Illusionsmaschine: Masken und Kino | Kultur | DW | 02.05.2020
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Kino

Illusionsmaschine: Masken und Kino

Masken gibt es auf der großen Leinwand eigentlich schon so lange, wie es das Kino gibt. Das ist wohl kein Zufall: Mit Masken lässt sich allerlei verdecken. Und die Täuschung ist ja auch ein Fundament des Kinos.

Vortäuschen, was nicht da ist. Identitäten verdecken. Den Zuschauer an der Nase herumführen - ob aus guten oder bösen Motiven. Die Geschichte der Maske im Kino ist noch nicht geschrieben. Vielleicht geschieht das ja demnächst: Wenn Masken aufgrund der Corona-Pandemie zum dauerhaften Begleiter der Menschen werden. Und möglicherweise tauchen ja demnächst auch die Darsteller auf dem einen oder anderen Filmset mit Maske auf. Netflix hat soeben die erste Corona-Serie angekündigt.

Ein Rückblick auf die Maske in der Filmgeschichte lohnt bereits heute. Schon zu Stummfilmzeiten gab es maskierte Filmhelden. Am Anfang der Kinogeschichte feierten insbesondere Genrefilme große Erfolge. Das Publikum sollte verblüfft und gebannt werden: Horror- und Kriminalszenen, auch Komödien, bei denen die Helden sich maskierten, waren gefragt.

Masken verbargen die guten Filmhelden - aus unterschiedlichen Gründen

Die Maske als Versteck, als Tarnung, als Täuschung. Das hatte Erfolg: "Im Zeichen des Zorro" entstand 1920, "Das Phantom der Oper" fünf Jahre später. Da genügte in der Stummfilm-Ära Action, Handlung und Gestik - auch wenn letztere dann hinter der Maske verschwand. Im Grunde genommen hat sich das bis heute nicht geändert. Die Motive ähneln sich noch im neuen Kino-Jahrtausend. Oft ist es der positiv besetzte Held, der aus Bescheidenheit - oder aber, weil er einen Makel im Gesicht trägt - zur Maske greift, um dann wahre Heldentaten zu begehen.

Schauspieler Anthony Hopkins mit Zorro-Maske, lachend (Imago/EntertainmentPictures)

Anthony Hopkins mit Zorro-Maske in einer Verfilmung aus dem Jahre 1998

Oder aber der (Anti-)Held führt Böses im Schilde und maskiert sich aus Schutz vor Entdeckung. Der Banküberfall ohne Maske - kaum denkbar. Auch wenn es dann schon zu spät ist und der Täter eingebuchtet, kann eine Maske immer noch helfen. Dann allerdings aus anderen Gründen. Sie spielt für die "Guten" eine lebensrettende Rolle spielen, siehe Hannibal Lector: Die Maske als Beißschutz.

Insbesondere im Horrorgenre spielt die Maske eine wichtige Rolle

Ob Zorro oder Batman, ob Catwoman (Frauen tragen in Filmen übrigens seltener eine Maske) oder die Fechtkünstler der Mantel- und Degenfilm-Ära: Sie alle wollen, zumindest zeitweise, nicht erkannt werden. Das trifft auch auf die vielen üblen und bestialisch mordenden Täter im Horrorgenre zu. Sie wollen erschrecken und töten - die Maske ist hier alles andere als Lebensschutz.

Filmszene aus Halloween: Ein Mörder mit Maske und Messer in nächtlicher Horror-Szene (Imago )

Klassiker des Horrorfilms: "Halloween" von John Carpenter

Masken, wie wir sie in diesen Tagen tragen, zum Schutz vor negativen Effekten, ob Krankheit (Corona) oder Umwelt (Klimaschutz), spielen in der Filmgeschichte dagegen eine untergeordnete Rolle. Doch es gibt auch solche Filme, in denen Masken den Menschen Schutz zum Überleben gewähren. In "Kameradschaft" von 1931 schützt die Maske die Menschen vor tödlichem Gas an der Front während des Ersten Weltkriegs.

Auch in einigen humanistischen Filmen spielen Masken eine wichtige Rolle

In Filmen wie "Der Elefantenmensch" von David Lynch oder in Peter Bogdanovichs zu Herzen gehendem Drama "Die Maske" (1985) schützen Masken entstellte Menschen vor zu großer Neugier und Aufmerksamkeit der Mitmenschen. Am unheimlichsten gerät in diesen Tagen aber wohl das Wiedersehen mit Steven Soderberghs Film "Contagion", der schon vor einem knappen Jahrzehnt auf der Kinoleinwand eindrucksvoll eine Pandemie beschrieb, mit all ihren Auswirkungen. Auch dort spielen Masken eine wichtige Rolle.

Filmszene aus Die Maske von Peter Bogdanovich mit Cher, Sam Eliott und Eric Stoltz: Mehrere Personen und der jugendlichen Held, der dem Zuschauer in dieser Szene den Rücken zukehrt (picture-alliance/Everett Collection)

Der entstellte Held in Peter Bogdanovichs "Die Maske" zeigt sich mit Maske – oder in der Rückenansicht

 

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