Im Dialog mit Afrikas Zukunft  | 65 Jahre DW | 65 Jahre DW | DW | 02.05.2018
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65 Jahre DW

Im Dialog mit Afrikas Zukunft 

#The77percent – dieser Hashtag steht für ein umfassendes Projekt der DW für Afrika. Es zielt auf die junge Generation unter 35, die Dreiviertelmehrheit in Subsahara-Afrika, via Radio oder auf Social Media.

Simbabwe Rücktritt Robert Mugabe | feiernde Menschen in Harare (picture-alliance/AP Photo/T. Mukwazhi)

Sie wollen gehört werden: Junge Leute in Harare, Simbabwe, feiern den Rückzug Robert Mugabes Ende November 2017

Noch immer treffen fast jede Woche Briefe aus Afrika ein, gerichtet an den „Africa Director Deutshe Well“ oder auch die „Dutch Welle Bonn“. Oft sieht man den Handschriften die Mühe an, die das Schreiben gekostet hat. Enthalten sind dezidierte Meinungen, pointierte Einlassungen. 

Das Verlesen solcher Hörerbriefe, der Dialog on Air, ist so alt wie die Afrikaprogramme der DW selbst. Ob per Brief, Telefon oder Fax, per SMS, E-Mail oder auf Social Media – die Interaktionen sind stetig gewachsen. Bis heute, wo an manchen Tagen auf Facebook Tausende Kommentare eingehen. 2017 gab es allein durch den Zugriff auf die Videos der Reihe „Africa on the Move“ eine Steigerung der Interaktionen um 20 Prozent. Die Jugend meldet sich zu Wort, auf Facebook, per Messenger und WhatsApp. Kritisch, selbstbewusst, konstruktiv – auffallend selten beleidigend. 

Zukunft zu Hause gesucht 

Stäcker Claus Kommentarbild App

Claus Stäcker, Leiter Afrika-Programme der DW

Die Weltbank hat errechnet, dass 77 Prozent der Bevölkerung Subsahara-Afrikas jünger sind als 35 Jahre. Andere kommen zu leicht abweichenden Zahlen. Aber es geht um die Symbolik, die Dynamik und Sprengkraft einer Bevölkerungspyramide, die eine Zahl besonders einprägsam versinnbildlicht: 77 Prozent. Sie steht für Jugend, Hoffnung, Generationenumbruch. Die 77 Prozent suchen eine Zukunft zu Hause. Sie wollen mitreden, mitgestalten, mitentscheiden. Nicht einfach weg, jedenfalls nicht für immer. 

In Befragungen wird der DW in Afrika vor allem eine Rolle zugeschrieben: Der deutsche Auslandssender gilt als ehrlicher Makler, als glaubwürdiger Brückenbauer – zwischen Nord und Süd, zwischen Jung und Alt, zwischen Regierenden und Oppositionellen. 

Beispiel Äthiopien: Hier ist der Spagat zwischen der traditionellen, eher ländlich geprägten Zielgruppe der Kurzwellen-Hörer und der Gruppe der jungen, städtischen Fans und User, die darüber hinaus Social Media nutzen, die zentrale Herausforderung. Die digitale und mobile Ära wird von staatlichen Akteuren kontrolliert. Anders als in anderen Regionen Afrikas gibt es in Äthiopien deshalb keine UKW-Partner. Doch fast 800.000 Social-Media-Fans für unser Amharisch-Programm machen deutlich, dass der Spagat zwischen Kurzwelle und Smartphone gelingen kann. 

Bezogen auf die Afrika-Angebote der DW insgesamt ist die Zahl der Abonnenten in 2017 um gut 60 Prozent gestiegen, auf 4,1 Millionen. 

Die DW erreicht in Subsahara-Afrika 2017 mit all ihren Medienangeboten (Radio, TV und Online) wöchentlich 57 Millionen Nutzerkontakte – ein Plus von fünf Millionen im Vergleich zum Vorjahr. 

Jung, stolz, afrikanisch

Das Projekt #The77percent ist daher weit mehr als ein neues Magazin. Wir geben hier der jungen Mehrheit Afrikas eine Stimme, eine Adresse für den Dialog. Wir greifen die Themen auf, die junge Menschen bewegen. Jede Woche eine neue Debatte – auf sechs Plattformen, in sechs Sprachen: Amharisch, Englisch, Französisch, Haussa, Kisuaheli, Portugiesisch. In der digitalen Ära scheint die Jugend einen vitalen Panafrikanismus zu entwickeln. Reporterin und Moderatorin Edith Kimani, die bei Twitter und Instagram mehr als 300.000 Follower hat, bestätigt: „Bisher schien sich Afrika selbst kaum zu kennen, aber dank der Sozialen Medien finden immer mehr junge Afrikaner zueinander. Auf meinen Reisen fühle ich mich heimisch und entdecke, was es heißt, jung, stolz, afrikanisch zu sein.“ 

In ihren Reportagen packt sie für #The77percent die großen Themen an – in Ghana etwa Migration. Teil des Projekts ist auch das neue Format WhatElse? – frisch, humorvoll, augenzwinkernd. Die simbabwische Satireschmiede Magamba TV steuert die Figur des „Ministers für Ausstehende Aufgaben“ bei. Das englische Jugendmagazin Pulse heißt nun The 77 Percent, es ist die Radiosäule der Idee. Und weil die Idee zündete, gibt es Radioshows auch auf Französisch und Kisuaheli. Und ein TV-Magazin zu #The77percent ist in Planung. 

Enorm talentiert

Die Rückmeldungen zeigen, dass wir den richtigen Nerv getroffen haben. Schon zum Auftakt gingen über 3.000 Reaktionen ein, die meisten positiv. „Glückwunsch zur Initiative 77 Prozent“, schrieb ein junger Angolaner. „Ich bin bereit mitzumachen“. Der Nigerianer Dolapa Fadipe zeigte sich überzeugt: „Afrikas Jugend ist enorm talentiert“, schrieb aber auch, es gebe „eine Million Hindernisse, die es unmöglich machen, dass sich die Mehrheit voll entfalten kann“. Der Kenianer Joseph Kaiga appellierte: „Lasst uns die Talente und Ideen teilen und gemeinsam den Lauf der Geschichte mitbestimmen!“ 
www.dw.com/77


Geschichte(n) als Webcomic

25 Persönlichkeiten der afrikanischen Geschichte werden in Webcomics und Radiobeiträgen vorgestellt: Die neue DW-Geschichtsserie „African Roots“ richtet sich an die junge Generation in Afrika. Sie bildet die Mehrheit der Bevölkerung auf dem Kontinent. Die Porträts schlagen einen historischen Bogen von Dinknesh, der „Mutter der Menschheit“ aus dem heutigen Äthiopien, über legendäre Herrscher des Mittelalters wie den Mali-König Sunjata Keita bis zu Schlüsselfiguren der Unabhängigkeitsbewegung wie Patrice Lumumba. 

Die animierten Webgeschichten – von der erfolgreichen nigerianischen Grafikschmiede „Comic Republic“ gezeichnet –  laufen vorrangig auf Facebook. Parallel werden Radiobeiträge zum Thema gesendet. Via Facebook erreicht die DW in Afrika mehr als vier Millionen Abonnenten, über Radio derzeit wöchentlich rund 36 Millionen Hörerinnen und Hörer. 

DW-Nutzern zufolge wird der Diskurs über afrikanische Geschichte oft nur aus Sicht der früheren Kolonialmächte geführt. „African Roots“ hingegen entstand in Zusammenarbeit mit afrikanischen Historikern, Kulturwissenschaftlern und Autoren und greift auf afrikanische Quelle zurück. „African Roots“ ist abrufbar in den Sprachen Englisch, Amharisch, Französisch, Haussa, Kisuaheli und Portugiesisch. Gefördert wird das Projekt von der Gerda Henkel Stiftung.

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