IFAB berät: Handspiel oder nicht? | Sport | DW | 02.03.2019
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Fußball

IFAB berät: Handspiel oder nicht?

Am Samstag beraten die Regelhüter des Fußballs in Aberdeen in Schottland über mögliche Reformen. Im Mittelpunkt steht die umstrittene Frage, wann Handspiel gepfiffen werden soll und wann nicht.

"Einer der am meisten diskutierten Bereiche der Spielregeln ist Handspiel", stellten die Regelhüter des Fußballs, das International Football Association Board (IFAB), bei ihrer Jahrestagung im vergangenen November fest.

Wie lautet die Handspiel-Regel jetzt?

"Ein Handspiel liegt vor, wenn ein Spieler den Ball absichtlich mit der Hand oder dem Arm berührt", heißt es in der international gültigen Regel. Dabei seien drei Dinge zu berücksichtigen: "die Bewegung der Hand zum Ball (nicht des Balls zur Hand), die Entfernung zwischen Gegner und Ball (unerwarteter Ball), die Position der Hand (das Berühren des Balls an sich ist noch kein Vergehen)".

Worin liegt das Problem?

Im Nachweis der Absicht. Je weiter die Hand vom Körper weg sei, sagte Bundesliga-Schiedsrichter Felix Brych im Fernsehsender Sky, "umso eher entscheiden wir auf Hand". Absicht sei bereits dann gegeben, "wenn jemand billigend in Kauf nimmt, mit der Hand zu spielen". Das bietet reichlich Raum für Interpretationen.

Wie soll die Regel geändert werden?

Künftig soll die Absicht dadurch definiert werden, dass die Armbewegung eine "unnatürliche" ist. Angeblich wird es künftig zwölf Kriterien geben. Dazu soll zum Beispiel zählen, wenn der Arm höher als Schulterhöhe ist. Kein Handspiel solle etwa dann vorliegen, "wenn ein Spieler stürzt, und sich reflexartig mit der Hand am Boden abstützt", sagte Bundesliga-Schiedsrichterchef Lutz Michael Fröhlich im ZDF. "Das wird bestimmt helfen."

UEFA EURO 2016 Deutschland vs. Italien Handspiel Jérôme Boateng (picture-alliance/AA/M. Sohn)

Unnatürliche Bewegung, Elfmeter - der wurde auch gegeben im EM-Viertelfinale 2016 zwischen Deutschland und Italien

Neu wäre auch die Bestimmung, dass ein unabsichtliches Handspiel eines Offensivspielers geahndet werden kann, wenn daraus ein "klarer Vorteil" entsteht, sprich eine Torchance oder sogar ein Treffer. Der würde dann nicht zählen. "Ich glaube, dass diese Regel auf breite Akzeptanz stößt", glaubt Fröhlich.

Welche Regeländerungen stehen noch zur Debatte?

Zeitspiel durch "taktische" Auswechslungen soll bekämpft werden. Spieler sollen den Platz dort verlassen, wo sie gerade stehen und nicht mehr - wie bisher häufig der Fall - gemütlich zur Auswechselbank schlendern.

Auch Trainer oder andere Offizielle des Teams sollen künftig - für alle Zuschauer sichtbar - mit Gelb oder Rot bestraft werden können. 

Beim Schiedsrichterball soll der Referee den Ball der Mannschaft zurollen, die zuletzt in Ballbesitz war.

Wer entscheidet?

Das IFAB hütet seit 1886 die Fußballregeln. Das Gremium besteht aus acht Mitgliedern: vier FIFA-Vertretern und je einem Abgesandten der vier britischen "Ur"-Verbände England, Schottland, Wales und Nordirland. Entschieden wird einmal pro Jahr. Um eine Regeländerung herbeizuführen, ist eine Zweidrittelmehrheit nötig, also sechs Stimmen dafür. Die vier FIFA-Vertreter stimmen einheitlich.

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