leuchte“: Albert Einstein

Bescheidenen, gleichwohl klugen und kenntnisreichen Menschen wird bescheinigt, sie oder er stelle sein Licht unter den Scheffel. Ein „Scheffel“ ist eine alte Maßeinheit, steht aber auch für ein Behältnis, mit dem sich etwas transportieren lässt: das Schaff. Es ist eine Art Eimer, der in der Regel zwei Tragegriffe hat und früher auch als Maß genutzt wurde. Ein Schaff wurde auch zum Transport beispielsweise von Getreide genutzt.

Wer hingegen sein Licht leuchten lässt, verfügt in den allermeisten Fällen zwar über ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein, ist aber nicht schon deshalb eine Leuchte, also jemand, der klug ist und viel weiß. Ein großes Licht sozusagen. Aber was soll's. Lichte, erhellende, Momente des Verstehens hat sie oder er bestimmt auch.

Lichtblicke

Ab dem 22. Dezember sehen wir wieder Licht am Ende des Tunnels. Denn dann bleibt es jeden Tag ein bisschen länger hell. Das ist doch ein Lichtblick, oder? Und nun geben wir allen, die im November-Blues sind grünes Licht, sich trotz Lichtmangels auf etwas zu freuen: zunächst auf Weihnachten und dann aufs Frühjahr. Oder auf etwas anderes.





Fragen zum Text

Was stimmt? Sonnenlicht …
1. kann gleißend sein.
2. kann man anknipsen.
3. ist lichte.

Eine wichtige „Licht“-Redewendung geht zurück auf den Schriftsteller …
1. Johann Wolfgang von Goethe.
2. Friedrich Schiller.
3. Götz von Berlichingen.

Was stimmt nicht? Redensartlich kann …
1. jemandem ein Licht aufgehen.
2. jemand grünes Licht geben.
3. jemand sein Licht auf ein Schaff stellen.


Arbeitsauftrag
Ordne die passenden Präpositionen zu und bilde anschließend jeweils einen Satz mit der Redewendung. Verwende dabei – wenn möglich – das eine oder andere „Licht“-Wort aus dem Text, wie zum Beispiel anknipsen, Sonnenaufgang, Augenlicht.

hintersim (2x)unterbei

1. __________ richtigen Licht gesehen

2. __________ Licht betrachtet

3. Sein Licht __________ den Scheffel stellen

4. __________ Licht führen

5. __________ neuen Licht gesehen

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