Hollywood vs. AfD: Showdown bei Bürgermeisterwahl in Görlitz | Kultur | DW | 07.06.2019
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Offener Brief

Hollywood vs. AfD: Showdown bei Bürgermeisterwahl in Görlitz

Am 16. Juni könnte im sächsischen Görlitz ein Bürgermeister der rechtspopulistischen Partei AfD gewählt werden. Dagegen laufen nun prominente Filmschaffende aus dem In- und Ausland mit einem offenen Brief Sturm.

Es ist ein Appell in Form eines offenen Briefes: "Gebt euch nicht Hass und Feindseligkeit, Zwietracht und Ausgrenzung hin." Angesprochen sind Bürgerinnen und Bürger, die am 16.6. in der deutsch-polnischen Grenzstadt Görlitz den Oberbürgermeister wählen sollen.

Denn die Angst der Briefunterzeichner ist, dass ein Kandidat der rechtspopulistischen Partei "Alternative für Deutschland" gewählt wird. Er wäre der erste AfD-Oberbürgermeister in Deutschland.

AfD-Kandidat beim ersten Wahlgang erfolgreich

Im ersten Wahlgang am 26.5. hat der AfD-Kandidat Sebastian Wippel mit 36,4 Prozent die meisten Stimmen in Görlitz erhalten. Bei der Stichwahl am 16.6. könnte er das Rennen für sich entscheiden, er tritt gegen den CDU-Kandidaten Octavian Ursu an, der im ersten Wahlgang 30,3 Prozent erreicht hatte.

Octavian Ursu, Vorsitzender des CDU Kreisverbandes Görlitz (picture-alliance/dpa/P. Endig)

Hat überraschend prominente Unterstützer: CDU-Kandidat Octavian Ursu

Nun äußern Film- und Kulturschaffende in dem offenen Brief ihre Bedenken, wie die Leipziger Volkszeitung (LVZ) berichtete. Der volle Wortlaut wird am 10.6. veröffentlicht und liegt der DW vor. Absender sind prominente Filmschaffende, darunter der mehrfach für den Oscar nominierte britische Theater- und Filmregisseur Stephen Daldry ("Billy Elliot - I Will Dance"), die Schauspieler Burghart Klaußner ("Das Weiße Band"), Jana Pallaske ("Inglourious Basterds") und Volker Bruch ("Babylon Berlin") sowie die Autoren Daniel Kehlmann ("Die Vermessung der Welt") und Bernhard Schlink ("Der Vorleser"). Die AfD wird hierbei nicht namentlich erwähnt. Der Tenor des offenen Briefes: "Bitte wählt weise!"

Stephen Daldry (AP)

AfD, nein danke? Brite Stephen Daldry ist Mitunterzeichner des offenen Briefs zur OB-Wahl in Görlitz

Wahlappell mit Folgen?

Der AfD-Bundestagsabgeordnete Tino Chrupalla aus dem Wahlkreis Görlitz kommentierte die Aktion auf Twitter mit: "Bevormundung, nein danke! (...) Die Görlitzer brauchen keine Wahlempfehlungen "internationaler Stars" und Sternchen!". 

Es ginge ihm, so präzisiert Initiator und Filmproduzent Michael Simon de Normier gegenüber der Leipziger Volkszeitung, auch darum, Görlitz als Filmstadt nicht zu gefährden. "Görlitz ist in Hollywood ein Begriff", so Simon de Normier. "Wenn der Eindruck entsteht, dass eine Mehrheit in der Stadt fremdenfeindlich ist, wird das weltweit wahrgenommen und wird wohl auch Konsequenzen haben", glaubt er.

Dreharbeiten für The Grand Budapest Hotel in Görlitz (picture-alliance/dpa/J. Trenkler)

Görlitz als Drehort: hier 2013 bei Dreharbeiten für "The Grand Budapest Hotel"

Die Stadt an der Neiße ist für Hollywood-Produktionen eine beliebte Kulisse, Filme wie "The Grand Budapest Hotel", "Inglorious Basterds" und "Monuments Men" wurden hier gedreht. Wie sich eine Wahl des AfD-Kandidaten auf die Filmwirtschaft auswirken würde, ist schwer vorauszusagen. Die Region Görlitz profitiert seit mehreren Jahren wirtschaftlich von der Nutzung als Filmkulisse.

Der Brief wird am Montag auf der Webseite von zukunftsachsen.org veröffentlicht, deren erklärtes Ziel es ist, die Regierungsbeteiligung der AfD in Sachsen zu verhindern. Wie groß der Einfluss der Filmschaffenden auf das Wahlverhalten von Bürgerinnen und Bürgern sein wird, bleibt abzuwarten.

jhi/pj (dpa/Leipziger Volkszeitung)

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