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Film

James Bond: Rassismus nein, Sexismus ja?

Christine Lehnen
3. März 2023

Vor 70 Jahren erschien der erste James-Bond-Roman. In einer Neuauflage werden manche rassistische Beschreibungen entfernt - aber sein Sexismus bleibt.

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Ein Filmplakat von "From Russia with Love" zeigt Seaon Connery im Anzug umring von vier leicht bekleideten Frauen
Ein angezogener Mann umringt von vier leicht bekleideten Frauen: alltäglicher Sexismus im Kino der 1960erBild: Everett Collection/picture alliance

Die Neuauflage der Buchreihe um den weltweit berühmten Geheimagenten James Bond sorgt in Großbritannien für Furore. 70 Jahre ist es her, dass der erste James-Bond-Roman erschien: Am 13. April 1953 veröffentlichte der Autor Ian Fleming "Casino Royale", in dem der Geheimagent James Bond unter dem Codenamen 007 für den englischen MI5 Spionage betreibt.

Anlässlich des 70. Jubiläums sollen die James-Bond-Romane in diesem Jahr neu aufgelegt werden, das haben die Erben Ian Flemings entschieden, die sein Urheberrecht unter dem Dach der Firma "Ian Fleming Publishing" verwalten. Rassistische Ausdrücke, wie zum Beispiel das N-Wort, sollen darin entfernt werden.

James Bond-Autor Ian Fleming raucht eine Zigarette
Der Brite Ian Fleming erfand die bis heute populäre Figur des Geheimagenten James Bond, der die "Lizenz zum Töten" hatBild: imago images/Everett Collection

"Manche rassistische Wörter, die heutzutage Menschen beleidigen und die Lesefreude schmälern würden, wurden angepasst", heißt es in einer Stellungnahme der Familie. "Dabei sind wir aber so nah wie möglich am Original und der Zeit geblieben, aus der der Roman stammt."

Eine Reihe von Büchern, obenauf liegt ein vielgelesenes Exemplar von "From Russia With Love" von Ian Fleming
Fleming schrieb 14 Romane über James BondBild: Henning Bagger/Ritzau/picture alliance

Hitzige Debatte um James-Bond-Romane

Diese Absicht stößt in Großbritannien auf Kritik und wird von manchen als Zensur gewertet. Sie hat aber auch eine neue Debatte angestoßen. Denn den einen gehen die geplanten Änderungen zu weit, anderen aber nicht weit genug. Der britische "Independent" wies darauf hin, dass die Darstellung schwarzer Menschen zwar verändert werde, aber die herablassende Sprache im Bezug auf ostasiatische und koreanische Figuren bestehen bleibe.

Auch frauenfeindliche und homophobe Beschreibungen verblieben im Roman, berichtete der britische "Daily Telegraph", darunter Bemerkungen wie "der süße Geruch der Vergewaltigung" oder die Bezeichnung von Homosexualität als "hartnäckige Behinderung".

Sean Connery als James Bond mit Shirley Eaton in "Goldfinger" (1964)
Sean Connery spielte den ersten James Bond. Zum "Playboy" sagte er einmal, es sei nichts Falsches daran, Frauen zu schlagen.Bild: Everett Collection/picture alliance

Wer wählt aus, was noch akzeptabel ist - und was nicht?

Das Buch soll aber eine Vorbemerkung enthalten, in der darauf hingewiesen werde, dass der Roman Ausdrücke und Haltungen enthalte, die ein modernes Publikum als beleidigend empfinden könnte. 

Das scheint sich nicht auf Frauenfeindlichkeit zu beziehen, kritisiert die australische Autorin Clementine Ford, die sich mit dem Sexismus des Bond-Universums beschäftigt hat. Die Änderungen würden vorgenommen, um dafür zu sorgen, dass Bond "bewundernswert und beliebt" bleibe, so Ford.

"Wenn man davon ausgeht, muss man sich schon fragen, warum Sexismus und die Entmenschlichung von Frauen Bond offenbar nicht schaden, sondern im Gegenteil einen Teil seines Charmes ausmachen", bemerkte die Autorin gegenüber dem US-amerikanischen "Time"-Magazin.

Ähnliche Kontroverse um Roald Dahls Werk

Die Kontroverse folgt auf eine Debatte um das Werk des beliebten britischen Kinderbuchautors Roald Dahl. Dessen Romane sollten in einer Neuauflage ebenfalls durch sogenannte "sensitivity reader" überarbeitet werden, die auf Inhalte hinweisen, die möglicherweise als Beleidigung aufgefasst werden oder eine Menschengruppe schädlich darstellen könnten.

Zum Beispiel soll eine Frau nicht mehr als "fett" bezeichnet werden, sondern als "enorm". Der Autor Salman Rushdie, der 2022 Opfer eines Messerangriffs wurde, weil er sich seit Jahrzehnten für die Meinungsfreiheit einsetzt, nannte die Änderungen "absurde Zensur".

Im Fall Roald Dahls ruderte der Verlag nach der öffentlichen Kritik zurück: Es sollen nun zwei Ausgaben erscheinen, eine davon enthält den Originaltext. "Ian Fleming Publishing" hat Leserinnen und Leser hingegen dazu aufgerufen, sich die überarbeitete Fassung anzusehen und sich selbst ein Bild zu machen.