Hochzeit - viele Worte für das hohe Fest | Sprachbar | DW | 04.10.2016
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Hochzeit - viele Worte für das hohe Fest

Das mittelhochdeutsche Wort Hochgezit bedeutete im Mittelalter zunächst nicht viel mehr als „hohes Fest“. Erst im 15. Jahrhundert entstand daraus die Hochzeit, die Feier zur Verbindung zweier Menschen.

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Hochzeit – viele Worte rund ums hohe Fest

Dass sich zwei Menschen lieben und deshalb heiraten wollen, hat eigentlich nicht viel Tradition. Auch in Deutschland nicht. Noch vor etwa 200 Jahren war es so, dass die Eltern für ihre Kinder die passenden Partner aussuchten. Die Liebesheirat gibt es also noch nicht sehr lange. Heute – nachdem wir alle Formen der Beziehungskiste, Lebensabschnittspartnerschaft und der unverbindlichen Zweisamkeit hinter uns haben – ist die Hochzeit für viele wieder zum Kernstück romantischer Sehnsucht geworden. Irgendetwas fehlt uns wohl im Zeitalter der unbegrenzten Lebensmodelle. Gebt einfach mal das Wort Hochzeit in eine Suchmaschine ein und staunt, was da so alles angeboten wird.

Vor der Hochzeit

Eheringe Symbolbild Ehe (Fotolia/Paul Posthouwer)

Die Wahl der passenden Ringe ist gar nicht so leicht

 Wenn sich zwei Menschen versprechen, dass sie heiraten wollen, heißt das Verlobung oder Verlöbnis. Dass man dieses Ereignis groß feiert, ist heute nicht mehr üblich, auch der Vorgang des Verlobens selbst hat für viele zukünftige Eheleute heute keine Bedeutung mehr. Dennoch ist ein ausgesprochener und angenommener Heiratsantrag eine Art Vertrag.

Dieses Eheversprechen ist zwar nicht bindend, also niemand kann die anschließende Eheschließung einklagen, per Gericht durchsetzen. Aber falls es nicht zur Hochzeit kommt, können Verlobungsgeschenke, wie zum Beispiel der Verlobungsring, zurückverlangt werden. Doch an solcherlei juristische Feinheiten denken die zukünftigen Brautleute natürlich nicht. Sie stellen sich andere Fragen: Heiraten wir kirchlich oder standesamtlich – ja richtig, man kann inzwischen in Deutschland auch nur kirchlich heiraten – oder suchen wir uns statt des Pfarrers einen freien Hochzeitsredner? Wie sieht die Hochzeitsfeier aus oder soll es überhaupt eine geben, welche Hochzeits-Location nehmen wir, wer gehört zur Hochzeitsgesellschaft, machen wir eine Hochzeitsreise, wie sollen unsere Trauringe aussehen?

Hochzeitsbitter und Hochzeitsplaner

Hochzeitstorte (fotolia/Dirk Schäfer)

Die Hochzeitstorte darf nicht fehlen

Fragen über Fragen. Wem die zu viel sind, der engagiert einen Hochzeitsplaner. Dieser Beruf hat seinen Ursprung im Hochzeitsbitter. Das war jemand, der die Gäste persönlich zur Feier einlädt und den Ablauf der Feier organisiert. Traditionell sind Hochzeitsbitter Freunde oder Verwandte, der Hochzeitsplaner ist Profi und lässt sich seinen Dienst dementsprechend bezahlen. Dafür kümmert er sich dann auch um alles – vom Design der Einladungskarte über die Auswahl des Blumenschmucks bis zur Cremefüllung der Hochzeitstorte.

Ehevorbereitungen

Doch der Hochzeitsplaner kann dem Brautpaar nicht alles abnehmen. Die zukünftigen Eheleute müssen zum Standesamt, um die Eheanmeldung vorzunehmen.

Junggesellenabschied in Berlin (picture-alliance/dpa/J. Carstensen)

Junggesellenabschied: Den Bräutigam erkennt man an seiner gelben Hose ...

Das klingt nicht sehr romantisch, mehr wie ein Verwaltungsakt. Bis 1998 musste man dazu noch das Aufgebot bestellen. Dabei wurde öffentlich die Heiratsabsicht verkündigt, zunächst beim sonntäglichen Gottesdienst, später durch die Veröffentlichung in einer Zeitung oder an der Tür des Standesamtes. Wer kirchlich heiratet, führt außerdem ein Ehevorbereitungsgespräch. Immer häufiger kommt dann vor dem großen Tag noch der JGA.: Der Junggesellen- und Jungesellinnenabschied ist gerade schwer in Mode. Braut und Bräutigam feiern getrennt mit ihren Freunden und Freundinnen den Abschied vom Single-Leben.

Heute ist Hochzeit

Wenn auf dem Standesamt oder in der Kirche das Jawort gesprochen und von den Trauzeugen bezeugt wurde – die sind übrigens in Deutschland auch nicht mehr Pflicht seit 1998 –, dann dürfen sich die Eheleute Mann und Frau oder altmodisch auch Gatte und Gattin nennen.

Brautpaar Hochzeit Ring Ringe Hände Heirat (Fotolia/JM Fotografie)

Der Brautstrauß fliegt später in die Menge: Wer ihn fängt, heiratet als nächster

Auch der Ausdruck bessere Hälfte wird gern benutzt. Begriffe wie Ehegespons oder Altargeschenk sind da schon seltener. Und bis sich die Partner gegenseitig Alter und Alte nennen, dauert es noch eine Weile.
Nach der Trauung feiern viele Paare mit Freunden und Verwandten mit einem Hochzeitsbankett. Es wird ausgiebig gespeist, der Brautwalzer getanzt und am Ende der Brautstrauß in die Menge geworfen.

Noch was vergessen?

Eins fehlt noch zur Hochzeit. Die Hochzeitsnacht oder bürokratisch gesprochen der Vollzug der Ehe. Heute, da Sex vor der Ehe normal ist, hat die Hochzeitsnacht ihre hochoffizielle Bedeutung verloren. Doch zu Zeiten, als die Kirche definierte, was eine Ehe ist, wurde der Vollzug der Ehe kontrolliert und teilweise sogar beobachtet.

Wer denkt schon an Scheidung? 

Symbolbild Hochzeit & Heiratsurkunde (picture-alliance/dpa/H. Wiedl)

Beim Standesbeamten wird der verbindliche Ehevertrag unterschrieben.

Wenn Mann und Frau Hochzeit feiern, dann heiraten sie. Sie schließen den Bund fürs Leben oder etwas altmodischer, sie vermählen sich. Trauen müssen sie sich schon, aber getraut werden sie vom Pfarrer oder dem Standesbeamten. Danach sind sie Ehemann und Ehefrau. Wenn zwei Menschen des gleichen Geschlechts einen staatlich anerkannten Bund schließen, heißt das Ergebnis eingetragene Lebenspartnerschaft, und statt Heirat gilt – zumindest bei den Behörden – der Begriff Verpartnerung.

Viele Worte gibt es um das hohe Fest. Nur für die Scheidung, den Moment wenn der doch eigentlich für immer gedachte Vertrag wieder aufgelöst wird und von dem alle hoffen, dass er niemals eintritt, gibt es nur ein Wort.


 

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Wie sieht es mit eurer Meinung zum Heiraten aus? Schreibt in wenigen Sätzen auf, was ihr vom Heiraten und von der Ehe haltet.

 

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