Ifo-Geschäftsklimaindex immer winterlicher | Wirtschaft | DW | 22.02.2019
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Konjunktur

Ifo-Geschäftsklimaindex immer winterlicher

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft ist angesichts drohender Handelsstreitigkeiten und des nahenden Brexits so schlecht wie seit Jahren nicht. Das Ifo-Barometer für das Geschäftsklima sinkt unerwartet deutlich.

Die Sorgen in den Chefetagen der deutschen Unternehmen wachsen: Der Ifo-Geschäftsklimaindex fiel im Februar von 99,3 auf 98,5 Punkte, den schlechtesten Wert seit Dezember 2014, wie das Ifo-Institut in München am Freitag mitteilte. "Die Sorgen in den deutschen Chefetagen nehmen weiter zu", kommentierte Ifo-Präsident Clemens Fuest. "Die deutsche Konjunktur bleibt schwach."

Die rund 9000 befragten Unternehmen bewerteten laut Ifo ihre aktuelle Geschäftslage etwas weniger gut als noch im Januar. Auch der Pessimismus mit Blick auf die kommenden sechs Monate habe zugenommen. Das Ifo rechnet daher mit einem Wirtschaftswachstum im ersten Quartal von 0,2 Prozent.

Insgesamt "wenig ermutigend"

Die Führungskräfte beurteilten ihre Geschäftslage schlechter, ebenso die Aussichten für die kommenden sechs Monate. Das Klima trübte sich sowohl in der Industrie als auch bei den Dienstleistern und in der Baubranche ein. Lediglich der Handel stemmte sich gegen den Abwärtstrend.

"Der erneute Fall ist wenig ermutigend", sagte Uwe Burkert, Chefvolkswirt bei der Landesbank LBBW. "Für eine Trendwende zurück nach oben müssen erst einmal die beiden Event-Risiken Brexit und Handelsstreit geklärt werden."

"Die gute Nachricht ist, dass die Stimmung weiterhin nicht abstürzt." Alexander Krüger vom Bankhaus Lempe kann den Zahlen auch etwas Positives abgewinnen. "Ein Rezessionssignal geht vom Geschäftsklima weiterhin nicht aus." Er schränkt aber auch ein:  "Wachstumsseitig werden fortan aber deutlich kleinere Brötchen gebacken. Der Abschwung wird sich weiter festsetzen."

Die Rezessionsgefahr steigt

Selbst eine Rezession gilt nicht als ausgeschlossen. "Auf Basis unseres Modells, in das die Ifo-Geschäftserwartungen eingehen, beträgt die Rezessionswahrscheinlichkeit mittlerweile fast 40 Prozent", sagte der Deutschland-Chefvolkswirt von UniCredit, Andreas Rees. "Vor allem der Gegenwind aus der Weltwirtschaft macht den deutschen Unternehmen schwer zu schaffen: die globale Konjunkturverlangsamung, die Unsicherheit durch Brexit, die Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China sowie die angedrohten US-Zölle auf europäische Autos."

Bereits in der zweiten Jahreshälfte 2018 wuchs Europas größte Volkswirtschaft nicht mehr. Für das laufende erste Quartal rechnet das Ifo-Institut derzeit mit einem Wachstum von 0,2 Prozent.

Allerdings spiegele sich die Warnung von US-Präsident Donald Trump vor Strafzöllen auf Auto-Importe noch nicht in den Exporterwartungen wider, sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe. Sollten sie tatsächlich kommen, dürften die Exportaussichten abstürzen, warnte er. Die Bundesregierung rechnet im laufenden Jahr mit einem Wachstum von 1,0 Prozent. 2018 hatte es noch zu 1,4 Prozent gereicht.

dk/hb (dpa, afp, rtr)

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